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Land Rover Defender: So entsteht die Legende

| Autor / Redakteur: Marcel Sommer / Andreas Wehner

Im britischen Solihull wird seit fast 70 Jahren der Land Rover Defender produziert. Bald ist damit Schluss. Ein Blick hinter die Kulissen verrät, warum dieses Modell schon zu Lebzeiten zur Legende wurde.

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(Foto: press-inform)

Es ist früh am Morgen, dunkle Wolken ziehen über Birmingham und die ersten Scheibenwischer werden aktiv. „Wenn Sie schönes Wetter suchen, sind Sie hier falsch“, hustet der Pförtner unter seinem Schal hervor und fügt hinzu: „Herzlich willkommen im Jaguar Land Rover Werk Solihull.“ Den Markennamen hätte er sich allerdings sparen können, da sowohl die Jaguar als auch die Landy- und Range-Dichte schon außerhalb der Schranken und erst recht dahinter spürbar zunimmt.

Anders als auf einem japanischen oder so manch deutschen Werksgelände sind zwar noch jede Menge Fremdfabrikate zu erblicken. Doch liegt das natürlich daran, dass nicht jeder Werksangestellte mehr als seinen kompletten Jahreslohn in einen Neuwagen investieren möchte, den er jeden Tag zusammenschraubt.

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Der Begriff des Zusammenschraubens ist, soviel sei bereits an dieser Stelle verraten, in keinster Weise abfällig zu verstehen. Denn hier sind noch echte Menschen mit echten Schraubenschlüsseln zu Gange. Und genau das wird schon direkt zu Beginn der Produktionslinie des großen Stars, der rollenden Legende der Marke Land Rover offenbart. Denn der Defender wird seit fast 70 Jahren an dieser Stelle zusammengesetzt und nach drei Tagen per Zündschlüsselumdrehung zum Leben erweckt.

Eine Produktionszeit, die leider sehr schnell deutlich macht, warum Land Rover nicht direkt von einer kommenden siebten Defender-Generation spricht. Dass sie dennoch kommen wird, daran zweifelt jedoch niemand so wirklich – erst recht nicht hier in seinem Stammwerk. Die Entscheidungen werden zwar längst nicht mehr im ersten Stock des noch erhaltenen Backsteingebäudes mit Drehtür gefällt. Aber mal sehen...

72 Stunden für einen Defender

Der erste Blick fällt beim Betreten der heiligen Defender-Hallen auf große, schwarze, stählerne Ungetüme: die vom britischen Wetter noch feuchten Fahrgestelle. Ein nett grüßender Mitarbeiter versucht sie mit Druckluft und einem Lappen ein wenig von ihren Tropfen zu befreien. Wobei im Gesicht des Putzteufels der Satz „Der wird ja eh wieder nass... und das ist noch zurückhaltend formuliert“ abzulesen ist. Recht hat er natürlich. Und was er nicht trocken bekommt, wird in den kommenden 72 Stunden in diesen warmen Werkshallen sowieso von selbst trocknen.

Was folgt ist die erste echte Schraubstation im Leben eines Defenders. Die auf zwei Stahl-Böcken positionierten Achsen inklusive Differentialen, Bremsanlagen und Dämpfern warten bereits. Dabei ist eines sehr schön zu sehen. Denn der hintere, gelbe Bock kann an drei unterschiedlichen Befestigungspunkten im Boden verankert werden. Warum? Ganz einfach: Hier werden drei verschiedene Radstände, sprich die drei bekannten Defenderversionen 90, 110 und 130 zusammengesetzt. Dass es nahezu unzählige, aber mindestens 53 verschiedene Varianten des Ur-Land Rovers gibt, zeigt ein gewaltiges Poster an der Werkshallenwand.

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