Mobile.de und Autoscout 24 Onlinebörsen profitieren massiv von Preiserhöhungen

Autor: Martin Achter

Die Bräute hatten sich hübsch für den Verkauf gemacht: Autoscout 24 wechselte 2020 den Besitzer, Mobile.de steht kurz davor. Auch deswegen dürften die Börsen 2019 spürbar an der Preisschraube gedreht und Händler stärker zur Kasse gebeten haben. Das hat sich offensichtlich bezahlt gemacht.

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Mehr Umsatz, höhere Gewinne: Mobile.de und Autoscout 24 hatten 2019 deutliche Preiserhöhungen gegenüber Automobilhändlern umgesetzt. Das hat sich für die Online-Fahrzeugbörsen bezahlt gemacht.
Mehr Umsatz, höhere Gewinne: Mobile.de und Autoscout 24 hatten 2019 deutliche Preiserhöhungen gegenüber Automobilhändlern umgesetzt. Das hat sich für die Online-Fahrzeugbörsen bezahlt gemacht.
(Bild: Achter/»kfz-betrieb«)

Die Preiserhöhungen für Autohändler 2019 haben den großen Onlinefahrzeugbörsen Mobile.de und Autoscout 24 nach eigenen Angaben deutlich höhere Umsätze und Gewinne gebracht. Das geht aus den Finanzberichten und Jahresabschlüssen der Plattformen hervor. Autoscout 24 hat zwar schon vor längerer Zeit Kassensturz gemacht. Bei Mobile.de liegt der Jahresabschluss aber erst seit Kurzem vor.

Demnach verzeichnete Mobile 2019 einen Umsatz von rund 352 Millionen Euro. Das waren rund 29 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Der Gewinn lag bei 94 Millionen Euro; 2018 hatte die Plattform – wahrscheinlich vor allem aufgrund von Abschreibungen auf Finanzanlagen und Wertpapiere – rote Zahlen geschrieben und ein Minus von fast 18 Millionen Euro eingefahren.

Deutsche Händler als „Haupttreiber“

Für 2019 sei „das deutsche Händlergeschäft als Erster von zwei Haupttreibern für die Umsatzentwicklung zu nennen“, heißt es im Jahresabschluss von Mobile. Die Umsätze aus dieser Quelle seien um knapp 18 Prozent gestiegen, „was hauptsächlich an der im November 2019 durchgeführten Preisanpassung liegt“.

Darüber hinaus nahm der Marktplatz mehr Geld ein, weil das Unternehmen Plattformtechnologie innerhalb des bisherigen Mutterkonzerns Ebay verkaufte. Außerdem brachten Mobile 2019 auch Privatkunden mehr Geld. Der Umsatz mit diesen stieg auf 5,8 Millionen Euro (2018: 2,8 Millionen Euro).

Mobile steht mitsamt seiner Muttergesellschaft Ebay Kleinanzeigen vor der Abspaltung aus dem Ebay-Konzern. Das Bundeskartellamt hatte bereits im Herbst grünes Licht für die Übernahme durch den norwegischen Konzern Adevinta gegeben. Allerdings müssen Ebay und Adevinta derzeit noch Bedenken britischer Wettbewerbshüter ausräumen. Die Münchner Scout-24-Gruppe trennte sich im vergangenen Jahr von ihrer Automobilplattform.

Eine Marge von 57 Prozent

Zuvor meldete Autoscout 24 seinen Anteilseignern aber noch interessante Zahlen: So belief sich der Umsatz 2019 auf insgesamt 186,9 Millionen Euro. Das waren 12,3 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Auf Deutschland entfielen dabei Erlöse in Höhe von 94,4 Millionen Euro – ein Plus von 17,2 Prozent. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und sonstigen Aufwendungen über alle Märkte hinweg lag bei 107,1 Millionen Euro und damit 21,1 Prozent höher als 2018. Die operative Marge betrug demnach 57,3 Prozent.

Preiserhöhungen helfen hier wie dort

Autoscout 24 konstatiert in seinem Geschäftsbericht 2019, dass sowohl Preiserhöhungen bei Händlern auf dem Heimatmarkt als auch in Ländern außerhalb zu den steigenden Umsätzen geführt haben: „Beide Umsatzlinien profitierten von einer Basispreisanpassung“, heißt es in dem Dokument. Allerdings sei die Zahl der Händler in Deutschland 2019 gegenüber dem Vorjahr gesunken.

Marktführer Mobile und Wettbewerber Autoscout 24 hatten die Preise für Fahrzeuginserate von Händlern 2019 teils deutlich erhöht. Bereits in den Jahren zuvor gab es ähnliche Preisschritte der beiden großen Onlinefahrzeugbörsen, die für Kritik im Handel sorgten.

Wie sich das Preisniveau für Automobilhändler bei den Online-Marktplätzen weiter entwickelt, ist derzeit unklar. Aufgrund der Coronakrise dürften die Preistabellen der Internetmarktplätze aus dem Jahr 2019 weiterhin gültig sein. Preiserhöhungen passten angesichts der Krise mit erschwerten Verkaufsmöglichkeiten für Händler bisher nicht ins Bild. Jedoch ist die weitere Entwicklung vollkommen offen.

Wo Mobile.de und Autoscout 24 Risiken sehen

Allerdings scheinen die Marktgrößen den Wettbewerb in ihrer Branche als ernsthaft einzustufen. Mobile sieht unter anderem Risiken durch Plattformen, die direkte Verkäufe über das Internet ermöglichen. Wie die Plattform in ihrem Jahresabschluss für 2019 erklärte, kann sich für sie der Wettbewerb durch den Markteintritt von „transaktional orientierten Angeboten ebenso wie durch eine Erweiterung der Produktpalette der Mitbewerber noch weiter intensivieren“. Autoscout erwähnt in seinem Geschäftsbericht 2019 gleich eine ganze Reihe von Wettbewerbern namentlich als Risiko für das eigene Geschäft.

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Über den Autor

 Martin Achter

Martin Achter

Ressortleiter Management & Handel / »kfz-betrieb«