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Nach Kündigung: Händler will Volkswagen vor Scharia-Gericht zerren

| Autor: Christoph Seyerlein

Ein Scheich und Ex-Bentley-Händler aus Saudi-Arabien hat wegen Vertrags-Streitigkeiten eine Multimillionen-Klage gegen Volkswagen eingereicht. In Wolfsburg reagiert man gelassen.

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Volkswagen liegt in Saudi-Arabien mit einem Ex-Bentley-Händler im Clinch.
Volkswagen liegt in Saudi-Arabien mit einem Ex-Bentley-Händler im Clinch.
(Bild: Bentley)

Nicht nur in Deutschland sind gekündigte Händlerverträge bei Volkswagen ein Thema. In Saudi-Arabien sieht sich der Konzern einer aufsehenerregenden Klage gegenüber. Ein ehemaliger Bentley-Händler will den Autobauer schon bald vor einem Scharia-Gericht sehen, wie die „Welt am Sonntag“ berichtet. Angeblich geht es um einen Verlust von rund einer Milliarde Saudischer Riyal – umgerechnet fast 240 Millionen Euro.

Zum Hintergrund des Falles: Scheich Ghassan A. Al Sulaiman verkaufte mit seinem Unternehmen Al Ghassan Motors bis 2017 Bentleys in Saudi-Arabien. Lange Zeit ein lukratives Geschäft in dem Königreich mit vielen Superreichen. Doch 2016 geriet der dortige Automarkt aufgrund sinkender Ölpreise in Schieflage – und damit auch das Geschäft des Scheichs.

Daraufhin suchte Al Ghassan Motors nach einem zusätzlichen Investor. Jenen Plänen hätte Bentley allerdings zustimmen müssen. Die Marke verweigerte das und merkte an, damit eine Vorgabe des Mutterkonzerns Volkswagen umgesetzt zu haben. Für den Scheich kam es aber noch dicker: Bentley kündigte ihm den Händlervertrag und suchte sich einen neuen Partner vor Ort.

Aus Sicht von Scheich Ghassan hat der Konzern damit gegen das Wettbewerbsrecht in Saudi-Arabien verstoßen. Doch nicht nur das: Auch das Gebot „Hintergeht euch nicht gegenseitig beim Handel“ des Propheten Mohammed habe der Autobauer missachtet. Deswegen verklagt der Unternehmer nun Volkswagen, angeblich geht es um einen Verlust von rund einer Milliarde Saudischer Riyal – umgerechnet fast 240 Millionen Euro.

Gelassenheit bei Volkswagen

Bei den Wolfsburgern gibt man sich laut der „Welt am Sonntag“ dennoch gelassen. Der Vertrag mit dem Händler sei ordentlich gekündigt worden, weil man unzufrieden mit den Verkaufszahlen gewesen sei, zitiert die Zeitung mit dem Fall befasste Personen. Zudem habe Al Ghassan Motors 58 bestellte und gelieferte Fahrzeuge nicht bezahlt und schulde Bentley deshalb noch knapp 24,7 Millionen Dollar.

Pikant: Scheich Ghassan ist dem Vernehmen nach noch immer als Händler einer anderen Volkswagen-Marke aktiv. Er verkauft Modelle der Audi-Tochter Lamborghini in Nizza. Auch jener Händlervertrag soll laut der „Welt am Sonntag“ aber gekündigt werden.

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