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Oldtimer-Branche braucht Stimme in der Umweltdiskussion

| Autor: Steffen Dominsky

Vom Grundsatz her vertritt der Deuvet die Interessen der Old- und Youngtimerfahrer. Doch das „Oldie-Zentralorgan“ kämpft mit sinkender Akzeptanz, weiß Deuvet-Präsident Peter Schneider. Dabei wäre angesichts der umweltpolitischen Diskussionen eine starke Stimme für die Branche derzeit sehr wichtig.

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Kämpft gegen Egoismus in den eigenen Reihen: Deuvet-Präsident Peter Schneider.
Kämpft gegen Egoismus in den eigenen Reihen: Deuvet-Präsident Peter Schneider.
(Bild: Deuvet)

Redaktion: Wofür steht eigentlich „Deuvet“ – namentlich wie inhaltlich?

Peter Schneider: Deuvet steht als Begriff seit 1976 für die Interessenvertretung der deutschen Veteranenfahrzeugnutzer und -sammler. In dem heutigen Bundesverband der Clubs klassischer Fahrzeuge haben sich Oldtimer- und Markenclubs zusammengefunden, um auf demokratischer Basis die Themen zu definieren, die gegenüber Öffentlichkeit, Institutionen, Kommunen und insbesondere der gesetzgebenden Politik zu vertreten sind.

Hat das funktioniert?

Ja, es galt seinerzeit, zunehmende gesetzliche Regelungen für Zulassung und Betrieb von historischen Fahrzeugen zu begleiten und adäquat für Oldtimer anwenden zu lassen. Hier wurde mancher Meilenstein erreicht, sei es bei technischen Prüfungen, der Abgassonderuntersuchung oder eben bei der Aufhebung des Sonntagfahrverbots für historische Lastwagen. Besonders wichtig war der Erfolg der gesetzlichen Regelung zum H-Kennzeichen.

Warum dürfen H-Oldtimer in Umweltzonen fahren?

Als die Regelung 1997 erarbeitet wurde, begann gerade die Sympathiewelle für klassische Fahrzeuge. Der Bestand war gering, und man wollte Oldtimer nicht von innerstädtischen Veranstaltungen ausschließen. Hinzu kommt, und das gilt noch heute, dass Sammlerfahrzeuge pro Jahr weniger als 2.000 Kilometer bewegt werden.

Kommen jetzt neue Regelungen im Rahmen der Diesel- und Feinstaubdiskussionen auf die Oldtimerbesitzer zu?

Grundsätzlich ja, aber die gesetzlichen Vorgaben liegen noch nicht fest. Der Deuvet als Bundesverband steht in enger Kooperation zur Politik, sei es mit der Arbeitsgruppe „Sofortprogramm Saubere Luft“ wie auch im Dezember in einem persönlichen Gespräch mit dem Verkehrsminister. Mit den für Fahrverbote zuständigen Kommunen wurde ebenfalls der Dialog eröffnet und empfohlen, bei anstehenden Fahrverboten unbürokratisch die bisherige Regelung des H-Kennzeichens zu übernehmen. Der Deuvet betont aber zugleich, dass bei zeitlich begrenzten Fahrverboten auch für Oldtimer keine Ausnahmen gelten sollen.

Wo sieht der Deuvet Handlungsbedarf?

Derzeit sind mehr als 500.000 Fahrzeuge in der Bundesrepublik nach technischer und historischer Prüfung mit einem H-Kennzeichen „geadelt“. Um künftig Schaden durch unerwartete Restriktionen durch Gesetz und Gesellschaft zu vermeiden, bedarf es fachlich kompetenter Lobbyarbeit. Deswegen sollten Besitzer wie auch Industrie und Handwerk sich beim Deuvet inhaltlich und finanziell engagieren. Sinnvolle Lobbyarbeit braucht verantwortungsbewusste Macher und Geldgeber, sonst könnte ein auf 15 Milliarden Euro geschätzter Oldtimermarkt einschließlich aller Dienstleistungsbetriebe schnell seine Bedeutung verlieren.

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Über den Autor

 Steffen Dominsky

Steffen Dominsky

Redakteur »kfz-betrieb«, "bike & busines", "Fahrzeug + Karosserie", stellv. Ressortleiter Service & Technik »kfz-betrieb«, Vogel Communications Group