SUV-Historie Lamborghini: 50 Jahre Super-SUV

Von Steffen Dominsky 3 min Lesedauer

Vor fast einem halben Jahrhundert begann der Weg von Automobili Lamborghini in das SUV-Segment. Die Geschichte beginnt mit dem Cheetah, einem ursprünglich für militärische Zwecke konzipierten Prototypen, und reicht über den LM001/LM002 bis zum Urus SE1.

Allen voran reiche Wüstenscheichs hatte Lamborghini als Käuferschicht im Visier. Zu den Besitzern eines LM002 zählten aber auch Prominente wie Sylvester Stallone, Keke Rosberg und der Sultan von Brunei.(Bild:  Lamborghini)
Allen voran reiche Wüstenscheichs hatte Lamborghini als Käuferschicht im Visier. Zu den Besitzern eines LM002 zählten aber auch Prominente wie Sylvester Stallone, Keke Rosberg und der Sultan von Brunei.
(Bild: Lamborghini)

1977, auf dem Genfer-Autosalon, stellte Lamborghini etwas vor – ja was eigentlich? „Es“ hörte auf den Namen Cheetah, zu Deutsch Gepard. Es war der erste Gehversuch des italienischen Sportwagenherstellers im Offroad-Segment. Als Vorlage für die Raubkatze auf vier riesigen Rädern diente der XR311-Prototyp, den die Firma FMC Corporation, ein US-amerikanisches Chemieunternehmen, 1970 für das US-Militär entwickelt hatte. Gebaut wurde der einzige Prototyp des Cheetah in San Jose, Kalifornien von Mobility Technology International (MTI) im Auftrag von Lamborghini. Anschließend verschiffte man ihn nach Sant’Agata, wo Lamborghini ihm den letzten Schliff verpassen wollte. Als Antrieb diente dem monströsen Geländewagen ein wasserdicht verpackter 5,9-Liter-180-PS-Chrysler-V8-Motor, eingebaut im Heck und angeflanscht an eine 3-Gang-Automatik. Die Karosserie bestand aus Fiberglas, und im Inneren gab es Platz für vier voll ausgestattete Soldaten plus den Fahrer.

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Die Anordnung des Motors im Heck führte zu sehr schlechten Fahreigenschaften des Cheetah und auch der Motor erwies sich für das 2.042 kg schwere Fahrzeug als nicht ausreichend leistungsstark, was insgesamt zu einer schlechten Performance führte. Zu allem Überfluss klagte FMC gegen MTI und Lamborghini, da es sich in Augen der Amerikaner um eine Kopie bzw. einen Ideenklau handelte. Somit blieb es bei besagtem einzigen Prototypen, der an den Hersteller von Kleinflugzeugmotoren Continental Aerospace Technologies verkauft wurde und bis heute überlebt hat.

Trotz des Scheiterns des Cheetah-Projekts hielt Lamborghini an der Idee eines Geländewagens fest und mit neuem Investoren-Kapital entwickelten die Italiener das Cheetah-Konzept zum LM001 weiter. Im Gegensatz zum Chrysler-Motor des Cheetah kam im LM001-Prototyp der V12-Motor des Countach zum Einsatz. Erstmals vorgestellt wurde der neue Lamborghini 1981 auf dem Genfer Autosalon, zusammen mit dem neuen Jalpa. Doch auch der zweite Geländewagenversuch aus Sant’Agata wies dank Heckmotor ungünstige Fahreigenschaften auf. Daher schaffte es auch der LM001 nicht in die Serienfertigung.

Auf LM001 folgte LM002

Entsprechend änderte Entwicklungsingenieur Giulio Alfieri das Konzept und pflanzte den V12-Motor des Countach Quattrovalvole nach vorn. Zudem erhielt der intern Lamborghini Militaria Anteriore (LMA) genannte neue Prototyp ein Fünfgang-Schaltgetriebe von ZF sowie die Möglichkeit, den Frontantrieb auszuschalten. Die Entwicklung umfasste auch das experimentelle Modell LM003, angetrieben von einem VM-Turbodieselmotor, sowie den LM004, der mit einem 7,0-Liter-V12 aus dem Marinebereich ausgestattet war. 1986 feierte der dritte Anlauf von Lamborghinis Idee eines Geländewagens seine Serienpremiere. Er hört auf den relativ logischen Namen LM002 und ist zugegeben ein extremer Geländewagen; aus Sicht von Lamborghini der Vorläufer des Super-SUV, wie man es heute kennt.

Der LM002 bot eine bis dato nicht gebotene Kombination aus Luxus, Exklusivität und Leistung. Insgesamt entstanden bis zur Einstellung der Produktion im Jahr 1992 nur 301 Exemplare. Angetrieben vom 5,2-Liter-V12-Motor des Countach Quattrovalvole mit 450 PS, war der LM002 in der Lage, seine 2,7 Tonnen Gewicht auf über 200 km/h zu beschleunigen. Um auch unter anspruchsvollsten Bedingungen die Leistung auf den Boden zu bekommen, entwickelte Pirelli die Scorpion BK-Reifen speziell für den LM002. Auch dank dieser erreichte der massive Wagen trotz der Windschnittigkeit eines Scheunentors über 200 km/h und trug seine Passagiere mühelos über Wüstendünen. Der Innenraum vereinte Geländetauglichkeit mit handgefertigtem Luxus – geprägt von edler Lederpolsterung, feinen Holzverkleidungen, Klimaanlage und einer Auswahl exklusiver Ausstattungsdetails.

Urus, der absolute Umsatztreiber

Die Produktion des LM002 endete 1992, nachdem 301 Einheiten gebaut worden waren, darunter die 1989 für den US-Markt eingeführte LM/American-Version. Heute liegt der Marktwert des „Rambo-Lambo“ typischerweise zwischen 350.000 und 500.000 Euro und ist in den letzten Jahren stark angestiegen. Für außergewöhnlich gut erhaltene Exemplare, originalgetreue Sammlerstücke oder seltene Sonderserien (wie den LM/American) bezahlen Fans oftmals auch 600.000 bis hin zu 750.000 Euro. Zum Vergleich: Ende der 80er kostete ein LM002 etwa 220.000 DM.

25 Jahre später knüpft der Urus an das Erbe des LM002 an. 2012 erstmals als Konzept vorgestellt und 2017 in Serienform auf den Markt gebracht, läutete er eine neue Ära für die Marke ein. Mit der Einführung des ersten V8-Biturbo-Motors von Lamborghini schuf das Unternehmen ein Fahrzeug, das auch abseits asphaltierter Straßen mit Fahrleistung punktet, wozu beispielsweise auch eine Hinterradlenkung beiträgt. Der Name Urus leitet sich vom lateinischen Begriff für Auerochse ab, dem Urvorfahren des modernen Rindes. Das aktuelle SUV ist der unangefochtene Umsatz- und Absatztreiber der Marke. Er ist der meistverkaufte Lamborghini der Geschichte, macht oft über die Hälfte der gesamten Jahresproduktion aus und hat das Unternehmen zu historischen Umsatzrekorden geführt.

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