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Opel: Das Zündpedal bis zum Anschlag

| Autor: Steffen Dominsky

Vor 90 Jahren stellten die Rüsselsheimer das erste Raketenauto der Welt auf die Räder und schrieben mit 238 km/h einen neuen Geschwindigkeitsweltrekord in die Geschichtsbücher.

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Fritz von Opel wird nach seinem wilden Ritt im RAK 2 gefeiert (Koloration des Schwarz-Weiß-Pressefotos von 1928).
Fritz von Opel wird nach seinem wilden Ritt im RAK 2 gefeiert (Koloration des Schwarz-Weiß-Pressefotos von 1928).
(Bild: Opel Automobile GmbH)

Berlin: Plötzlich beschleunigt der Opel des 29-Jährigen auf der Avus wie von der Tarantel gestochen – oder besser gesagt von der Natter gebissen. Denn es ist ein markantes und bis dato kaum bekanntes Zischen, das den Wagen in eine atemberaubende Geschwindigkeitsregion katapultiert, begleitet von einem Feuerschweif. Der gehört zweifelsohne zu dem revolutionären Fahrzeugantrieb dazu wie das „peng, peng“ oder „töff, töff“ zu den normalen Automobilen dieser Zeit. Immerhin schreiben wir das Jahr 1929, und bei dem merkwürdigen Vehikel handelt es sich um das erste Raketenauto der Welt!

Kein geringerer als Fritz von Opel, Enkel des Firmengründers Adam Opel, sitzt am 23. Mai 1928 gegen 10:00 Uhr am Steuer eines RAK 2. Und eben hat er seine 24 Pulverraketen im Heck des Rennwagens gezündet. Als der tiefschwarz glänzende Wagen mit den großen Opel-Schriftzügen zum Stehen kommt, sind die rund 3.000 Zuschauer völlig aus dem Häuschen: „Raketen-Fritz“ aus Rüsselsheim hat mit 238 km/h einen neuen Geschwindigkeitsstreckenrekord aufgestellt. Mehr noch: Er hat vor einer breiten Öffentlichkeit eindrucksvoll bewiesen, dass der Raketenantrieb leistungsfähig und beherrschbar ist.

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Die Geschichte des Opel RAK 2 reicht in den Herbst 1927 zurück. Nach einem Treffen mit dem österreichischen Publizisten und Astronomen Max Valier (1895-1930) beschließt Fritz von Opel, sich aktiv an dessen Raketenforschungsprojekt zu beteiligen. Der Rennfahrer, Unternehmer und Diplom-Ingenieur bringt neben seinem eigenen Engagement auch die Innovations- und Finanzkraft der renommierten Firma Opel in die Zusammenarbeit ein. Einerseits, weil ihn die Raketentechnik persönlich fasziniert; andererseits, weil er sich von dem visionären Vorhaben positive Impulse für die Marke Opel erhofft. Für die schnelle Umsetzung eines „Raketenmotors“ holt sich von Opel Friedrich Sander (1885-1938) mit an Bord, in dessen Unternehmen Feststoffraketen für Signalzwecke gefertigt werden.

Die Zusammenarbeit von Valier, Sander und von Opel trägt bereits im März 1928 erste Früchte. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit werden die ersten Prototypen mit Raketenantrieb auf der Opel-Testbahn in Rüsselsheim gestartet. Am 11. April erreicht der Opel RAK 1 mit Opel-Ingenieur und -Rennfahrer Kurt Volkhart am Steuer binnen acht Sekunden Tempo 100. Basis dieses bereits mit kleinen seitlichen Flügeln ausgestatteten Wagens ist ein Opel 4/12 PS. Für seinen Antrieb sind im Heck zwölf Sander-Raketen mit rund 40 Kilogramm Sprengstoff montiert. Der Beweis für die Verwendbarkeit der Rakete ist erbracht. Nicht zuletzt durch die riesige Resonanz in der Presse ist sich das Team einig, dass die Versuche mit höheren Geschwindigkeiten fortgesetzt werden sollen. Da die Rüsselsheimer Hausstrecke dafür nicht geeignet ist, fällt die Wahl auf die Avus in Berlin – sie verfügt über zwei lange Geraden.

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Über den Autor

 Steffen Dominsky

Steffen Dominsky

Redakteur »kfz-betrieb«, "bike & busines", "Fahrzeug + Karosserie", stellv. Ressortleiter Service & Technik »kfz-betrieb«, Vogel Communications Group