Produktpiraterie Mercedes wirft immer mehr gefälschte Teile aus dem Netz

Von Jens Rehberg

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Während der Pandemie hat sich ein Teil des Handels mit Kfz-Ersatzteil-Plagiaten verstärkt ins Internet verlagert. Welche tatsächliche Größenordnung das Schattengeschäft mittlerweile insgesamt hat, wissen aber offenbar nicht mal die Hersteller.

Bremsbeläge nach einem Belastungstest: links die Fälschung, rechts das Original.
Bremsbeläge nach einem Belastungstest: links die Fälschung, rechts das Original.
(Bild: © Mercedes-Benz AG )

Mercedes-Benz hat im vergangenen Jahr über 1,86 Millionen Fälschungen von Zoll- und Strafverfolgungsbehörden beschlagnahmen lassen. Wie der Hersteller am Donnerstag bekannt gab, sei dies im Rahmen von rund 650 Razzien passiert. Ein Jahr zuvor hatte der Hersteller von 1,7 Millionen einkassierten Fälschungen aus 2020 berichtet – daraus schließt er nun, dass der Handel mit Teile-Plagiaten zugenommen habe. Allerdings seien 2020 auch nur 550 Razzien gefahren worden – 100 weniger als zuletzt.

Zur Abschätzung des entstandenen Schadens konnte eine Mercedes-Sprecherin auf Anfrage keine konkrete Zahl nennen. Dies sei nicht zuletzt deshalb schwer zu beziffern, weil die beschlagnahmten Teile zum Teil gar nicht dem Portfolio des Herstellers zuzuordnen seien – wie etwa Aquariumpumpen mit Stern-Logo.

Wenig aussagekräftige Zahlen

Der Hersteller kann auch keine Hausnummer nennen, welches Volumen an gefälschten Teilen mutmaßlich in den Markt oder auch in die Fahrzeuge gelangt. Und auch in Bezug auf die Dunkelziffer an nicht beanstandetem Angebotsvolumen möchte Mercedes keine Zahlen nennen.

Zitiert wird Renata Jungo Brüngger, Mercedes-Vorständin für Integrität & Recht, in der aktuellen Mitteilung lediglich allgemein: „Die Fälscherindustrie hat die Strukturen des organisierten Verbrechens und erzielt oft höhere Gewinne als der Drogenhandel."

Interessant dabei allerdings, dass die Produktpiraten in den vergangenen zwei Jahren offenbar zunehmend Online-Plattformen und Social-Media-Kanäle nutzen, um gefälschte Waren anzubieten. Die Recherche zum Online-Handel mit Produktfälschungen sei für die Markenschützer des Konzerns deutlich aufwendiger. Denn gefälschte Objekte könnten sehr kurzfristig auf den Online-Plattformen eingestellt und mit Unterstützung von Social Media abgesetzt werden.

Hersteller betont das Sicherheitsthema

Dazu Renata Jungo Brüngger: „Der Handel mit Produktfälschungen über Online-Plattformen und Social Media nimmt weiter zu. 2021 konnten mehr als 126.000 Produktfälschungen von Online-Plattformen entfernt werden.“

Laut Mercedes lassen sich Produktfälschungen optisch oftmals kaum von Originalteilen unterscheiden. Auf der Teststrecke und im Straßenverkehr zeigten sich jedoch schnell „eklatante Qualitäts- und Sicherheitsunterschiede“. Die Qualität von Produktfälschungen sei meist mangelhaft und erfülle nicht die gesetzlichen Mindestvorgaben in punkto Sicherheit.

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