Mercedes-Vans kämpft mit sinkendem Absatz

Autor: Stephan Richter

Trotz eines rückläufigen Markts hat sich die Transporter-Abteilung von Mercedes-Benz für dieses Jahr Wachstum verordnet. Der neue Sprinter soll ab der Jahresmitte dabei helfen.

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(Foto: Richter)

Mercedes-Benz Vans hat 2012 weltweit 252.400 Transporter der Baureihen Sprinter, Viano, Vito, Vario und Citan abgesetzt – vier Prozent weniger als noch im Jahr davor (264.200 Einheiten). Das Minus für den deutschen Markt mit 71.000 Fahrzeugen liegt sogar bei 8,5 Prozent gegenüber 2011 (77.600 Einheiten). Der weltweite Umsatz lag mit 9,1 Milliarden Euro leicht unter dem Vorjahresniveau und beim Gewinn (Ebit) verbucht der Hersteller im Vergleich zu 2011 einen Rückgang von 35 Prozent auf 541 Millionen Euro. „Insgesamt war es kein leichtes Jahr für die Transporter-Branche“, sagte Volker Mornhinweg, Leiter Mercedes-Benz Vans, anlässlich eines Jahrespressegesprächs.

Den Vertriebs- und Servicepartnern in Deutschland möchte Mornhinweg vermehrt mit Kundenbindungsmaßnahmen den Rücken stärken. „Die Garantie- und Wartungsarbeiten gehen aufgrund der besseren Produktqualität zurück. Um eine konstante Werkstattauslastung zu gewährleisten, wollen wir noch mehr Fahrzeuge mit Serviceverträgen verkaufen und damit verhindern, dass unserer Partner Personal abbauen müssen“, sagte Mornhinweg im Gespräch mit »kfz-betrieb ONLINE«.

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Renault bekundet Interesse

Zur eventuell auslaufenden Produktion mit dem baugleichen Crafter von VW Nutzfahrzeuge im Mercedes-Werk in Ludwigsfelde verwies Mornhinweg auf die Verträge, die noch bis 2016 laufen: „Wir haben keine operative Hektik jetzt schon einen Nachfolger zu finden. Der Crafter macht nur ungefähr ein Viertel unsere Produktionsvolumen aus. Zudem hat Renault, unser Kooperationspartner bei den Small Vans, Interesse an einer Zusammenarbeit bei den großen Transportern bekundet.“ Die Gespräche dazu würden bereits 2013 starten. Sollten sich die beiden Hersteller positiv einigen, kann sich Mornhinweg vorstellen, die Transporter des französischen Partners noch zusätzlich zu denen von VW Nutzfahrzeuge zu fertigen – die Kapazitäten wären vorhanden.

Im Jahr 2015 möchte Mercedes-Benz weltweit 400.000 Transporter verkaufen. Diesen beträchtlichen Anstieg begründet Mornhinweg unter anderem in der wachsenden Nachfrage nach dem Vito: „Die Kunden haben zunächst den Sprinter kennengelernt. Nach den guten Erfahrungen nimmt nun auch die Nachfrage nach Fahrzeugen aus dem mittleren Segment stetig zu.“ Um diese Ziele zu erreichen, müssen dem Transporter-Chef zufolge jedoch die Märkte mitspielen. Aufgrund der unsicheren Welt-Wirtschaftslage konnte der Hersteller bereits seine Vorhersage von 325.000 Einheiten in 2013 nicht einhalten.

Neuer Sprinter kommt noch 2013

Obwohl die Prognosen für 2013 des Herstellers für die hiesigen Märkte einen weiteren Rückgang von fünf Prozent voraussagen, verspricht sich Mercedes-Benz weiteres Wachstum für die eigene Marke. „In Osteuropa erwarten wir, dass sich die Nachfrage stabilisiert, Nord- und Lateinamerika versprechen positive Impulse und auch in China ist eine leichte Erholung des für uns relevanten Marktes in Sicht“, erklärte Mornhinweg. In Westeuropa sollen die volle Verfügbarkeit des Citan sowie der neue Sprinter höheren Absatz generieren. Den neuen Transporter kündigt Mercedes für Mitte des Jahres an.

Die Produktion des Vario beendet der Hersteller hingegen im kommenden September. Zuletzt fertigte Mercedes jährlich nur noch 2.500 Einheiten. „Das Segment für dieses Fahrzeug ist klein, die nötigen Investitionen für eine Modernisierung auf Euro-VI-Standard lohnen sich deshalb nicht. Im Übrigen haben wir bei Daimler mit dem Sprinter, dem Fuso Canter und dem Mercedes-Benz Atego Alternativen im Angebot“, sagte Mornhinweg.

Nächster Schritt der Citan-Markteinführung

Einhergehend zu den Prognosen für den weltweiten Markt blieb auch der in 2012 eingeführte City-Van Citan hinter den Vorgaben zurück. Bis Ende des vergangenen Jahres wollte der Hersteller europaweit 10.400 Einheiten verkaufen – tatsächlich summiert sich die Zahl auf 7.100 Fahrzeuge. „Das liegt aber nicht daran, dass der Citan nicht beim Kunden ankommt. Wir haben nur unterschiedliche Markteinführungen gehabt. In der Türkei und Groß-Britannien starten wir sogar erst jetzt mit dem Verkauf“, sagte Mornhinweg.

Dennoch entschied sich das Unternehmen, den kleinen Transporter als Sondermodell „Worker“ aufzulegen. Seit dem 1. März ist das Fahrzeug mit einem Preisvorteil von bis zu 3.000 Euro gegenüber den regulären Modellen sowie günstigen Leasingraten erhältlich. Damit reagiert Mercedes auf ähnliche Aktionen anderer Hersteller: „Wir nehmen wahr, dass der Wettbewerb den Citan sehr ernst nimmt“, sagte Mornhinweg.

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