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Mercedes E-Actros: Ungewohnte Stille im Alltagseinsatz

| Autor / Redakteur: sp-x / Viktoria Hahn

Seit über einem Jahr ist der E-Actros bei elf ausgewählten Kunden im Testeinsatz – darunter auch eine Logistik-Firma aus Baden-Württemberg. Die hat ihre speziellen Erfahrungen mit dem elektronischen Lkw gemacht.

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Der E-Actros bewährt sich im Dauereinsatz bei Schmitt Logistik.
Der E-Actros bewährt sich im Dauereinsatz bei Schmitt Logistik.
(Bild: Mercedes)

Der E-Actros von Mercedes soll in zwei Jahren in die Serienproduktion gehen. Bisher gibt es von dem Fahrzeug, das für den Verteilerverkehr auch im Nahverkehr unterwegs sein soll, gerade einmal elf Stück. Die Testarbeit mit dem 25-Tonner leisten seit gut einem Jahr auch ganz normale Kunden.

Ein Testkunde ist Schmitt Logistik in Ötigheim nahe Rastatt. Das Unternehmen beliefert das nahegelegene Daimler-Werk mit Teilen, früher mit einem Diesel-Truck, heute mit dem Stromer. Seit gut einem halben Jahr ist der E-Actros bei dem Dienstleister im Einsatz und fährt im Dreischichtbetrieb täglich exakt 168 Kilometer. „Am Anfang waren wir vorsichtig und haben nach jeder Tour sofort nachgeladen. Heute machen wir das einmal täglich, ganz entspannt auf unserem Werksgelände“, berichtet Geschäftsführer Rainer Schmitt.

Mercedes E-Actros: Ungewohnte Stille im Alltagseinsatz

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Angetrieben wird der stille Riese von zwei Elektromotoren mit jeweils 125 kW/170 PS, der Strom kommt aus einer Lithium-Ionen-Batterie mit 240 kWh und reicht für fast 200 Kilometer. Aufgeladen wird in drei bis elf Stunden, je nach Power der Ladesäule. Trotzdem gibt es perspektivisch ein Problem:Obwohl das Gewerbegebiet, in dem sich das Unternehmen angesiedelt hat, erst zwei Jahre alt ist, könnte Schmitt Logistik jeweils nur einen elektrischen Lkw laden.

„Ein zweiter E-Actros an einer weiteren Säule würde das Stromnetz der zuständigen Gemeinde zusammenbrechen lassen“, hat Rainer Schmitt in Erfahrung gebracht. Deshalb muss die Firma Schmitt eine von Daimler gestellt mobile Ladesäule nutzen. Deutsche Realität beim Start ins elektrische Zeitalter.

„Wir haben anfangs die Power eines E-Motors unterschätzt“

Schmitt zitiert seine Fahrer, die ständig mit dem dicken Vorboten des E-Zeitalters unterwegs sind. Es sind vorwiegend positive Reaktionen: „Meine Kollegen genießen die Ruhe, die so ein Elektroauto mit sich bringt. Erst bei schnellerer Fahrt sind dann die Abrollgeräusche der Reifen zu hören.“

Ein weiterer Pluspunkt ist die geschmeidige Beschleunigung ohne die Schaltrucke eines klassischen Lkw, die allerdings zu einem unerwarteten Effekt bei den Tests führte. Rainer Schmitt: „Wir haben anfangs die Power eines E-Motors unterschätzt. Diese Rasanz wirkt sich auf den Laderaum aus, so dass wir unsere Güter intensiver sichern und festzurren müssen als bisher.“

Nicht ganz ungefährlich: Gerade im Stadtverkehr bei langsamer Fahrt ist der E-Motor zum Beispiel für Fußgänger oder Radfahrer kaum zu hören. Ein bekanntes Problem auch bei elektrischen Pkw.

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