Kreditkonditionen für Kfz-Betriebe werden schlechter

Autor: Doris Pfaff

Neben der andauernden Pandemie machen Kfz-Betrieben Änderungen im Kreditwesen sowie EU-Vorgaben zur nachhaltigen Finanzierung zu schaffen. Experten erläuterten die Hintergründe den Mitgliedern des ZDK-Wirtschaftsausschusses und der Fachgruppe Fabrikatsvereinigungen.

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Wenn Unternehmen zukünftig Kredite benötigen, müssen sie mehr Eigenkapital vorweisen.
Wenn Unternehmen zukünftig Kredite benötigen, müssen sie mehr Eigenkapital vorweisen.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Laut Moody's, eine der beiden größten Ratingagenturen weltweit, wird die Pandemie noch lange negative Auswirkungen auf den Automobilsektor haben. Damit, dass sich der Markt erholt, wird zwar fest gerechnet. Das Niveau von 2018/19 werde jedoch frühestens erst Mitte 2022 erreicht werden können, sagt Matthias Heck von Moody´s. Seine Einschätzung zur Situation der Automobilbranche stellte er in einem gemeinsamen Onlinemeeting des ZDK-Ausschusses für Wirtschaft und der Fachgruppe Fabrikatsvereinigungen vor. Moderiert wurde die Sitzung von Mark Scherhag, dem Vorsitzenden des Wirtschaftsausschusses.

Nach dem Umsatzeinbruch in der Automobilwirtschaft von aktuell 19 Prozent weltweit, erwartet Moody's einen deutlichen Erholungseffekt für den westeuropäischen Markt im nächsten Jahr mit einem Zuwachs von 12 Prozent sowie von 11 Prozent für 2022. Die Agentur stufte fast alle Automobilhersteller in ihrem Rating herab.

Änderungen im Kreditwesen

Mit weiteren Erschwernissen muss der Autohandel durch Änderungen im Kreditwesen rechnen. Diese Thematik erläuterte Christian Saß vom Bundesverband Deutscher Banken. Er berichtete über die geplanten Neuregelungen durch „Basel IV“ zur Eigenkapitalhinterlegung von Banken, einem Gesetzesentwurf, den die Europäische Kommission bis Mitte nächsten Jahres vorlegen will. Gelten sollen die Bestimmungen ab Januar 2023. Übergangsregelungen sollen bis zum Jahr 2028 angewendet werden.

Mit „Basel IV“ werde die Bankenregulatorik in der EU absehbar deutlich verschärft, betonte Saß. Die damit verbundene Erhöhung des Eigenkapitals der Banken bedeute für Unternehmen, dass sich deren Kreditkonditionen verschlechtern. Das treffe besonders die kleinen und mittelständischen Betriebe besonders hart.

Auch für den Bereich Leasing erwartet Saß, dass neue Anforderungen negativ auf den Handel wirken. Noch unberücksichtigt in seiner Einschätzung ließ der Finanzexperte die Auswirkungen der Corona-Pandemie.

Nachhaltige Finanzierung

Über nachhaltige Finanzierung und daran gebundene neue Offenlegungspflichten für Unternehmen informierte Lukas Westphal vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). Anlass bietet, dass veränderte Kreditvorgaben der EU zur Finanzierung nachhaltiger Projekte oder Investitionen angedacht sind.

Um die Pariser Klimaziele und die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen zu erreichen, muss die EU in nachhaltige Projekte investieren beziehungsweise diese fördern. Dazu arbeitet die EU an der sogenannten Taxonomie-Verordnung, mit der unter anderem nachhaltige Finanzprodukte vergleichbar werden sollen, auch um Missbrauch zu verhindern.

Eine große Rolle dabei spielt die Überarbeitung der Richtlinie zur Offenlegung nicht-finanzieller Informationen (NFRD). Großunternehmen müssen danach deutlich mehr offenlegen, wie nachhaltig sie aufgestellt sind. Allerdings seien die Vorgaben zur nachhaltigen Finanzierung inzwischen aus dem Ruder gelaufen, sodass sich dies auch auf kleinste Unternehmen sehr negativ auswirkte, so Westphal. Weil aber gerade diese aufgrund der aktuellen Herausforderungen wie die Bewältigung der Coronakrise und die Transformation kräftig investieren müssten, sei das sehr bitter und müsse deshalb zumindest auf nationaler Ebene verhindert werden, so das Votum der Sitzungsteilnehmer. Sie sind sich einig: Um in die politische Debatte einsteigen zu können, müsse der ZDK das Thema entsprechend aufbereiten.

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Über den Autor

 Doris Pfaff

Doris Pfaff

Redakteurin bei »kfz-betrieb«, Ressort Verbände & Politik