Bilanz Mercedes trotz Chipkrise mit Gewinnsprung

Quelle: dpa

In Stuttgart gibt es ein neues Wort: Übernachfrage. Der Hersteller mit dem Stern will verhindern, dass sich Lieferzeiten ausdehnen. Sorge löst der eskalierte Russland-Ukraine-Konflikt aus.

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Ola Källenius will Mercedes-Benz vollelektrisch machen - überall dort, „wo es die Marktbedingungen zulassen“.
Ola Källenius will Mercedes-Benz vollelektrisch machen - überall dort, „wo es die Marktbedingungen zulassen“.
(Bild: Mercedes-Benz Group)

Mercedes-Benz hat ungeachtet der Chipkrise sein Geschäft ausgeweitet und 2021 erheblich besser verdient als im Jahr zuvor. Der Nettogewinn des im vergangenen Jahr noch unter Daimler firmierenden Konzerns betrug 23 Milliarden Euro, das war etwa sechs Mal so viel wie zuvor. „2021 war ein Jahr des Umbruchs für Mercedes-Benz“, sagte Konzernchef Ola Källenius am Donnerstag in Stuttgart mit Blick auf die Abspaltung des großen Lkw-Geschäfts im Dezember. Bei Mercedes-Benz ist nun die prestigeträchtige Autosparte gebündelt, die auf Luxus und Rendite getrimmt wird.

Dank des Gewinnsprungs erhöht der Autobauer die Dividende für die Aktionäre auf 5 Euro je Aktie nach 1,35 Euro zuvor. Der Umsatz kletterte trotz gesunkener Autoverkäufe um neun Prozent auf 168 Milliarden Euro. Bei dem Gewinn ist auch ein milliardenschwerer Extraanteil aus der Abspaltung des Lkw-Herstellers Daimler Truck enthalten.

Die Stuttgarter profitierten von hohen Verkaufspreisen bei Neu- und Gebrauchtwagen. Mercedes-Benz hätte mehr Autos verkaufen können, machte Källenius deutlich und sprach von einer Übernachfrage. Wegen der Chipkrise wurden im vergangenen Jahr nur 2,05 Millionen Mercedes-Autos abgesetzt, das war ein Minus von fünf Prozent.

Keine Entspannung bei Halbleiterversorgung

Eine rasche Entspannung beim Versorgungsengpass für Halbleiter sei nicht in Sicht. „Wir loten überall Beschaffungsquellen aus“, sagte Källenius. Auch das laufende Jahr dürfte von längeren Lieferzeiten als üblich geprägt sein. Der Hersteller wolle aber verhindern, dass Kunden zu lange auf Fahrzeuge warten müssten.

Erst unlängst hatte Mercedes mitgeteilt, dass die aktuelle Version der E-Klasse-Limousine in Deutschland nicht mehr bestellt werden kann. Källenius sagte, es werde bei der E-Klasse einen Modellwechsel geben.

Der aus Schweden stammende Topmanager zeigte sich wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine besorgt. Die Auswirkungen seien für den Hersteller jedoch noch unklar, das gelte auch für Rohstoffe. Mercedes-Benz habe keinen Standort in der Ukraine, aber ein Werk in der Nähe von Moskau mit rund 1000 Beschäftigten. „Selbstverständlich sind wir mit unseren Leuten in Kontakt“, sagte der Mercedes-Chef.

Vollelektrisch bis Ende des Jahrzehnts

Im laufenden Jahr will der Hersteller mehr E-Autos verkaufen. Bis zum Ende des Jahrzehnts will die Marke mit dem Stern vollelektrisch werden – überall dort, „wo es die Marktbedingungen zulassen“. Der Absatz soll 2022 leicht steigen. Bei Top-Modellen wie der Luxuslimousine S-Klasse will Mercedes sogar zweistellig zulegen. Sorgen machen neben den Halbleiterengpässen hohe Rohstoffpreise.

Finanzvorstand Harald Wilhelm sagte, dass weiter Kosten gespart werden. Dem Sparkurs fielen in der Vergangenheit bereits Zehntausende Jobs zum Opfer. Beschäftigt waren Ende vergangenen Jahres gut 172.000 Menschen.

In der vorgeschlagenen Dividende von fünf Euro ist auch ein Anteil von 70 Cent aus dem Nutzfahrzeuggeschäft enthalten, da Daimler Truck keine separate Dividende auszahlen wird. Der nunmehr selbstständige Hersteller von Lastwagen und Bussen wird Ende März seine Zahlen vorlegen.

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