Schon kleine Änderungen können Energie einsparen und mehr Nachhaltigkeit ins Autohaus bringen. Das zeigte der ZDK auf einem Informationsforum mit Podiumsveranstaltung auf der IAA Mobility.
ZDK-Podiumsdiskussion auf der IAA-Mobility: (v. l.) Martin Boisseree, Nachhaltigkeitsbeauftragter bei Sternpartner, Gregory Endres, Fokus Zukunft, Roberto Rossetti, BMW Group, Pauline Schur, NABU, und ZDK-Hauptgeschäftsführer Dr. Kurt-Christian Scheel.
(Bild: Diehl – VCG)
Wie lässt sich individuelle Mobilität mit Nachhaltigkeit vereinbaren? Das war das Leitthema der Veranstaltung des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) im Rahmen der IAA Mobility in München. Zwei Branchenvertreter diskutierten mit zwei Akteuren aus dem Umwelt- und Nachhaltigkeitsbereich, welchen Beitrag die Kfz-Branche zur Schonung von Ressourcen leisten kann.
Martin Boisseree, Nachhaltigkeitsbeauftragter von Sternpartner, stellte die operativen Maßnahmen der Autohausgruppe vor. Ziel sei es, die Betriebe energieautark zu machen, Energiekosten zu senken und den CO2-Ausstoß zu verringern, so Boisseree. Man könne die erreichten Erfolge zudem für die Image- und Marketingarbeit nutzen.
Voraussetzung sei eine Analyse des aktuellen Stands der Energieverbräuche und der Technik. Bei der Umsetzung helfen Energiebeauftragte und Energiesparchecklisten. Viel Energie lässt sich durch Verhaltens- und Prozessänderungen einsparen: So könne man die Raumtemperatur absenken und die Betriebszeiten der Lackierkabine anpassen.
Einfache Sofortmaßnahmen amortisieren sich schnell
Einfache technische Sofortmaßnahmen wie die Umrüstung auf LED-Technik, Bewegungs-/Präsenzmelder oder eine Dämmerungsregelung amortisieren sich rasch. Es lohne sich aber auch, Heizungsanlagen, Warmwasserversorgung und Thermostate zu überprüfen und Verluste in der Werkstatt z. B. bei Heizgebläsen und Druckluftsystemen zu reduzieren.
Sternpartner konnte so die Stromkosten innerhalb eines Jahres trotz Preissteigerungen um acht Prozent reduzieren und 1.150 Tonnen CO2 einsparen. Weitere Maßnahmen sind in Planung. Unter anderem möchte das Unternehmen einen Betrieb als Versuchsobjekt nutzen, um zu testen, ob dieser beispielsweise völlig ohne Druckluft arbeiten kann.
Acht Prozent weniger Stromkosten
Gregory Endres vom Beratungsunternehmen „Fokus Zukunft“ wies darauf hin, dass zum Beispiel die europäischen Länder ihren Wohlstand auf fossilen Brennstoffen aufgebaut haben. Das Bevölkerungswachstum der Zukunft werde aber in Ländern wie China und Indien sowie auf dem afrikanischen Kontinent stattfinden.
Ziel müsse es sein, auch diese Länder für die CO2-neutrale Energieerzeugung zu gewinnen. Ein Weg sei etwa, Windkraft- oder Solarenergie-Projekte für den globalen Klimaschutz zu unterstützen, zum Beispiel durch einen qualifizierten CO2-Zertifikatehandel.
Bei der Analyse des Treibhausgas-Abdrucks eines Unternehmens folge „Fokus Zukunft“ den anerkannten Vorgaben des Greenhouse Gas Protocol. Dabei werden neben dem direkten Energieverbrauch des Unternehmens (stationäre Anlagen, Fuhrpark) sowohl den vorgelagerten Aktivitäten, zum Beispiel von den zugekauften Waren über Anlagegüter und Mobilitätsaufwand bis hin zu energiebezogenen Emissionen, als auch die nachgelagerten Aktivitäten, bezogen auf das fertige Produkt, analysiert.
Mit moderner Technologie Ressourcen schonen
Roberto Rossetti, Hauptabteilungsleiter Entwicklung Gesamtfahrzeug – Fahrzeuglebenszyklus bei der BMW Group, konzentrierte sich auf die Frage, wie moderne Technologien zu einem umweltfreundlicheren Produkt führen können, bezogen auf Klimaschutz und Ressourcenschonung.
In der Nutzungsphase könnten Treibhausgase durch batterieelektrische Fahrzeuge am besten reduziert werden, so Rossetti. Ziel sei es aber, die CO2-Emissionen über den gesamten Lebenszyklus der Fahrzeuge bis 2030 um 40 Prozent gegenüber 2019 zu reduzieren. Die größte Herausforderung liege bei der besonders energieintensiven Produktion in der Lieferkette. Potenziale lägen hier darin, bei Kunststoffen und Metallen stärker auf Recyclingmaterial zu setzen und Demontage und Recycling zu verbessern.
Alte Autos als Rohstofflieferanten
So könnten alte Autos als Rohstofflieferanten für neue Fahrzeuge dienen. Zukünftig sollten dafür die Demontage von Komponenten vereinfacht, die Anzahl von Komponenten verringert, die Materialauswahl verwertungskompatibel gestaltet und kritische Materialien vermieden werden.
„Es muss sich etwas ändern, aber es kann gut werden“: Pauline Schur, Teamleiterin Verkehrspolitik beim Naturschutzbund Deutschland (NABU), warb dafür, gemeinsam an der dringlichen Aufgabe der CO2-Reduzierung zu arbeiten. Das Auto sei nach wie vor das meistgenutzte Verkehrsmittel und die Pkw-Dichte nehme weiter zu auf inzwischen 583 Pkw pro 1.000 Einwohner.
NABU: Kein Autobesitz für alle
Der NABU setze hier komplett auf E-Mobilität und auf Verkehrsvermeidung, ohne jedoch jemanden zurücklassen zu wollen. Vorrangig sei der Ausbau der Schiene. Straßen sollten lediglich erhalten und saniert werden und vom Anspruch „Autobesitz für alle“ solle man sich wegbewegen, und zwar durch Förderung von Bahn, ÖPNV, Fahrrad und Mobilitätsstationen. Parallel müssten die Verbrenner teurer werden. Auch E-Fuels seien nicht die Zukunft.
Stand: 08.12.2025
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In der anschließenden Diskussion, geleitet von ZDK-Hauptgeschäftsführer Dr. Kurt-Christian Scheel, ging es unter anderem darum, wie Autohäuser neue und erweiterte Mobilitätskonzepte anbieten können. Auch Flottenkunden interessierten sich immer mehr für Klimaschutz und Recycling. Man müsse den Individualverkehr ganzheitlich denken und alle Mobilitätsformen in einen nachhaltigen Ausgleich bringen. Die Beteiligten waren sich einig, dass alle Aspekte einer nachhaltigen individuellen Mobilität gemeinsam und mit Nachdruck weiterverfolgt werden müssen.
Kritik an Politik wegen Kürzung des Umweltbonus
Kritik in Richtung Politik übte Dirk Weddigen von Knapp, Präsident des Volkswagen- und Audi-Partnerverbands, in Bezug auf die Änderungen beim Umweltbonus: Ab 1. September profitieren Gewerbekunden nicht mehr vom Umweltbonus, der außerdem ab 2024 gekürzt wird. „Wenn ich eine Mobilitätswende ausrufe, muss ich sie auch langfristig und belastbar fördern“, so Weddigen von Knapp.