Land Rover Defender: So entsteht die Legende

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Bis zur Hochzeit, bei der der 2,2 Liter große und 122 PS starke Vierzylinder-Motorblock mit dem Fahrgestell vereint wird, sind noch ein paar Hammerschläge und lautes Krachen zu vernehmen. Hier wird noch richtig zugepackt und draufgekloppt. Frei nach dem Motto: „Was nicht passt, wird passend gemacht.“ Direkt nach der Hochzeit bekommt der noch ziemlich nackte Defender sein Cockpit verpasst, das auf einer parallel zum Fahrwerk verlaufenden Fertigungslinie zusammengebaut wird. Dann geht es ans Stahlkleid. Doch plötzlich dröhnt eine Sirene durch die Hallen... es ist Tea-Time! Nach wenigen Minuten stehender Bänder geht es weiter.

Bohren nach Augenmaß

Das Besondere an dem stählernen Umhang eines Defenders ist, dass es an einem skelettartigen Gerüst zusammengesetzt und später mit dem Fahrwerk verbaut wird. Dabei fällt auf, dass die rund 450 Defender-Arbeiter nur selten zu Robotern oder ähnlichen Apparaturen zurückgreifen müssen. Der Bohrer wird hier noch nach Augenmaß angesetzt, so dass das gern genutzte Marketingdeutsch „Hier ist kein Exemplar wie das andere“ beim Defender tatsächlich zutrifft.

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Natürlich ist nach fast 70 Jahren das über Generationen weitervererbte Augenmaß – Mitglieder einer Familie arbeiten bereits in der dritten Generation in diesem Werk – fast so gut wie eine vom Computer erstellte Maske, doch nur fast. Leichte Kratzspuren oder ähnliches werden hier ohne ein Wimpernzucken zur Kenntnis genommen. Denn schließlich wird ja noch lackiert.

Eine Kuriosität stellt bei all dem Zusammengehämmere, Geniete und Geschweiße die Tür eines Defenders dar. Denn die hat sich seit der Geburtsstunde kaum und seit genau einem Vierteljahrhundert gar nicht in ihren Abmessungen verändert. Soll heißen, dass ein aktueller Defender seine verkratzte oder zerbeulte Tür durch einen 25 Jahre alten Schrottplatzfund ersetzen könnte. Könnte... Denn diese Tatsache hat sich natürlich herumgesprochen. Und dass mehr als zwei Drittel aller jemals produzierten Defender noch über die Straßen und Felder rund um den Globus rollen, erhöht die Wahrscheinlichkeit auf einen Schrottplatzfund auch nicht gerade ungemein.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Feinjustierung der Türen. Wobei der Begriff fein an dieser Stelle eher scherzhaft zu verstehen ist. Denn auf dem Werkstatt-Wagen des Justierers liegen neben einem Schraubenschlüssel zwei verschieden große und beschaffene Hämmer. Zieht die Tür leicht nach links? Rumms. Fällt sie nach rechts ab? Wumms. Ob alles passt oder dicht ist, zeigt sich nur wenige Meter später in der Monsunkammer. Hier wird jeder einzelne Wagen 14 Minuten lang dem Hochdruck aus 343 Wasserdüsen ausgesetzt.

Land Rover Celebration Line

Wer jetzt glaubt, dass die Produktion eines Land Rover Defender sich seit 1948 kein Stückchen verändert hat, der irrt jedoch und wird noch in der Werkshalle eines Besseren belehrt. Denn mit einer spektakulären Installation namens Defender Celebration Line wird die erste Produktionsstraße, auf der der erste Land Rover der Serie eins entstand, gefeiert. Neben alten Fotografien und Filmen sind vor allem die die Original-Nachbauten des Ur-Land Rover zu bestaunen. „Kein anderer Hersteller weltweit verfügt über eine originalgetreue klassische Fertigungsstraße, die derart authentisch und mir solcher Liebe zum Detail nachempfunden wurde. Es hat viele Monate des Suchens, des Engagements und der Hingabe gebraucht, bis das Projekt Gestalt angenommen hatte. Aber es war jede Anstrengung wert“, schwärmt Mr. Land Rover und Koordinator der Celebration Line Roger Crathorne, der erst im vergangenen Jahr seine Berufslaufbahn beim Geländebauer nach einem halben Jahrhundert beendete.

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