Reisemobil-Messe Kompakte Wohnmobile stehen beim Caravan-Salon im Fokus

Quelle: sp-x/dpa

Mit einer Vielzahl von Neuheiten überwiegend im Camper-Van-Bereich und Ideen für die Innenräume versucht die Caravaning-Branche in Düsseldorf zumindest für die Messezeit, die Lieferprobleme auszublenden. Ein Überblick über die wichtigsten Premieren.

Bei der Knaus-Tabbert-Marke Weinsberg stehen die Modelle Carabus und Caratour auf einem Transit-Fahrgestell.
Bei der Knaus-Tabbert-Marke Weinsberg stehen die Modelle Carabus und Caratour auf einem Transit-Fahrgestell.
(Bild: Weinsberg)

Diesmal geht es wieder in die Vollen. Der Caravan-Salon in Düsseldorf vom 26. August bis 4. September, die branchenübergreifend einzige große Messe, die auch in den vergangenen beiden Corona-Jahren trotz aller Einschränkungen als Live-Veranstaltung stattfinden konnte, will bei der 61. Auflage der weltweit größten Messe für Freizeitfahrzeuge an die Zeiten vor der Pandemie anknüpfen. Mehr noch: Mit einer Ausweitung auf 16 Hallen und 250.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche ist der Branchengipfel die bisher größte Veranstaltung in der Salon-Historie.

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736 Aussteller aus 34 Ländern präsentieren in den Düsseldorfer Messehallen ihre Neuheiten, wie die Messe am Mittwoch mitteilte – neuer Rekord. Die Veranstalter rechnen mit rund 200.000 Besuchern. 2021 waren trotz Pandemie 185.000 Menschen gekommen.

Eintrübung deutet sich an

Die Caravaning-Szene steckt in einem Dilemma. Einerseits sind die Auftragsbücher zumindest bei den Reisemobilen prall gefüllt, andererseits belasten Lieferkettenprobleme als Folge von Corona und Ukraine-Krieg den gesamten Geschäftszweig. Deutlich längere Lieferfristen und spürbare, auch der Inflation geschuldete Preissteigerungen könnten die Kundschaft verunsichern und die bislang noch unverändert hohe Kundennachfrage eintrüben.

Mit 64.704 neu zugelassenen Freizeitfahrzeugen in den ersten sieben Monaten dieses Jahres übertreffe die Branche zwar ihre Vor-Pandemie-Werte. Es bedeute aber gleichzeitig ein Minus von 13,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, gab der Branchenverband CIVD bekannt. Dabei hätten neben den genannten Gründen auch steigende Material- und Energiepreise sowie Personalmangel eine Rolle gespielt.

Suche nach neuen Basisfahrzeugen

Die Hersteller der rollenden Eigenheime ziehen deshalb in Düsseldorf alle Register, um einem Abklingen der Wohnmobil-Euphorie entgegenzuwirken. Eine beachtliche Vielzahl an Neuheiten spiegelt dabei aktuell drei große Trends wider: den Run auf Kompaktfahrzeuge, immer mehr flexible Lösungen für den Wohnraum und die Suche nach neuen Basisfahrzeugen, vor allem als Alternative für den mit großen Lieferschwierigkeiten kämpfenden Fiat Ducato.

Letzteres ist zwar zwangsläufig aus der Not geboren, hat aber bereits zu gewaltigen Verschiebungen geführt. So haben die Italiener ihre absolut dominierende Rolle als Chassis-Lieferant schon weitgehend eingebüßt. Vor allem bei den Camper-Vans zeichnet sich der Ford Transit als größter Gewinner dieser Entwicklung ab.

Der Kölner Transporter bildet bei Bürstner etwa die Basis für den Campingbus Copa und den neuen Hochdach-Van Lineo C590, der noch um eine kleinere Version C550 ergänzt werden soll. Das Unternehmen aus Kehl hat damit in kürzester Zeit seinen Schwerpunkt von den voll- und teilintegrierten Fahrzeugen auf die Kompaktklasse verlegt.

Dethleffs und LMC mit Transit-Fahrgestell

Dethleffs und LMC, Schwestermarken aus der Erwin-Hymer-Gruppe, haben ein ähnliches Transit-Modell ins Portfolio aufgenommen: Dethleffs mit dem Globetrail 590c ab 59.000 Euro und LMC mit dem Innovan 590, der mit rund 68.000 Euro zwar deutlich teurer ist, als Editionsmodell aber praktisch eine Vollausstattung an Bord hat. Das große Plus des Hochdach-Fords ist seine Innenraum-Stehhöhe von knapp über zwei Meter.

Auch bei der Knaus-Tabbert-Marke Weinsberg stehen die Modelle Carabus und Caratour jetzt ebenfalls auf einem Transit-Fahrgestell. Bei Eura-Mobil kam der Ford-Transporter schon seit Jahr und Tag zum Einsatz, beim Kastenwagen-Ableger Karmann stellt er zudem die Basis für die in diesem Jahr neu eingeführte Camper-Baureihe Duncan.

Es profitieren aber auch noch andere Fabrikate von der Fiat-Misere. Das Einsteigerlabel Forster steigt beim Camper-Van Livin’Up (ab 47.800 Euro) auf den Citroën Jumper um, Frankia bietet den Edel-Camper-Van Yukon als Alternative zum Mercedes Sprinter demnächst auch als Renault-Trafic-Ausbau an, und Ahorn verwendet wie eh und je den Renault Master.

Mercedes zeigt T-Klasse mit Camping-Ausbau

Mercedes war mit dem Sprinter schon in den vergangenen zwei Jahren erfolgreich auf Eroberungstour gegangen, hofft aber nun auf einen weiteren Trumpf bei den Mini-Campern. In Düsseldorf enthüllen die Schwaben eine T-Klasse mit Camping-Ausbau, der über die eigene Mercedes-Händlerschaft vertrieben werden soll und als Konkurrenz zum VW Caddy California positioniert ist.

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Einem anderen, zu Beginn hoch gepriesenen Transporter, dem trotz allem eine ähnlich weite Verbreitung wie dem Sprinter versagt blieb, spielt die aktuelle Situation offensichtlich gut in die Karten: dem VW Crafter. Die Volkswagner kooperieren mit zwei Großen der Branche. Hobby will auf dem Caravan-Salon einen Maxia-Van auf Crafter-Basis enthüllen, der mit einem Einzelbetten-Grundriss und skandinavischem Hygge-Design in Wettbewerb mit dem VW-eigenen Grand California tritt.

Baderweiterung durch faltbare Trennwand

Noch intensiver ist die Zusammenarbeit der Knaus-Tabbert-Gruppe mit der Nutzfahrzeug-Sparte von VW. Die Bajuwaren nutzen den Crafter für die teilintegrierte Van-TI-Baureihe, bedienen sich aber auch beim Bulli für ihre innovative Innenraum-Ideen. Bei dem schmalen, 5,88 Meter langen Teilintegrierten Tourer Van 500 MQ auf Basis des T6 1 heißt es etwa Bett oder Bad.

Wenn geduscht werden soll, wird die Nasszelle dank einer faltbaren Trennwand zum hinteren Querbett um eine eigenständige Duschkabine erweitert. In der Schlafstellung wird die Dusche wieder zusammengeschoben, so dass die volle Breite des Doppelbetts zur Verfügung steht. Kurios: Auf die gleiche Idee kam auch Dethleffs beim Globetrail 590c, nur dass hier die Baderweiterung über eine Schwenkwand erreicht wird und eine Hälfte des hinteren Querbetts hochgeklappt wird.

Bürstner bringt Reisemobil mit aufblasbaren Alkoven

Knaus verspricht aber noch eine weitere Premiere für Düsseldorf. Der Knaus Tourer CUV fällt allein schon wegen seiner „Elvis-Tolle“ über dem Fahrerhaus auf, die auf das selbst entwickelte Hubdach zurückzuführen ist. Es kann fast über die gesamte Fahrzeuglänge nach oben gehievt werden und ermöglicht so eine durchgängige Stehhöhe von zwei Metern.

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