Der neue Kia Seltos springt in die Lücke zwischen Niro und Sportage. Das kompakte SUV bietet erstaunlich viel Platz und erstmals einen Hybrid mit elektrischem Allrad.
Kia bringt mit dem Seltos ein weiteres SUV auf den Markt.
(Bild: Kia)
Wer weltweit zu den größten Autobauern gehören will, braucht erfolgreiche SUVs für den Massenmarkt. Für Kia ist der Seltos genau das. In Korea, Indien oder den USA gehört das Kompakt-SUV zu den wichtigsten Modellen der Marke. Mit der zweiten Generation wollen die Koreaner nun auch in Europa angreifen.
Und zwar dort, wo sich alle tummeln. Der 4,43 Meter lange Seltos trifft auf VW T-Roc, Skoda Karoq, Nissan Qashqai oder Renault Symbioz. Er startet für 34.190 Euro als 180 PS starker 1,6-Liter-Turbobenziner mit Handschaltung und Frontantrieb. Als Allradler mit Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe kostet er mindestens 38.190 Euro. Doch spannender dürfte die Hybridversion sein, die erst Ende 2026 nach Europa kommt.
Denn technisch geht die Marke hier neue Wege. Neben dem 113 kW/154 PS starken Fronttriebler gibt es den Vollhybriden als erstes Modell des Hyundai-/Kia-Konzerns auch mit elektrifizierter Hinterachse. Dann werden die Hinterräder über einen eigenen Elektromotor angetrieben, die klassische Kardanwelle entfällt. Das spart Gewicht, schafft Platz und soll Verbrauch und Traktion verbessern.
Außerdem erhöht der 18 kW starke Zusatzmotor die Systemleistung auf 131 kW/178 PS. Seinen Strom bezieht er aus einer rund 1,5 kWh großen Hybridbatterie im Unterbau des Kofferraums. Der Akku wird nicht nur über Rekuperation geladen, sondern bei Bedarf auch direkt vom Verbrenner über den Generator. So soll dem Allradantrieb nicht die Energie ausgehen, beispielsweise auf langen Fahrten über verschneite Bergpässe.
Basis des Seltos ist die K3-Plattform, die unter anderem auch Kia Niro oder Hyundai Kona nutzen. Mehr als 60 Prozent der Karosserie bestehen laut Kia aus hochfesten Stählen.
Zusätzlich bekommt der Seltos als erstes Hybridmodell des Konzerns eine Vehicle-to-Load Funktion mit 230-Volt-Steckdosen im Innenraum und im Heck. Diese V2L-Technik macht den Wagen zum mobilen Stromspender, etwa um unterwegs Fahrradakkus zu laden oder auf einem Elektrogrill Würstchen zu grillen. Bemerkenswert ist, dass das System trotz der kleinen Batterie mehr als 3 kW Leistung zur Verfügung stellt.
Optisch orientiert sich der neue Seltos am Design der Elektro-SUV: vorne mit schmalen Leuchten und kantigen Flächen, hinten breit und bullig. Zum Auftritt passt das großzügige Raumangebot. Dank langem Radstand haben vor allem die Fondpassagiere viel Platz. Selbst große Erwachsene sind hinten gut untergebracht, ohne dass die Knie gleich an die Lehnen stoßen.
Cleveres Schienensystem mit kleiner Lade-Hürde
An praktischen Lösungen mangelt es ebenfalls nicht. Die Mitfahrer können ihre Smartphones über USB-Anschlüsse an den Rückseiten der Vordersitze laden, dazu gibt es reichlich Fächer und Ablagen. Die Rückbank lässt sich zwar nicht verschieben, aber man kann die Neigung der einfach geteilten Lehne verstellen. Praktisch auch der Kofferraum: An den Seiten sitzen Schienen mit Ösen, an denen sich Taschen fixieren oder Tüten einhängen lassen. Auch das Schluckvermögen des Heckabteils überzeugt. 536 Liter Gepäck passen hinten rein, allerdings verschwindet ein Teil des Volumens im unteren Staufach. Entsprechend hoch liegt der Ladeboden. Bei besonders sperrigen Kartons könnte es deshalb knapp werden. Immerhin entsteht eine nahezu ebene Ladefläche, wenn die Rückbank umgelegt wird.
Bei der Ergonomie gehört Kia mittlerweile zu den Besten der Branche. Das große Panoramadisplay ist in drei Bereiche unterteilt: Instrumente für den Fahrer, Klimainfos in der Mitte, rechts der 12,3-Zoll-Touchscreen für Navigation und Fahrzeugfunktionen. Die Größe passt, das Display erschlägt den Innenraum nicht wie bei manchem neuen Auto. Wischen, tippen, zoomen, dank logischer Menüführung funktioniert das intuitiv.
Auch, weil die Koreaner nicht auf haptische Regler verzichten. Sechs Tasten unter dem Display führen sofort zu Navigation, Medien oder anderen Funktionen. Und in der Mitte sitzt der Lautstärkeregler. Ebenfalls gelungen: das große Head-up-Display. In den teureren Versionen gibt es außerdem ein Panorama-Glasschiebedach sowie die Möglichkeit, den Beifahrersitz nahezu in Liegeposition zu bringen, sogar elektrisch von der Fahrerseite aus.
Weniger überzeugend wirkt die Materialqualität im Detail. Zwar präsentiert sich das Cockpit modern und aufgeräumt, doch die Hartplastikflächen in der Mittelkonsole oder die schlecht entgrateten Cupholder-Einsätze passen nicht ganz zum ansonsten hochwertigen Eindruck. Die Sitze, auf Wunsch klimatisiert und beheizt, sind dagegen angenehm komfortabel, könnten aber etwas mehr Seitenhalt bieten.
Für die erste Testfahrt in Korea stand ausschließlich der Hybrid mit Frontantrieb bereit. Dort gilt meist Tempo 80 auf Landstraßen und maximal 100 km/h auf Autobahnen, also genau das Umfeld, in dem sich ein Hybrid besonders wohlfühlt. Tatsächlich fährt der Seltos auffallend leise und entspannt. Häufig rollt er elektrisch dahin, der Benziner hält sich akustisch angenehm zurück.
Stand: 08.12.2025
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Mehr Cruiser als dynamischer Kurvenräuber
Erst wenn der Gasfuß kräftig durchgedrückt wird, zeigt sich der eher komfortorientierte Charakter des Hybridantriebs. Dann wirkt der Saugmotor etwas angestrengt, wird laut und schiebt wenig energisch an. Wobei das Korea-Modell mit 141 PS schwächer motorisiert war als die Europa-Fahrzeuge mit 154 PS. Die dürften souveräner auftreten. Auch in schnellen Kurven wirkt der koreanische Testwagen eher weich abgestimmt. Für Europa wollen die Ingenieure im Entwicklungszentrum Rüsselsheim allerdings noch nachschärfen. So oder so ist der Seltos eher ein harmonischer Cruiser als ein dynamischer Kurvenräuber.
Dazu passt der Verbrauch. Trotz SUV-Karosserie lag der Durchschnitt auf den koreanischen Straßen bei rund fünf Litern. Für ein Fahrzeug dieser Größe ist das ein bemerkenswert guter Wert. Der wichtigste Motor für Deutschland dürfte trotzdem der 180-PS-Turbobenziner werden. Er sollte spürbar agiler auftreten als der Hybrid und vor allem bei höheren Geschwindigkeiten besser zum europäischen Fahrstil passen.
Kia positioniert den Seltos damit bewusst als erwachsenen Familien-SUV. Viel Platz, gute Bedienbarkeit, moderne Technik und ein entspannter Charakter stehen beim Hybridmodell klar im Vordergrund. Genau damit könnte der späte Europa-Neuling durchaus Chancen haben. Zumindest, solange der Preis stimmt. Die Hybridversion startet immer in der dritthöchsten Ausstattung GT-Line und dürfte damit nicht unter 44.000 Euro liegen. Die Allradversion mit zusätzlicher E-Maschine im Heck dürfte deutlich mehr kosten.