Zulieferer Mahle ist noch nicht am Ziel

Von Claus-Peter Köth 4 min Lesedauer

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Weniger Umsatz, aber ein verbessertes Ergebnis: „Die Strategie Mahle 2030+ greift, auch in anhaltend schwierigen Zeiten“, sagt CEO Arnd Franz. Er hofft auf Indien und mahnt die europäische Politik.

Mahle verbessert 2025 operatives Ergebnis. Von links: CFO Markus Kapaun und CEO Arnd Franz. (Bild:  Mahle GmbH)
Mahle verbessert 2025 operatives Ergebnis. Von links: CFO Markus Kapaun und CEO Arnd Franz.
(Bild: Mahle GmbH)

Der Zulieferer Mahle hat das Geschäftsjahr 2025 mit verbesserter operativer Ertragskraft abgeschlossen – „in einem von Unsicherheit, neuen US-Zöllen, Lieferketten-Disruptionen und anhaltenden regulatorischen Diskussionen geprägten Umfeld“, wie CEO Arnd Franz bei der heutigen Bilanzpressekonferenz betonte.

Der Umsatz lag bei 11,3 Milliarden Euro. Ohne Wechselkurs- und Dekonsolidierungseffekte betrug sein organisches Wachstum 0,6 Prozent. Das um einmalige und Sonder-Effekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) stieg auf 442 Millionen Euro, die bereinigte EBIT-Marge verbesserte sich auf 3,9 Prozent.

Gleichzeitig reduzierte Mahle weiter seine Nettoverschuldung und erhöhte seine Eigenkapitalquote. Unterm Strich erzielte der Konzern einen Jahresüberschuss und konnte damit den im Jahr 2023 erzielten und 2024 bestätigten operativen Turnaround auch für 2025 sichern.

„Synergien durch die neue Konzernstruktur werden greifbar, die Stärkung der Regionen beschleunigt Prozesse“, sagte Franz. Die Strategie Mahle 2030+ mit dem Fokus auf Elektrifizierung, Thermomanagement und Verbrenner-Stärke funktioniere. Mit einer unveränderten F+E-Quote von 5,4 Prozent und rund 860 Patenten und Erfindungsmeldungen bleibe die Innovationskraft des Konzerns ungebrochen.

Rückläufige Märkte

Die Umsatzentwicklung wurde von einer rückläufigen Kundennachfrage und damit schwächeren Fahrzeugproduktion in den Hauptmärkten Europa und Nordamerika gebremst. Großen Einfluss hatten dabei die schwache Entwicklung des Truck-Geschäfts in den USA und die weiterhin deutlich hinter den Erwartungen zurückbleibende Elektrifizierung in Europa. Den größten Umsatzeffekt hatte die Abwertung verschiedener Handelswährungen gegenüber dem Euro. Darüber hinaus minderten Veränderungen im Konsolidierungskreis nach dem Verkauf von Joint Venture-Anteilen und Produktbereichen den Umsatz zusätzlich.

Der Geschäftsbereich „Powertrain and Charging“, in dem die früheren Geschäftsbereiche Motorensysteme und -komponenten sowie Mechatronik und Elektronik aufgegangen sind, erzielte im Berichtsjahr Umsatzerlöse von 3,9 Milliarden Euro und legte damit wechselkursbereinigt um 1,9 Prozent zu. Die Entwicklung wurde unter anderem durch den verzögerten Hochlauf der Elektromobilität in Europa beeinträchtigt. Der Bereich „Thermal and Fluid Systems“, der die früheren Geschäftsbereiche Thermomanagement sowie Filtration und Motorperipherie umfasst, erzielte einen Umsatz von 6,1 Milliarden Euro und konnte sich – bereinigt um Wechselkurs- sowie Konsolidierungseffekte – auf Vorjahresniveau halten.

Fokus auf Elektrifizierung und Thermomanagement

Das Ersatzteil- und Servicegeschäft, das jetzt den Namen „Lifecycle and Mobility“ trägt, erwirtschaftete im Jahr 2025 Umsatzerlöse von 1,2 Milliarden Euro. Wechselkursbereinigt erzielte der Bereich ein Umsatzwachstum von 1,7 Prozent. Im Berichtsjahr sanken die um Wechselkurs- und Konsolidierungseffekte bereinigten Umsätze in Europa und China, während Nordamerika, Südamerika und Ostasien Zuwächse verzeichneten. Indien war die wachstumsstärkste Region mit einem wechselkursbereinigten Zuwachs von über 20 Prozent.

Im Berichtsjahr 2025 gab der Zulieferer 607 Millionen Euro für Forschung und Entwicklung aus. Rund 4.500 Ingenieurinnen und Ingenieure arbeiteten an Produkten für klimafreundliche, effiziente und nutzerfreundliche Mobilität. Rund 70 Prozent der Patentanmeldungen entfielen erneut auf die Elektrifizierung. Zu den 2025 vorgestellten Innovationen zählen ein neues Range-Extender-System mit Hochvolt-Generator, ein Thermomanagementmodul mit integrierter Wärmepumpe sowie ein bionisches Radialgebläse für E-Fahrzeuge. Darüber hinaus überträgt Mahle seine Thermomanagement-Kompetenz auf Anwendungen außerhalb des Automobils, etwa mit einem Kühlmodul für stationäre Batteriespeicher und Lösungen für Megawatt-Laden in Nutzfahrzeug-Schnellladesäulen.

Auftragseingänge bleiben stabil

Mahle akquirierte im Jahr 2025 Neuaufträge in der Erstausrüstung mit einem durchschnittlichen Jahresumsatz von 1,9 Milliarden Euro und setzte damit die stabile Entwicklung fort. Dabei leisteten Hochvolt-Elektronik und E-Antriebssysteme, Klimaanlagen mit integriertem elektrischem Heizer, Kühlmodule, Abgaswärmetauscher und elektrische Klimakompressoren sowie Luftansaugmodule und Kolbenbaugruppen für Verbrennungsmotoren die größten Beiträge. Während der Anteil der Verbrennerprodukte bei den Auftragseingängen wuchs, blieb die Akquise in der Elektrifizierung hinter den Erwartungen zurück – wegen fehlender Absatzzahlen bei batterieelektrischen Fahrzeugen besonders in Europa, harten Wettbewerbs und neuer politischer Vorgaben in den USA.

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Der Konzern bringt sich zunehmend jenseits des Automobils stärker in Stellung: bei stationären Infrastrukturlösungen, bei Anwendungen für Freizeit und Logistik sowie schweren Anwendungen für Marine, Bergbau, Schiene und Verteidigung. Um Kunden künftig gezielter mit dem gesamten Produktportfolio ansprechen und neue Produkte bedarfsgerecht schneller entwickeln zu können, hat Mahle sein Non-Automotive Geschäft neu organisiert und den Bereich „Industrial and Special Solutions“ innerhalb des Konzernvertriebs geschaffen.

Konsolidierungsdruck bleibt hoch

Angesichts rückläufiger oder stagnierender Märkte passt Mahle sein internationales Produktionsnetzwerk kontinuierlich an. Im letzten Jahr wurden, insbesondere in Europa und Nordamerika, Standorte geschlossen oder verkauft, Schließungsprozesse gestartet sowie Arbeitsplätze in der Produktion an mehreren Standorten deutlich reduziert. Zum Jahresende 2025 beschäftigte der Zulieferer weltweit 64.242 Mitarbeitende und damit 3.466 Personen bzw. 5,1 Prozent weniger als im Vorjahr. Aktuell reduziert das Unternehmen die indirekten Kosten in Verwaltung und Entwicklung, insbesondere in Europa und Nordamerika, und setzt den Transformationsdialog in deutschen Werken fort.

Der Konsolidierungsdruck gerade in Europa wird in den kommenden Jahren anhalten, vor allem, wenn sich die EU bei der CO₂-Regulierung nicht öffnet. „Die Entscheidungen in Brüssel bestimmen den Konsolidierungsdruck – mit entsprechenden Effekten auch für uns“, bekräftigte Arnd Franz. „Mahle wird seinen Anpassungskurs konsequent fortsetzen und um Innovationen, Aufträge und Arbeitsplätze in Europa kämpfen – dafür braucht es am Standort genügend Geschäft.“ Der CEO appellierte an die Politik in Stuttgart, Berlin und Brüssel, Wachstum zu ermöglichen und die CO₂ Regulierung technologieoffen zu gestalten. Andernfalls drohten weitere Investitionen und damit Standorte und Arbeitsplätze aus Europa und Deutschland abzuwandern.

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