Mit der Brennstoffzelle von Hamburg nach Stuttgart

Autor / Redakteur: sp-x / Jens Rehberg

Drei Minuten tanken, 400 Kilometer fahren. Davon können batterieabhängige E-Autofahrer nur träumen. Wir haben uns auf Wasserstoff-Tour durch Deutschland begeben und einiges gelernt.

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In wenigen Minuten ist wieder genug Wasserstoff für mehrere Hundert Kilometer an Bord.
In wenigen Minuten ist wieder genug Wasserstoff für mehrere Hundert Kilometer an Bord.
(Bild: Toyota)

Reichweitenprobleme? So etwas kennen Fahrer von Brennstoffzellenautos nicht. Ist der Tank mit Wasserstoff gefüllt, steht einer Tour von bis zu 400 Kilometern nichts mehr im Wege. In wenigen Jahren sollen es gar 650 Kilometer sein. Natürlich ist die Brennstoffzellentechnik noch sehr teuer – sonst wäre sie schon heute der absolute Kracher: keine Emissionen, E-Antrieb, leises Fahren und in drei Minuten voll tanken.

Wer sich das gönnen möchte, muss etwa an Toyota derzeit noch gut 80.000 Euro überweisen und einen Mirai bestellen. Auf ähnlichem Preisniveau wird sich nächstes Jahr der Mercedes GLC Fuel Cell bewegen. Etwas günstiger dürfte es bei Hyundai werden. Die Koreaner schicken ebenfalls 2018 den Nachfolger des iX35 Fuel Cell auf die Straße. Es soll ein größeres Crossover-Modell werden, wie zu hören ist. Alle Preise sind von den jeweiligen Herstellern nach wie vor stark unterstützt, sonst käme keines dieser Autos auf die Straße.

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Wasserstoff hat den großen Vorteil, nicht importiert werden zu müssen, man kann es lokal produziert und verbrauchen. Zudem lässt es sich sehr gut lagern und falls nötig über lange Strecken verlustfrei transportieren (mit Strom geht das bekanntlich nicht).

Wasserstoff ist praktisch unbegrenzt vorhanden, allerdings stets in gebundener Form. Durch Elektrolyse lässt es sich aus Wasser abspalten. Oder es kann aus Erdgas gewonnen werden (Reform-Prozess). Oder es entsteht als Nebenprodukt der Großchemie. Weltweit werden jährlich rund 50 Millionen Tonnen Wasserstoff produziert. Die Menge würde reichen, 250 Millionen Autos wie den Mirai 20.000 Kilometer fahren zu lassen. Und reichlich Energie steckt ebenfalls im Wasserstoff – im Vergleich zum Benzin viermal so viel.

Allerdings ist die elektrolytische Erzeugung von Wasserstoff ist nur sinnvoll, wenn der benötigte Strom dazu aus regenerativen Quellen stammt. Nur dann darf der Wasserstoff „grün“ genannt werden. Diesen sagte uns zumindest Vattenfall beim Start der Mirai-Tour in Hamburg zu. Dort versorgt in der Hafen-City eine Wasserstofftankstelle diverse Linienbusse sowie einige private Brennstoffzellenautos.

Überkapazitäten für H2-Herstellung genutzt

Vattenfall versucht, möglichst jenen Strom für die H2-Herstellung zu nehmen, der anfällt, wenn er nicht gebraucht wird. Beispielsweise wenn es nachts stark weht und die Windräder viel Strom generieren. Andernfalls müsste der Strom ins Ausland verschenkt oder die Flügel der Windräder arretiert werden.

An einer Anlage von Westfalen in Münster, 281 Kilometer von Hamburg entfernt, halten wir erstmals zum Tanken. Nötig wäre das Auffüllen noch nicht gewesen, denn in Hürth bei Köln steht die nächste Zapfsäule. Allerdings ausschließlich für Busse. Der Unterschied: Hier wird mit 350 anstatt 700 bar Druck betankt und der Wasserstoff fürs Befüllen nicht auf minus 41 Grad heruntergekühlt. Zur Not lässt sich aber auch ein Pkw (Zapfanschluss ist identisch) betanken. Der Tank wird dann aber physikalisch bedingt nur halb voll.

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