Suchen

Michelin forscht am „perfekten Dreieck“

| Autor / Redakteur: Jan Rosenow / Jan Rosenow

Moderne Reifen müssen Leistungen erbringen, die sich eigentlich gegenseitig ausschließen: geringer Rollwiderstand, hohe Fahrsicherheit und lange Lebensdauer. Michelin ist auf einem guten Weg, diese Widersprüche zu versöhnen.

Firma zum Thema

Je weiter, desto besser: Der Ausrolltest demonstriert den Rollwiderstand.
Je weiter, desto besser: Der Ausrolltest demonstriert den Rollwiderstand.
( Archiv: Vogel Business Media )

Michelin arbeitet am „magischen Dreieck“ der Reifenentwicklung. Dahinter steckt die Absicht, die drei Leistungskategorien Rollwiderstand, Fahrsicherheit und Lebensdauer in einem Reifen zu verwirklichen. Lange Zeit war es nicht möglich, den Reifen in einem Kriterium zu verbessern, ohne dabei ein anderes zu belasten.

Die Entwicklungsingenieure des französischen Reifenherstellers Michelin wollen dies nun ändern: Das Produkt soll in drei Leistungskriterien gute Werte erzielen. Der geringe Rollwiderstand soll dem Auto dabei helfen, möglichst wenig Sprit zu verbrauchen. Außerdem sollen die Reifen verlässliche Haftung bieten, damit der Fahrer sowohl auf nasser als auch auf trockener Straße stets sicher und komfortabel unterwegs ist. Und drittens soll der Reifen möglichst lange leben, um die Kosten der Mobilität gering zu halten.

EU stellt hohe Anforderungen

Zusätzlich hat die Europäische Union beschlossen, ein Label einzuführen, das über die Leistungsskriterien von Reifen auf dem Ersatzmarkt informiert. Ab November 2012 müssen Reifen für Personenwagen im Verkauf ein Label tragen, das den Kaufinteressenten über drei Merkmale informiert: Rollwiderstand, Nasshaftung und Außengeräusch.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 5 Bildern

Zusätzlich zur Verkaufsinformation für den Reifenkäufer verfolgt der Gesetzgeber mit dem Label ein weiteres Ziel. Um auf dem Markt verkauft werden zu können, müssen die Reifen künftig Mindestleistungswerte in den drei auf dem Produktetikett genannten Feldern erreichen. Damit will die EU unsicheren Billigreifen den Marktzugang versperren und die Verkehrssicherheit verbessern.

Um diese drei Merkmale miteinander in Einklang zu bringen, benötigen Reifenhersteller jedoch viel Erfahrung und hohe technische Kompetenz, die sich nur durch hohe Ausgaben für Forschung und Entwicklung erreichen lassen: Dafür investiert Michelin nach Unternehmensangaben etwa 500 Millionen Euro pro Jahr.

Die Balance der Eigenschaften

Das Ziel dieser Anstrengungen ist die „Balance of Performance“ – unter dieser Bezeichnung führt das Unternehmen Reifen, die scheinbar widerstreitende Eigenschaften miteinander in Einklang bringen. Moderne Werkstoffe wie Silica und High-tech-Konstruktionsmethoden und -Fertigungsverfahren haben dazu geführt, dass moderne Reifen Bestleistungen beim Rollwiderstand mit sehr guter Nass- und Trockenhaftung und langer Lebensdauer vereinen können – wie die aktuelle Michelin-Produkttroika Energy Saver, Pilot Sport 3 und Alpin A4 beweist.

Bei weitem nicht allen Reifenherstellern dürfte es gelingen, die vom Gesetzgeber geforderten Mindestwerte zu erreichen. Michelin geht davon aus, dass 30 Prozent der heute vermarkteten Reifen ab 2012 nicht mehr verkauft werden dürfen, da sie nicht einen einzigen der drei Mindestwerte erreichen. Zudem sehen die Normen bereits heute einen Zeitplan für die Verschärfung der Mindestleistungswerte vor. Aufgrund dessen dürften 70 Prozent der aktuell erhältlichen Reifen ab 2016 nicht mehr verkauft werden.

(ID:351894)