Automesse Peking Mercedes will auch so schnell sein wie die Chinesen

Quelle: dpa/gr/jr 6 min Lesedauer

Das Rennen um die Kunden in China geht in eine neue Runde. Auf der Automesse in Peking treten die deutschen und chinesischen Autobauer gegeneinander an – insbesondere in den Kernthemen Software, Fahrassistenz und KI im Cockpit.

Die Automesse in Peking startet. Für die deutschen Hersteller geht es darum, ihre Position im größten Automarkt der Welt wieder zu festigen.(Bild:  Mercedes-Benz)
Die Automesse in Peking startet. Für die deutschen Hersteller geht es darum, ihre Position im größten Automarkt der Welt wieder zu festigen.
(Bild: Mercedes-Benz)

Unter dem Motto „Zukunft der Intelligenz“ beginnt an diesem Freitag die Messe „Auto China 2026“ in der chinesischen Hauptstadt Peking. Das Branchentreffen im Land mit dem weltweit größten Automarkt gilt als wichtiges Schaufenster für die Trends von morgen. Die Veranstalter erwarten rund 181 Premieren und Hunderttausende Besucher bis einschließlich 3. Mai.

Insgesamt sollen auf der Autoshow rund 1.450 Fahrzeuge zu sehen sein. 71 davon sollen Konzeptfahrzeuge sein, mit denen die Hersteller Einblick in ihre Ideen für zukünftige Autos gewähren.

Besonders bestimmend dürfte in diesem Jahr das Thema Künstliche Intelligenz, autonomes Fahren und digitale Dienste werden. China nähert sich beim autonomen Fahren in Alltagsautos dem Level 3 an. Für die deutschen Hersteller geht es darum, nicht wie bei den E-Autos technisch hinterher zu hinken. Die ersten Eindrücke von der nun gestarteten Pekinger Automesse zeigen: Das Rennen ist in vollem Gange.

Problematisch ist der seit Jahren andauernde Preiskrieg. Viele Hersteller haben ihre Autos immer billiger angeboten, teils so stark, dass kaum oder gar kein Geld zu verdienen war. Inzwischen ist das auch zu einem politischen Thema geworden. Die Behörden gehen schärfer gegen den „ruinösen Preiswettbewerb“ vor. Die Konsolidierungswelle auf dem chinesischen Markt dürfte den Deutschen aber helfen, sagt Kupferschmidt. „Dann werden auch die Preise absehbar wieder steigen und dann sieht es für die deutschen Autobauer auch wieder besser aus“, sagt Autoexperte Philipp Kupferschmidt von der Unternehmensberatung Accenture.

Ein weiterer Trend ist Chinas Vorstoß in die Oberklasse. Was chinesische Hersteller mit ihren Modellen „beim Kundenerlebnis, bei Reichweite und Schnellladefähigkeit vorzeigen, kann sich mit der Weltspitze messen“, sagt Peter Fintl. Der Auto-Fachmann von der Beratungsgesellschaft Capgemini sieht keine Chance für eine Rückkehr der deutschen Dominanz auf dem chinesischen Markt. Aber es sei auch nicht das Ende. Sein Fazit: „Wir können es noch, stehen aber unter enormem Druck.“

Källenius: „Dein Markenimage musst du immer jeden Tag neu verdienen“

Mercedes will die Lehren aus dem wettbewerbsintensiven chinesischen Markt mehr und mehr auf andere Länder übertragen. „Wir wollen die Vorteile aus der Entwicklung hier nutzen, auch in Deutschland“, sagte Konzernchef Ola Källenius am Rande der Automesse in Peking vor Journalisten. „Da ist das Thema Geschwindigkeit ganz, ganz wichtig.“

Auch wenn der Markt in China derzeit schwierig sei, wolle Mercedes die Entwicklungsmannschaft in China ausbauen und intensiv in Forschung investieren. Zudem will der Autobauer laut Källenius die Lieferkette in China möglichst komplett auf Anbieter vor Ort umstellen, um Kostenvorteile zu erzielen.

Seit Jahren gilt in der Branche die Entwicklung im weltgrößten Automarkt China vor allem als schneller. „Wenn du in der Formel 1 bist und jemand ist schneller als du, und du weißt nicht, wie es geht – dann musst du dir selbst sagen: Es geht aber“, zog Källenius Parallelen zum Motorsport. Wenn die Geschwindigkeit in China bis jetzt schneller gewesen sei als beispielsweise in Europa, „dann heißt es, dass es geht. Also muss das dein neuer Maßstab sein.“ Die Steuerungszentrale für die Entwicklung im Konzern bleibe aber Deutschland.

Die Strahlkraft der Marke Mercedes-Benz in China sieht Källenius trotz des Abrutsches bei den Absatzzahlen in den vergangenen Jahren weiter intakt. „Dein Markenimage musst du immer jeden Tag neu verdienen“, sagte der Manager. Jüngere chinesische Kunden seien allerdings experimentierfreudiger und wechselbereiter. Das zeige sich aber auch bei großen chinesischen Marken, die ebenfalls starken Schwankungen bei den Verkäufen unterlägen.

Was der Konzern konkret in China plant

Das Umfeld bleibe hart, der Konzern stelle sich weiter auf harte Zeiten ein. In diesem Jahr würden unter anderem Modellwechsel belasten, sagte China-Chef Oliver Thöne. Mit der neuen vollelektrischen C-Klasse sowie der für China angepassten Elektroversion des SUV-Modells GLC will Mercedes in der Volksrepublik auch bei Elektroautos in größere Marktsegmente vordringen.

Bisher sei ein möglicher Hemmschuh bei chinesischen Kunden noch das Thema „intelligente Systeme“ im Auto gewesen, sagte Thöne. Fortschrittliche technische Funktionen im Fahrzeug seien eine Erwartung, die in China jeder habe. Hier schließe Mercedes jetzt zu den chinesischen Anbietern auf. Dieses Jahr will der Konzern landesweit seinen automatischen Navigationsassistenten einführen, der die Insassen selbstfahrend von Punkt A nach Punkt B bringt – ein Eingreifen des Fahrers soll kaum noch nötig sein.

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VW schraubt China-Ambitionen zurück

Die Konzern-Kernmarke VW Pkw fährt dagegen angesichts schwacher Verkaufszahlen seine Ziele in der Volksrepublik herunter: „Wir passen unsere Planung an“, sagte VW-China-Chef Ralf Brandstätter dem „Handelsblatt“. „Statt von 3,5 bis vier Millionen Fahrzeugen gehen wir für 2030 eher von rund 3,2 Millionen aus.“ Das wäre zwar weiter gut ein Drittel des weltweiten Absatzes – aber auch rund eine Million Autos weniger als 2019, als der Konzern in China auf 4,2 Millionen kam.

Im vergangenen Jahr war der Absatz des Konzerns auf seinem nach wie vor wichtigsten Markt erneut um acht Prozent auf unter 2,7 Millionen Fahrzeuge gesunken. Ob sich das in diesem Jahr bessert, ließ Brandstätter offen. „2026 ist ein Übergangsjahr“, sagte er. „Ob wir beim Absatz über oder unter Vorjahr liegen werden, kann ich aktuell noch nicht sagen.“ Erst 2027 werde die jetzt beginnende E-Auto-Offensive volle Wirkung entfalten.

In China war VW im ersten Quartal überraschend wieder zum Marktführer aufgestiegen, nachdem der Konzen zuletzt nur noch auf Platz drei hinter BYD und Geely gelegen hatte. Das lag vor allem an Änderungen der E-Auto-Förderung, unter denen einheimische Elektro-Marken litten. Die Wolfsburger gehen aber nicht davon aus, dass das bis Jahresende so bleiben wird. Der Konzern hatte zuletzt betont, Platz drei auf jeden Fall verteidigen zu wollen.

Seine Produktionskapazitäten in dem Land habe VW bereits angepasst, sagte Brandstätter weiter. „Seit 2023 haben wir technische Produktionskapazität von rund 1,5 Millionen Fahrzeugen abgebaut.“ Fünf Werke seien verkauft, geschlossen oder umgewidmet worden, darunter der umstrittene Standort Urumqi in der Region Xinjiang.

Audi mit zwei Marken in China

Audi-Chef Gernot Döllner sieht China trotz des schwierigen Marktumfelds als entscheidenden Wachstumsmarkt für das Premiumgeschäft des Autobauers. Der Premium-Markt werde weltweit „eigentlich nur noch in China wachsen“, sagte Döllner der DPA auf der Pekinger Automesse.

Der chinesische Premiummarkt wird nach Einschätzung Döllners in den kommenden zehn Jahren um rund 40 Prozent zulegen. Im Rest der Welt bewege sich das Premiumsegment dagegen eher seitwärts. Gleichzeitig sei der Wettbewerb in China deutlich härter geworden. Neue chinesische Hersteller positionierten sich erfolgreich im Premiumbereich. Audi sei nun „wieder in der Position, ein Stück der Challenger zu sein und gegen die den Wettbewerb anzunehmen“.

Zugleich räumte Döllner ein, dass die Ingolstädter VW-Tochter in der Volksrepublik weiter aufholen müsse. Der Umbau der Marke mit den vier Ringen in Sachen E-Mobilität stehe noch vor großen Schritten, sagte er.

Audi setzt in China inzwischen auf zwei Wege. Neben der klassischen Marke mit den vier Ringen gibt es die neue Schwestermarke, die ohne das traditionelle Logo auftritt und gemeinsam mit dem chinesischen Partner SAIC entwickelt wird. Die Entscheidung für diese Schwestermarke sei „eine sehr riskante und sehr mutige Entscheidung“ gewesen, sagte Döllner. Sie sei auch extrem kritisch diskutiert worden. Heute zeige sich aber, dass Audi damit neue Kunden anspreche und in ein Segment komme, in das die Hauptmarke mit den vier Ringen nicht komme.

Audi-Gene sollen besser verbaut werden

Zugleich will Audi die neue Marke künftig stärker selbst prägen. Ziel sei es, „die Audi-Gene hier vor Ort noch mal stärker in die Autos einzubringen“. Besonders wichtig seien in Zukunft zwei Felder: das digitale Erlebnis im Innenraum und automatisiertes Fahren. „Das sind die Hauptinnovationsfelder“, sagte Döllner. Das nächste spannende Rennen, das von China ausgehe, sei zudem die Frage, welche Rolle künstliche Intelligenz im Fahrzeug spielen werde.

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