Bei gutem Wetter gibt Freiluft-Fahren immer noch ein besonderes Gefühl von Freiheit. Das Cabrio mag da den meisten taugen, bis sie im Mini Moke sitzen. Oft ist der Strand-Klassiker der 1960er Jahre nicht mehr zu sehen. Dennoch eignet sich der Moke sogar noch als Geschäftsmodell.
In Bonbonfarben lackiert, steht der Mini Moke neben Luxuslimousinen und Supersportwagen als Strandshuttle vor den Designhotels.
(Bild: BMW)
Rolls-Royce Wraith, Bentley Continental Cabrio, Lamborghini Hurracan – wer auf dem Ocean Drive in Miami Beach auffallen will, der muss schon die großen Kaliber auffahren. Oder man nimmt einen Leihwagen, wie es ihn sonst kaum mehr auf der Welt zu mieten gibt: den Mini Moke. War der in den 1960er Jahren als Alternative zum Buggy auf VW Basis, dem Citroen Mehari oder der Cabrio-Version des Renault R4 aufgelegte Frischluftflitzer früher Stammgast in den Strandmetropolen dieser Welt, ist er in Saint Tropez, auf Sylt, in Sidney oder in der Karibik zu einer Seltenheit geworden.
Doch auf der Strandinsel vor Miami ist der Moke noch immer en vogue. In Bonbonfarben lackiert, steht er neben Luxuslimousinen und Supersportwagen als Strandshuttle vor den Designhotels. Wo sich andere Verleiher auf Muscle-Cars wie den Mustang versteifen, gibt es in Miami gleich mehrere Moke-Vermieter, die den windigen Winzling für eine Handvoll Dollar zum Inselhopping anbieten.
Entwickelt wurde er parallel zum Mini als leichtes und preiswertes Fahrzeug für die britische Armee. Allerdings hat sich der Wagen weniger bei den Militärs als bei den Millionären etabliert, die ihn gerne als Drittauto am Strandhaus geparkt haben. Die ersten 15.000 Exemplare wurden von 1964 bis 1968 noch in Birmingham gebaut, danach wurde die Produktion erst nach Australien und dann nach Portugal verlegt, wo 1993 der letzte Moke vom Band lief.
In steter Regelmäßigkeit hatten verschiedene Firmen die Rechte an Marke und Modell gekauft und versucht, die Geschichte fortzuschreiben. Mit dem Original aus den 1960ern haben die Leihwagen hier deshalb nur noch die Form gemein – und natürlich den Fun-Faktor. Denn es spielt eigentlich keine Rolle, welcher Motor den Moke antreibt, welches Baujahr im Fahrzeugschein steht und wo in der Welt der Wagen montiert wurde: Es braucht nur ein paar Meter, bis die Mundwinkel nach oben gehen und das Herz unter dem Hawaii-Hemd aus Freude zu hüpfen beginnt.
Das liegt natürlich vor allem an seiner luftigen Art, bei der kein konventionelles Cabrio mithalten kann. Denn wo andere Autos eine feste Karosserie und allenfalls ein Faltdach haben, lässt der Mini Moke buchstäblich alle Hüllen fallen: Nur die für einen Mini beinahe riesige Frontscheibe und eine dünne Plane schützt vor Wind und Wetter. Die Karosserie beschränkt sich auf Bodenblech, Kotflügel und einen Seitenschweller, der kaum bis an die Waden reicht. Wird das Hauszelt über den von Gartenstühlen inspirierten Sitzen abgebaut, genießt man mehr Platz, als man je in einem anderen Mini hatte. Nirgends schabt die Schulter an der Scheibe, selbst im Fond stößt kein Knie an, und auch die Kopffreiheit ist endlich unendlich.
Vom spaßfreien E-Moke zurück zum PS-Flitzer
Die meisten Moke aus Miami stammen von einem Unternehmen, das sich eigentlich auf den Vertrieb von Golfcarts spezialisiert hat und die Retro-Modelle für die Vermieter in China fertigen lässt. Die haben zwar einen politisch korrekten Elektro-Antrieb, fahren aber kaum schneller als die meisten Golf-Karren und zuckeln deshalb eher spaßfrei die Strandpromenade entlang. Denn mehr als 25 Meilen pro Stunde oder etwa 40 km/h sind technisch nicht drin und juristisch nicht erlaubt. Im Stop-and-Go-Verkehr auf dem Ocean Drive ist das kein Schaden, aber schon die Brücke rüber nach Key Biscayne wird da schnell zur Geduldsprobe – erst recht, wenn es in der Mitte mal kurz steil bergauf geht und die E-Maschine ihre liebe Mühe hat mit dem Moke. Mit dem 2016 in Paris gezeigten elektrifizierten Moke haben die lahmen Enten aus Miami aber nichts zu tun.
Das stört nicht nur viele Touristen, sondern auch Henry Herazo. Als Geschäftsführer bei Curated Motors ist er etwas schnellere Autos gewohnt. Stehen in seinem Showroom doch PS-Pretiosen und rasende Raritäten wie der Jaguar XJ220, der Bugatti EB110, der Mercedes SLR, der Porsche 918 oder der Lamborghini Diablo. Doch seit geraumer Zeit parken vor der Tür auch zwei Mokes und in seiner Brieftasche trägt er eine zweite Visitenkarte, die ihn als Chef von Moke USA ausweist und zum Autohersteller stempelt. Oder zumindest zu einem waschechten Importeur.
Denn Herazo will den Moke zurück nach Amerika bringen. Und zwar nicht als lahmen Leihwagen für gelangweilte Touristen, sondern als luftiges Spielzeug für Besserverdiener. Dafür hat er sich mit Moke International zusammengetan, die den Moke vor ein paar Jahren aus China zurückgeholt haben und ihn in Frankreich nun mit deutlich besserer Qualität montieren. Das Werk baut bis zu 4.000 Autos im Jahr und knapp ein Zehntel davon kann Herazo in die USA holen, ohne sich um Zulassungsvorschriften zu scheren. „Damit gelten wir als Kleinserienhersteller und haben viel mehr Freiheiten“, freut sich Herazo, der das Autogeschäft bei Toyota USA gelernt hat.
Stand: 08.12.2025
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