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Mehr als nur Trabant und Wartburg

Autor / Redakteur: sp-x / Andreas Wehner

Autovielfalt in der deutschen demokratischen Republik? Wohl kaum. Dennoch bot das Straßenbild mehr als die einschlägig bekannten DDR-Modelle. Ein virtueller Parkplatzrundgang.

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Der Skoda 1000 MB war auch in der DDR zu bekommen.
Der Skoda 1000 MB war auch in der DDR zu bekommen.
(Foto: Hersteller)

Als Autofan in der DDR aufzuwachsen, muss Verzicht pur gewesen sein. Ohnehin war der Motorisierungsgrad deutlich geringer als in der Westrepublik: Während dort statistisch jeder zweite Einwohner in den 80er Jahren ein Fahrzeug besaß, kamen im Osten gerade einmal 3,7 Millionen Personenwagen auf fast 17 Millionen Bürger. Und dass es in der Spitze über 15 Jahre dauerte, bis der gehassliebte Trabant ausgeliefert wurde, ist schließlich bekannt.

Doch nicht nur Trabbis oder der kaum weniger geliebte Wartburg waren auf den Parkplätzen der DDR anzutreffen. Einerseits war dem Regime daran gelegen, die Verfügbarkeit von Autos zu steigern – und andererseits konnte es nicht sein, dass hochrangige Politfunktionäre sowie deren verlängerte Arme aus der Wirtschaft im Trabbi über den Asphalt zuckelten.

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Weniger wichtige Staatsdiener oder Menschen mit Beziehungen konnten Anfang der Siebziger beispielsweise auf den Moskwitsch 412 zurückgreifen. Die brüderlich verbundene Sowjetunion half gerne aus, um die DDR mobil zu halten. Der eher zierliche Heckflossen-Viertürer hat seine Eigner immerhin vom Zweitakter-Schicksal verschont und mehr noch: Die 412er verfügten über einen verhältnismäßig modernen Vierzylinder mit 1,5 Litern Hubraum, Alukopf sowie halbkugelförmigen Brennräumen (auch bekannt von Chryslers Hemi-Modellen). Die Ostler mit ihren 80 PS waren in puncto Antrieb durchaus auf Augenhöhe mit Westprodukten und rannten problemlos 150 km/h. Ihnen waren sogar Erfolge im Rallye-Sport beschieden, und durch den Import nach Europa konnten sich auch Menschen von deren Fähigkeiten überzeugen, die niemals einen Fuß über die Schwelle zum frostigen Osten gesetzt hätten.

Skoda war bereits zu sozialistischen Zeiten in Westeuropa zu haben – und auch in der DDR. Dort umfasste das Programm je nach Epoche Octavia, 1000 MB, die Serie 100 sowie die Modellreihen 105 bis 130. Diese tschechischen Offerten waren keine schlechte Wahl und den heimischen Produkten ohne Frage weit überlegen – doch der süßen Verlockung, so ein Auto anzuschaffen, wohnte auch der bittere Beigeschmack möglicher Folgen bei: Im Falle eines Schadens war es kostspielig und auch logistisch schwierig, an Ersatzteile zu kommen. Diese Situation dürfte sich kaum verbessert haben, wenn man einen Westler fuhr. Dennoch haben eine ganze Reihe von Modellen aus Deutschland, Frankreich, Italien, Japan und auch Schweden den Weg in die DDR gefunden.

Berühmt ist das Kontingent von 10.000 Golf I, das die DDR im Jahr 1977 bestellt und an „normale“ Kunden ausgeliefert hat. Der Golf war mehr als viermal so teuer wie der Trabbi und mischt das triste Einheitsgrau des Straßenbildes mit seinen blauen, braunen und roten Lackierungen auf. Auch der Import des Fiat Uno begeisterte die Motorjournalisten im Osten, die vorwiegend – ebenso wie die Bürger – langweilige Trabanten in den Redaktionen hielten.

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