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Kunde darf Autokredit nach Jahren widerrufen

| Autor: Christoph Seyerlein

Ein Kunde darf wegen Formfehlern seinen Kreditvertrag ohne Nutzungsausgleich widerrufen und ist sein Auto so drei Jahre lang quasi kostenfrei gefahren. Sollte die noch nicht rechtskräftige Entscheidung des LG Hamburg Schule machen, könnte das im Hinblick auf die Diesel-Affäre Folgen haben.

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Hat das Urteil bestand, ist der klagende Kunde seinen Hyundai Santa Fe wieder los und bekommt sämtliche Zahlungen dafür zurück.
Hat das Urteil bestand, ist der klagende Kunde seinen Hyundai Santa Fe wieder los und bekommt sämtliche Zahlungen dafür zurück.
(Bild: Hyundai)

Ein Urteil des Landgerichts (LG) Hamburg könnte für neuen Wirbel in der Abgas-Affäre sorgen. Die Richter gaben in einer Entscheidung vom 29. Juni 2018 (Az. 330 O 145/18) einem Kläger recht, der seinen Kreditvertrag mit der Bank Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (BDK) widerrufen wollte. Aus Sicht des Gerichts darf der Kunde seinen finanzierten Hyundai Santa Fe zurückgeben und sämtliche Zahlungen dafür einfordern – ein Nutzungsausgleich wird demnach nicht fällig. Allerdings ist das Urteil noch nicht rechtskräftig.

Das LG Hamburg begründete seine Entscheidung mit Formfehlern im Kreditvertrag. Konkret geht es um die Widerrufsbelehrung. Im Normalfall können Kunden 14 Tage lang den Kauf rückgängig machen. Im nun verhandelten Fall hielten die Richter die Belehrung darüber aber fehlerhaft, ihrer Ansicht nach begann die Frist nie zu laufen. Sollten derartige Entscheidungen Schule machen, könnte das enorme Folgen haben, versuchen aktuell doch massenhaft von der Diesel-Affäre betroffene Kunden jenen „Widerrufsjoker“ auszuspielen und so ihre Fahrzeuge ohne Wertverlust loszuwerden.

Im konkreten Fall hatte der Kläger seinen im Januar 2015 abgeschlossenen Finanzierungsvertrag für einen Hyundai Santa Fe mit Euro-5-Diesel rückgängig machen wollen. Als Hamburger war er von den dortigen Durchfahrtsbeschränkungen für Diesel-Fahrzeuge betroffen, sein Auto verlor auch deshalb deutlich an Wert. Sollte das Urteil Bestand haben, wäre der Kunde sein Fahrzeug über drei Jahre quasi kostenfrei und ohne Wertverlust gefahren. Die BDK müsste ihm dann sämtliche Zahlungen zurückerstatten.

Die BDK teilte am Dienstag auf Anfrage von »kfz-betrieb« mit, Einspruch gegen die Entscheidung eingelegt zu haben. Da es sich um ein Versäumnisurteil handele, habe das zur Folge, „dass der Prozess in die Lage zurückversetzt wird, in der er sich vor Eintritt der Säumnis befand“, so ein Sprecher der Bank. „Daher geht es hier um ein weiterhin laufendes Verfahren, in dem das Gericht unsere Einspruchsbegründung nun prüft.“

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