Mängelquote von Nutzfahrzeugen sinkt

Autor / Redakteur: dpa/gr / Andreas Grimm

Die Verkehrssicherheit der Nutzfahrzeuge verbessert sich laut dem TÜV Mängelreport stetig. Grund ist aus Sicht der Experten eine vorausschauende Pflege der Wagen. Am Ende des Lebenszyklus schenken die Halter der Sicherheit weniger Aufmerksamkeit.

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(Bild: Thomas Ernsting/TÜV Rheinland)

In Deutschland zugelassene Nutzfahrzeuge sind in den vergangenen beiden Jahren nach Einschätzung des TÜV-Verbands insgesamt sicherer geworden. „Die technische Sicherheit von Lastkraftwagen hat sich in Deutschland in den vergangenen Jahren trotz steigender Beförderungsleistung spürbar verbessert“, sagte Richard Goebelt, Bereichsleiter Fahrzeug und Mobilität beim TÜV-Verband.

Laut dem jüngst vorgestellten TÜV-Report Nutzfahrzeuge bestand zwar jedes fünfte Nutzfahrzeug (19 %) wegen erheblicher technischer Mängel die Hauptuntersuchung nicht. Allerdings lag die Quote im TÜV-Report 2017 noch bei 22 Prozent und 2015 waren es sogar 25 Prozent. Im Gegenzug ist der Anteil der Nutzfahrzeuge ohne Mängel ist im Vergleich zu 2017 um 5 Prozentpunkte gestiegen.

Laut TÜV-Report 2019 wiesen 14 Prozent aller untersuchten Fahrzeuge geringe Mängel auf, 67 Prozent waren mängelfrei. Trotz dieses positiven Trends sind aus Sicht des TÜV-Verbands auf den Straßen immer noch zu viele Lastkraftwagen mit erheblichen technischen Defiziten unterwegs, die zu Unfällen führen und Menschen gefährden können. Immerhin 1.300 Nutzfahrzeuge wurden von den Prüfern als verkehrsunsicher eingestuft und an Ort und Stelle aus dem Verkehr gezogen. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn tragende Teile weitgehend durchgerostet sind.

„Eine bessere, vorausschauende Pflege der Nutzfahrzeuge durch optimierte Leasing- und Wartungsverträge in Kombination mit einer hohen Prüfdichte tragen zu der positiven Entwicklung bei den Mängelquoten bei“, sagte Goebelt. Lkw ab 3,5 Tonnen müssen in Deutschland alle 12 Monate zur Hauptuntersuchung. Bei Fahrzeugen, die älter als drei Jahre sind, erfolgt zum Halbjahr zusätzlich eine Sicherheitsprüfung.

„Die häufigsten Mängel sind Defekte an der Beleuchtung sowie an den Achsaufhängungen der Fahrzeuge, sagte Goebelt. Zudem treten nach seinen Aussagen häufiger Korrosionen und Probleme mit Bremstrommeln oder Bremsscheiben auf. Aus Sicht des TÜV-Verbands muss die gesetzlich vorgeschriebene Hauptuntersuchung von Nutzfahrzeugen mit Blick auf den Klimaschutz und die Digitalisierung mit hoher Dringlichkeit weiterentwickelt werden, nicht zuletzt da sich die EU-Staaten auf eine kräftige Reduzierung der Emissionen von Lkw bis zum Jahr 2030 verständigt haben. „Das starke Flottenwachstum und die steigenden Verkehrsleistungen zeigen, dass die neuen Grenzwerte bei Lkw mit dem Dieselantrieb nicht zu erreichen sind“, sagte Goebelt.

Transporter mit leicht überdurchschnittlicher Mängelquote

Die mit Abstand wichtigste Fahrzeugklasse sind leichte Nutzfahrzeuge mit bis zu 3,5 Tonnen Gewicht. Etwa vier von fünf der in Deutschland zugelassenen rund 3,15 Millionen Nutzfahrzeuge sind leichte Transporter. Im Vergleich zum Jahr 2010 ist der Fahrzeugbestand in dieser Klasse vor allem aufgrund des zunehmenden Lieferverkehrs laut Kraftfahrt-Bundesamt um 41 Prozent auf 2,6 Millionen gestiegen. Der Anteil der Kleintransporter mit erheblichen Mängeln liegt mit einem Anteil von 20 Prozent leicht über dem Durchschnitt. „Neben Mängeln bei der Beleuchtung und Ölverlust macht bei den älteren Kleintransportern häufig die Achsaufhängung Schwierigkeiten“, sagte Goebelt.

Besser als in den Vorjahren schneiden auch die leichten und mittelschweren Lkw über alle Altersstufen ab. Die leichten Lkw von 3,5 bis 7,5 Tonnen weisen mit 18 Prozent die niedrigste Durchfallquote der vier Gewichtsklassen aus. Im Vergleich zum Jahr 2017 konnten sie sich um 4 Prozentpunkte verbessern.

Entgegen diesem Trend haben die schweren Lkw ab 18 Tonnen schlechter abgeschnitten. Die Durchfallquote ist im Vergleich zu 2017 um 1,6 Punkte auf 19,7 Prozent gestiegen. „Die Pflegementalität der Nutzer lässt mit dem Alter der Fahrzeuge nach und ältere Fahrzeuge werden auf Verschleiß gefahren. Das ist vor allem in boomenden Wirtschaftszweigen wie der Baubranche der Fall“, sagte Goebelt. Mit einer durchschnittlichen Laufleistung von 200.000 Kilometern pro Jahr sind schwere Lkw die mit Abstand am stärksten beanspruchten Nutzfahrzeuge.

Der TÜV-Report Nutzfahrzeuge erscheint alle zwei Jahre. Dafür sind vom Tüv-Verband rund 1,85 Millionen Hauptuntersuchungen der Jahre 2017 und 2018 ausgewertet worden.

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