Für artgerechten Vorwärtsdrang steht ein 2,3-Liter-Vierzylinder-Diesel in den Leistungsstufen 118 kW/160 PS und 140 kW/190 PS. Die Motoren sind nach der noch für Nutzfahrzeuge gültigen Abgasnorm Euro V eingestuft. Die Kraftübertragung erfolgt über ein Sechsgang-Getriebe, für den stärkeren Biturbo-Selbstzünder kann alternativ eine Siebengang-Automatik geordert werden. Im Vergleich zu den Vorgängeraggregaten sank der Verbrauch um rund 24 Prozent. So kommen die Schaltversionen auf durchschnittlich 6,4 Liter, Automatikfahrer müssen laut Normwert mit 7 Litern rechnen.
Fürs Parkhaus ungeeignet
Mit dem 190-PS-Triebwerk unter der Haube und allem Komfort, den die höchste Ausstattungslinie bietet, vergisst man schnell, dass man mit einem 5,33-Meter-Schiff unterwegs ist. Der Fahrer thront erhaben über der Straße, die 450 Nm des Biturbos vermitteln Souveränität. Selbst auf mallorquinischen Bergstraßen wirkt der robuste Nissan noch relativ handlich, allerdings nur bis in engen Spitzkehren Gegenverkehr auftaucht. Schlagartig wird man sich der Fahrzeuggröße wieder bewusst und zirkelt behutsam um die Kurve und das andere Fahrzeug. Man möchte dann auch nicht wirklich sich vorstellen, wie es wäre, mit dem Pick-up in ein typisches deutsches Parkhaus mit seinen schmalen Ein- und Ausfahrten geschweige denn zu kurzen und engen Parkbuchten einzufahren.
Zum Glück geht die Testfahrt auf öffentlichen Straßen und steilen Waldwegen weiter. Auf letzteren kann der Navara seine Allradkompetenz unter Beweis stellen. Per Drehschalter aktiviert man den Allradmodus, für schwierige Bedingungen gibt es noch den „4LO“-Lock-Modus. Dann wird noch zusätzlich ein mechanisches Sperrdifferenzial zugeschaltet. Der Navara wühlt sich so brav über Stein, Geröll und rutschigen Untergrund und dank der Automatik kann man sich ganz aufs Navigieren konzentrieren.
Fünf Jahre Herstellergarantie
Praktisches Hilfsmittel für ein leichteres Rangieren im unübersichtlichen Gelände ist bis Tempo 10 das Umfeld-Beobachtungssystem, das das Fahrzeug aus der Vogelperspektive und eine 360-Grad-Ansicht zeigt. So sieht man im Display, was vor, hinter und auch neben dem Fahrzeug liegt oder ob die Enge der Kurve mit dem Wendekreis (12,4 Meter) passen könnte. Und eine weitere Neuerung für den Navara lernt man besonders auf schlechten und holprigen Wegstrecken schätzen. Bei der Doppelkabine kommt an der Hinterachse eine Einzelradaufhängung zum Einsatz. Statt dass beim Überfahren von Schlaglöchern die Amalgamfüllungen der Zähne in ihren Grundfesten erschüttert werden wie bei Modellen mit einer hinteren Starrachse, schaukelt man vergleichsweise sanft über alle Unebenheiten hinweg. Das freut nicht nur den Zahnarzt, auch die Bandscheibe bleibt gelassen.
Ach ja: Damit die Freude am Fahren und Fahrzeug möglichst lange anhält, gewährt Nissan eine Herstellergarantie über fünf Jahre oder 160.000 Kilometer. Dass Nissan von dem Erfolg seines Navara überzeugt sein kann, zeigt sich noch in anderer Hinsicht: Konzernpartner Renault und Kooperationspartner Mercedes wollen jeweils auf Basis des Navara mit eigenen Fahrzeugen in das Pick-up-Geschäft einsteigen. Renault hat dazu das Concept Car Alaskan präsentiert, dessen Markteinführung für Mitte 2016 geplant ist. Ein Jahr später soll der Alaskan nach Deutschland kommen. Selbst in Deutschland könnte man also zukünftig öfter einem Pick-up begegnen.
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