Fahrbericht Lotus Emira: Das Beste zum Schluss

Quelle: sp-x

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Mit dem finanziellen Dünger des chinesischen Giganten Geely gedeiht der britische Sportwagenhersteller Lotus wieder zu voller Blüte. Bevor die Briten vollends zur E-Marke werden, leisten sie sich mit dem Emira noch einmal einen Sportler nach alter Väter Sitte.

Der Lotus Emira kommt im August zu Preisen von rund 96.000 Euro auf den Markt.(Bild:  Jarowan Power/Lotus)
Der Lotus Emira kommt im August zu Preisen von rund 96.000 Euro auf den Markt.
(Bild: Jarowan Power/Lotus)

Eines muss man den Engländern ja lassen, oder besser den Engländerinnen. Sie haben einen langen Atem. Queen Elizabeth hat gerade ihr 70. Thronjubiläum gefeiert und bei Lotus sind Modelle wie Elise oder Evora länger produziert worden, als sich die jeweiligen Premiers der Zeit im Amt halten konnten. Entsprechend viel Beachtung verdient ein neues Modell aus Hethel. Erst recht, wenn es das letzte seiner Art ist.

Denn bevor die Leichtathleten von Lotus sich vollends ins Abenteuer der Akku-Autos stürzen, nutzen sie die kräftige Finanzspritze der chinesischen Geely-Gruppe für einen letzten konventionellen Sportwagen, der als Emira kurz nach den Sommerferien gleichermaßen die selige Elise wie den stets unterschätzen Evora beerben soll. Die Preise beginnen anfangs bei 95.995 Euro für die üppig ausstaffierte „First Edition“, werden aber mit abgespeckter Ausstattung und einem kleineren Motor mittelfristig wohl deutlich unter 90.000 Euro fallen.

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Dafür gibt es einen 4,41-Meter-langen und 1,22-Meter-flachen Zweisitzer, der schon auf den ersten Blick deutlich mehr hermacht als Konkurrenten wie der Porsche Cayman oder gar der Toyota Supra. Denn gezeichnet mit den gleichen schnellen Linien wie das elektrische Hyper-Car Eviya fängt der Emira mehr Blicke als alle anderen Halbstarken auf der Überholspur. Und der Augenschmaus hört nach dem Einsteigen nicht auf.

Neben einem schmucken Cockpit und einer zum ersten Mal augenscheinlich ebenso liebevoll wie hochwertig ausgeschlagenen Kabine räkelt sich hinter den Sitzen das blanke Blech des 3,5-Liter-großen V6-Motors und lockt mit dem Klicken seiner Drosselklappe wie ein Pin-Up-Girl mit dem Klimpern seiner Augenlider. Obwohl dem Emira eigentlich nicht viele Autos ernsthaft auf die Pelle rücken können, hat man den Blick deshalb ständig im Rückspiegel und begeistert sich am verführerischen Spiel der Feinmechanik.

V-max: 290 km/h

Aufgebaut auf einer völlig neuen Plattform, hat der Emira das klassischste aller Sportwagen-Layouts mit dem Motor vor und dem Antrieb an der Hinterachse und dazwischen einem Getriebe, das in diesem Falle von Hand geführt wird und so knackig ist wie Kettle-Chips frisch aus der Tüte.

Weil der Emira zudem wie jeder Lotus dem Leichtbau verpflichtet ist und deshalb kaum 1.400 Kilo auf die Waage bringt, ist er entsprechend agil: 400 PS und 420 Newtonmeter reichen dem wie schon beim Evora eingekauften 3,5-Liter-Kompressor für einen Spurt von 0 auf 100 in 4,3 Sekunden und für Tempo 290, und der für 2023 angekündigte Vierzylinder von AMG wird mit seinen 365 PS und ein paar Zentnern weniger kaum langsamer sein.

Vor allem aber reicht der Motor für heftiges Herzrasen, das mit dem Druck auf dem unter einer Klappe verborgenen Startknopf beginnt und sich erst langsam wieder legt, wenn beim Weggehen der letzte Blick auf die kühne Kehrseite und den unter Glas drapierten Motor fällt, während darüber die Luft flirrt und in den Ohren und darunter der Auspuff oder die Bremsen beim Auskühlen knacken.

Emira im Sport-Modus

Dazwischen ist der Emira Emotion pur. Ja, man kann das Coupé auch über die Autobahn fahren oder wie einen Gran Turismo an der langen Leine über weit geschwungene Landstraßen führen, genau wie man sich im Steakhouse auch nur mit einem Salat begnügen kann. Oder aber man nimmt, um im Bild zu bleiben, ein solides T-Bone und bestellt das maximal medium. So, wie das dem Gourmet auf der Zunge zergeht, so fühlt sich der Emira an, wenn man in den Sport-Modus wechselt und es wissen will auf den B-Roads der Cotswolds.

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