Oldtimer-Teile: 3-D-Metalldruck von der Stoßstange bis zum Scharnier

Ersatzteile entstehen in Originalqualität

| Autor: Steffen Dominsky

Auch Oldie-Teile wie diese verchromte „Stoßstange“ einer alten Vespa lassen sich im 3-D-Druck-Verfahren nachfertigen.
Auch Oldie-Teile wie diese verchromte „Stoßstange“ einer alten Vespa lassen sich im 3-D-Druck-Verfahren nachfertigen. (Bild: Dominsky)

Neuer Acryllack auf alte Kunstharzlackierung? Geht nicht! Neues 0W-20 in alte Motoren? Geht nicht! Neues Kältemittel in alte Klimaanlagen? Weiß keiner, ob es geht. Oftmals gibt es im automobilen Aftermarket Grenzen. Grenzen zwischen alter einerseits und moderner Technik andererseits. Doch kaum eine moderne Technologie ist derart prädestiniert für die Anwendung bei historischem Kulturgut wie der 3-D-Druck.

Neuer Ersatz nicht mehr lieferbar? Kein Problem! Nachgefertigte Alternativen nur in schlechter Qualität erhältlich? Kein Problem! Heute kaputt gegangen und morgen benötigt? Kein Problem! Kein Muster zur Verfügung? Kein Problem! „Mithilfe des 3-D-Drucks bzw. des sogenannten SLM-Pulverbettverfahren (Selective Laser Melting), gibt es heutzutage für zahlreiche Anwendungen eine Lösung, die es bis dato nicht oder nur zu unverhältnismäßig hohen Preisen gab“, erklärt Roman Lengsdorf, Abteilungsleiter für die additive Fertigung von JP3D-Tec-Vision GmbH.

Das Unternehmen ging im vergangenen Jahr aus der JP Industrieanlagen GmbH hervor, einem klassischen mittelständischen Maschinenbauunternehmen, dessen Schwerpunkt im Bereich Sondermaschinenbau, Automation sowie Robotik liegt. Dessen Gründer Johann Paulus stellte sich irgendwann die Frage „Was wird die Zukunft in der Metallbearbeitung bringen?“ und gab sich gleich die passende Antwort: „einen immer häufigeren Einsatz von additiver Fertigung“. Dank des 3-D-Druck-Prinzips erschließt sich Paulus neue Geschäftsfelder oder ergänzt bestehende Prozesse und Leistungsangebote. Der große Vorteil für Kunden: Mit einem „ordentlichen“ Maschinenbauunternehmen im Rücken kann JP3D-Tec-Vision Leistungen anbieten, die andere (Metall-)3-D-Druck-Anbieter nicht offerieren können.

Denn mit dem alleinigen Drucken bzw. Schmelzen ist es in den seltensten Fällen getan. Hier gehört eine Fläche präzise geplant, dort eine Bohrung exakt gesetzt, ein anderes Bauteil gehört passend abgedreht. Egal: Jede klassische Metallbearbeitung kann das Unternehmensgespann quasi aus einer Hand anbieten. Selbst Arbeiten wie Strahlen, Verchromen und andere Oberflächenbehandlungen ermöglicht der Straubinger Betrieb dank guter Verbindung zu entsprechenden Dienstleistern. Das alles ohne Umwege für den Kunden.

Grundsätzlich kennt der 3-D-Druck unterschiedliche Vorgehensweisen, ein benötigtes Ersatzteil zu erstellen. Am einfachsten geht es, wenn man über entsprechende „Druckdaten“ verfügt. Immer öfter kommt es vor, dass in Oldtimerclubs jemand anderes genau dieses Teil schon einmal nachgedruckt hat/hat nachdrucken lassen. „Inzwischen gibt es diverse Datenbanken im Internet, die kostenlos oder gegen Entgelt entsprechende Dateien bereitstellen“, berichtet Markus Grünner, zuständig für Design, Technik und Produktion bei JP 3D-TecVision.

Verfügt König Kunde nicht über entsprechende Daten, wohl aber über ein Muster, was die Regel ist, scannt Grünner es ein. Dafür nutzt das niederbayerische Unternehmen einen entsprechenden 3-D-Scanner von Zeiss. Der „knipst“ das Bauteil, das sich vor ihm auf einem Rotationsteller befindet, aus einer Vielzahl von Positionen – mit einer Präzision von 7 µm. Das Ergebnis ist eine dreidimensionale Gitterstruktur, die man anschließend am PC nacharbeitet – insbesondere wenn das Muster beschädigt ist oder eine „Verbesserung“ in das reproduzierte Stück einfließen soll. Auch mithilfe des Reverse-Engineering-Verfahrens lassen sich z. B. aus CAD-Daten entsprechende Druckdaten erstellen.

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