Auto Ruhfass Mal richtig ein Fass aufgemacht

Von Steffen Dominsky 5 min Lesedauer

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Mitarbeiter rausschmeißen oder mit neuem Konzept durchstarten? Manuel Ruhfass entschied sich für Letzteres. Und so wurde aus einer freien Kfz-Werkstatt in der bayerischen Provinz einer der größten E-Auto-Spezialisten der Republik. Aber nicht nur die bescherte Auto Ruhfass aus Vohburg den 1. Platz beim Deutschen Werkstattpreis 2025.

Der „Werkstattteil“ der Mitarbeiter von Auto Ruhfass aus dem bayerischen Vohburg. Insgesamt arbeiten rund 75 Männer und Frauen in dem Familienbetrieb.(Bild:  Dominsky – VCG)
Der „Werkstattteil“ der Mitarbeiter von Auto Ruhfass aus dem bayerischen Vohburg. Insgesamt arbeiten rund 75 Männer und Frauen in dem Familienbetrieb.
(Bild: Dominsky – VCG)

Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit“: Genau dieser Spruch brach eines Tages von jetzt auf gleich über Manuel Ruhfass herein. Und das kam so: 1996 hatte sich der Karosseriebaumeister im oberbayerischen Vohburg mit seiner kleinen Firma selbstständig gemacht. Alles lief, wie so oft, im beschaulichen Rahmen ab. Bis ihn zwei Jahre später eine Firma ansprach, die Automobile produziert – und zwar die mit vier Ringen als Logo. Diese suchte einen zuverlässigen Partner, der sich um die ganz frischen Erzeugnisse der Firma auf Presseveranstaltungen kümmern sollte. Und ohne dass sich der Jungunternehmer versah, hatte er einen ziemlich fetten Deal mit der Ingolstädter Firma.

Der wurde mit der Zeit noch fetter, denn schnell wurde der anfängliche Auftragsumfang „Autos weltweit auf Events auf Hochglanz bringen“, den Ruhfass und seine Leute offenbar zur vollsten Zufriedenheit erfüllten, um Positionen wie „Das kannst du doch auch richten?“ bzw. „Könntet ihr bei diesem Prototypen mal eben das und jenes umsetzen?“ erweitert. Mit der Konsequenz, dass der Kleinstbetrieb ziemlich rasch ziemlich schnell wuchs. „Irgendwann beschäftigte ich rund 150 Leute, wobei sich einige wenige um die klassischen Aufträge einer Karosserie- bzw. Mechanikwerkstatt kümmerten, während der Großteil die Betreuung unseres Großkunden übernahm“, blickt Manuel Ruhfass zurück.

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Die Entscheidung: Alles oder nichts

Dieses Geschäftsmodell funktionierte für den Familienbetrieb lange Zeit vortrefflich. Bis zu jenem Tag, an dem der Automobilbauer von heute auf morgen sämtliche Verträge mit ihm kündigte: „Compliance-Regeln“ lautete die Begründung. Dank ihr stand Manuel Ruhfass 2019 vor der schwierigsten Entscheidung seines bisherigen Unternehmertums: mehrere Dutzend Mitarbeiter vor die Tür setzen, oder für diese ganz schnell ganz viel Ersatzgeschäft ranschaffen – der Bayer entschied sich für letzteres. Und er musste auch gar nicht lange überlegen, wie sein neues geschäftliches Standbein aussehen sollte, oder besser gesagt, was es zum Thema haben sollte: die aufkommende E-Mobilität. Dank seiner bestehenden Kontakte auch zu anderen süddeutschen Fahrzeugherstellern wusste der Karosseriebaumeister, was diese bzw. die Automobilindustrie generell zu leisten vermochten, und was eher nicht.

„Eines Tages kam einer dieser Hersteller und sagte: ‚Ich habe einen Haufen E-Autos, die müssen zerlegt werden. Ihr müsst aber nur die Batterie ausbauen.‘ Da habe ich mir gedacht: Ja mei, mach mer’s halt“, schildert Manuel Ruhfass in seiner rustikal-ehrlichen Art die hauseigene Geschichte. Schnell entwickelte sich aus dem reinen Ausbauen einer Traktionsbatterie viel mehr. Denn nicht nur Autobauer hatten Fahrzeuge aus der Entwicklung, dem Versuch oder weiteren „Quellen“, die zum einen ordnungsgemäß zerlegt gehörten und mit deren gebrauchten Akkus die Unternehmen zum anderen nicht wirklich etwas anzufangen wussten. Hinzu kamen Versicherer mit E-Auto-Totalschäden. Und so entwickelte das Ruhfass-Team im ersten Schritt Werkzeuge, um solche Fahrzeuge bzw. einzelne Batterien prüfen und sicher transportieren zu können (Behälter) – solche wie den „Battman“ (siehe Bild oben) oder einen eichfähigen SoH-Test (State of health). Übrigens beides Dienstleistungen, die auch jeder andere Kfz-Betrieb bei Ruhfass „buchen“ kann.

Eine echt clevere Geschäftsidee

Im zweiten Schritt machte das Team sich Gedanken, was man mit einigen Hundert Ladungsspeichern alles anfangen könnte, die sich langsam auf dem Firmengelände stapelten. Die naheliegendste Lösung: Man verkauft die Akkus zum Einsatz in einem vergleichbaren Fahrzeug einfach weiter. Das Problem: Nicht jeder taugt auch für ein zweites Leben in einem Auto. Doch zum Verschrotten sind die sündhaft teuren Ladungsspeicher viel zu schade und zu wertvoll. Ergo machte sich Meister Ruhfass Gedanken und ersann zwei Konzepte. So setzt sein Unternehmen zum einen defekte Speicher instand – „da hob i den ganz Rotz dazu da“ (Zitat Ruhfass). Zum anderen packt es mehrere Auto-Antriebsbatterien in einen Container, entwickelte eine entsprechende Steuerung und baut seitdem seine eigenen Stromspeicher, die es deutschlandweit vertreibt und auch selbst betreibt – vor allem als „Hypercharger“ für E-Autos. „80 Prozent aller hierzulande im Einsatz befindlichen Speicher mit Kfz-Batterien arbeiten mit unserer Software“, weiß Manuel Ruhfass nicht ohne Stolz zu berichten.

Doch wenn der umtriebige Kfz-Unternehmer eines gelernt hat im beruflichen Leben, dann, dass man besser auf zwei als auf einem bzw. eineinhalb Beinen steht. So hat er zwar für viele seiner einst 150 Mitarbeiter mit der E-Auto-Schiene für adäquaten Beschäftigungsersatz gesorgt, gleichzeitig aber auch das klassische Werkstattgeschäft deutlich ausgebaut. Und so herrscht heute zwischen beiden beinah Gleichstand. Während circa 35 Männer und Frauen im Bereich E-Mobilität arbeiten („Ruhfass Engineering“), tun das rund 40 in der „normalen“ Werkstatt. Wobei man eine freie Werkstatt mit 44 Hebebühnen auch nicht als normal bezeichnen kann. Schuld daran haben neben dem ruhfass’schen Angebot für Karosserie und Lack (inklusive eines hauseigenen Maschinenbaus) auch Serviceverträge für Audi, Peugeot und Volkswagen. Selbst um Oldtimer kümmert man sich bei aller moderner Kfz-Technik explizit.

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In vielerlei Hinsicht anders als andere

Sie sorgen für eine entsprechende Auslastung auch des erst kürzlich neu errichteten klimaneutralen Multifunktionsgebäudes mit großzügigem Servicebereich und der, Zitat, „modernsten Dialogannahme am Markt“. Dieses Gebäude kann man, auch das eine durchaus clevere Idee, mieten. Bis zu 300 Personen können darin alle Arten von privaten bzw. geschäftlichen Festivitäten abhalten. Das bringt nicht nur direkt Geld in die Kasse des Kfz-Betriebs, sondern indirekt auch jede Menge kostenlose Werbung. Doch nicht nur das spricht sich herum.

In Sachen Mitarbeiter beispielsweise auch die Tatsache, dass eine Lehre in der Gewerbestr. 27 besser bzw. vielfältiger vonstatten geht als in zahlreichen anderen Betrieben. Das liegt neben der großen Fahrzeug- und Angebotsbandbreite auch an der Tatsache, dass man sich den Luxus einer eigenen Lehrlingswerkstatt samt Ausbilder leistet. Aber auch jene, die längst ausgelernt haben, kommen bei Ruhfass in den Genuss diverser Nettigkeiten. So beträgt beispielsweise die Wochenarbeitszeit moderate 37 Stunden, keiner muss an einem Samstag ran, es gibt einen Gesundheitsbonus, sprich eine Prämie im Nichtkrankheitsfall, und zwischen 13 und 14 Monatsgehälter pro Jahr.

„Jede unternehmerische Idee, die ich bislang hatte, wurde aus der Not heraus geboren“, sagt Manuel Ruhfass im Gespräch mit der Jury des Deutschen Werkstatt­preises 2025. Da möchte man eigentlich nur erwidern: „Und Sie haben jeweils eine Tugend daraus gemacht – Glückwunsch!“

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