Ein Gang über die derzeit wohl weltweit wichtigste Automesse in Peking zeigt viele Neuheiten, die in Europa wenig Freunde fänden. Noch konkurrieren die Hersteller um Marktanteile auf dem Heimatmarkt. Doch dass die etablierten westlichen Hersteller in der Defensive sind, lässt sich am Gewusel an den China-Ständen gut ablesen.
Aur der Automesse in Peking geht es zu wie einst auf der IAA in den 1990er Jahren: Hochglanzfahrzeuge und Hostessen-gestütztes Schaulaufen. Im Bild ein Modell der GAC-Tochter Aion, die ebenfalls nach Europa will.
(Bild: SP-X/Mario Hommen)
Wuselige Herren im dunklen Anzug, aufgebrezelte junge Damen, die lauthals ins Handy tiktoken und Menschenansammlungen an Messeständen auf denen vorwiegend sehr, sehr große oder sehr, sehr sportliche Fahrzeuge zu sehen sind, die permanent von schwer arbeitenden Händen auf Hochglanz gehalten werden: Die Auto China 2024 in Peking, die zum ersten Mal seit 2019 wieder stattfindet, erinnert ein wenig an die großen Jahre der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt in den 1990ern.
Es ist kein Zufall, dass sich die Messe in der chinesischen Hauptstadt zur wichtigsten Automobilveranstaltung der Welt gemausert hat. Das Reich der Mitte ist nicht nur der größte Absatzmarkt, hier sitzt auch das größte Innovationskapital und -potenzial. Während sich früher General Motors, Toyota, Volkswagen und keine Handvoll weiterer Hersteller um den Weltmarkt balgten, sind es heute BYD, GWM, Dongfeng, SAIC, Geely, oder GAC, die den arrivierten Autobauern aus der alten Welt gerade im wichtigen Heimatmarkt mit mehr als einer Milliarde potenzieller Kunden den Rang ablaufen. Auf den Straßen Pekings oder Wuhans ist deutlich zu sehen, wie die ausländischen Hersteller an Marktanteilen verloren haben.
Und das liegt nicht nur am Preis. Die Xaomis oder Voyahs spiegeln den heutigen Stand der Automobiltechnik wider und erfüllen in Sachen Design und Größe exakt die Erwartungen ihrer Landsleute. Dabei spielt der Preis eher eine Nebenrolle. Die meisten der unzähligen Hersteller und Marken, die auf der Autoschau zu sehen sind, sind keine fünf Jahre alt – und die meisten wird es in fünf Jahren nicht mehr geben, darin sind sich Beobachter der Szene einig.
Etwas paradox: Die große Dynamik und die große Volatilität des chinesischen Marktes schützen den europäischen im Moment vor der übermächtigen Konkurrenz. Denn die hat genug damit zu tun, den Heimatmarkt zu bedienen beziehungsweise die Marktanteile zu verteidigen. Für Expansion bleibt wenig Spielraum. Dies gilt insbesondere für die oft geäußerte Befürchtung von Automobilexperten, dass die Chinesen den deutschen und europäischen Markt mit billigen Elektroautos überfluten könnten und damit die europäischen Hersteller noch mehr in die Defensive drängen könnten als sie es ohnehin schon sind. Die Suche auf der Messe nach vollelektrischen Autos, die in China in der Klasse bis etwa 15.000 Euro spielen, verläuft fast im Sand.
Alles irgendwie überdreht
Gefragt sind stattdessen riesige Familienkutschen, martialisch anmutende Monster-Geländewagen und Edel-SUV-Coupés vom Schlage eines Xiaomi SU7. Die Präsentation dieses Porsche-Taycan-Konkurrenten aus der Fabrik des Smartphone Herstellers mutete in Bejing fast schon wie die kultige Präsentation eines Apple-Telefons an und der Gang des Xiaomi-Chefs Jun Lei von Stand zu Stand erinnerte eher an den Auftritt eines Popstars, denn an den Arbeitsbesuch eines Kollegen und Konkurrenten.
Die Debatte über die Antriebsart von Autos hat China (noch) nicht erreicht. „Für die chinesischen Kunden ist es nicht relevant, wie die Kraft zur Fortbewegung erzeugt wird. Beim Auto zählen Größe, Aussehen und Preis-Leistungsverhältnis“, erklärt Gao Yuan, Director of Voyah Global Business, einer Marke von Dongfeng, dem weithin unbekannten, gleichwohl sechstgrößten Autoherstellers der Welt, der auch den eben in Europa lancierten Geländewagen M-Hero sowie die Großraumlimousine Dream und den SUV Free als vollelektrische Fahrzeuge im Angebot hat. Der Konzern plant eine Expansion nach Europa, will das aber Schritt für Schritt angehen. Man scheut insbesondere die Kosten für den Aufbau eines Händlernetzes und die teure Ersatzteillogistik im Verhältnis zum erwarteten Gewinn.
Die gilt auch für GAC (Guangzhou International Automobile Corporation), einem Autokonzern mit gut 96.000 Beschäftigten, der mit seiner Elektromarke Aion konkretere Pläne für Europa hegt. Wayne Wie, General Manager, will das Einstiegs-SUV „Y plus“ ab September in Europa verkaufen, im nächsten Frühjahr soll die Großraumlimousine „V“ folgen. Für das kleinere Auto werden jedoch deutlich mehr als 30.000 Euro fällig werden, für das größere ist die Preisgestaltung noch unklar, in China beginnt die Liste bei umgerechnet rund 30.000 Euro. Den übrigen Großherstellern, allen voran Branchenriese BYD (Build Your Dreams), der in China ein Drittel des Marktes für Elektrofahrzeuge bedient, ließen sich auf der Messe in Bejing keine belastbaren Planungen für Europa entlocken.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Dass auch alles ganz anders kommen kann, ist in China allerdings auch Teil der Normalität. So hatte VW mit dem Santana einst quasi das Monopol für Taxis in der 22-Millionen-Stadt Bejing. Bis die Staatspartei Ende 2022 im Rahmen eines Fünfjahresplans die CO2-Neutralität aller Taxis bis Ende 2025 verordnete. Da 2021 die Lebensdauer eines Taxis auf sechs Jahre begrenzt wurde, haben bereits heute die allermeisten Taxifahrer ihren Santana gegen ein vollelektrisches Auto getauscht, das auf den passenden Namen „Bejing“ hört. Sehr zum Ärger von Volkswagen.