Opel-Partner: Druck von allen Seiten

Autor: Jens Rehberg

Nach der Opel-Übernahme durch PSA hatten sich alle Beteiligten eigentlich Aufbruchstimmung vorgenommen. Doch die Vertragspartner sind durch die Vielzahl an kleinen und größeren Nachteilen, die sie jetzt schlucken müssen, verunsichert.

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In Niedernhausen bei Wiesbaden kamen am Mittwoch gut 80 Igedos-Mitglieder zusammen.
In Niedernhausen bei Wiesbaden kamen am Mittwoch gut 80 Igedos-Mitglieder zusammen.
(Bild: Rehberg/»kfz-betrieb«)

Die Kostensteigerungen, die der Rüsselsheimer Hersteller seinen Vertragspartnern infolge der PSA-Übernahme per Salamitaktik abverlangt, dämpfen die Stimmung im Netz der Opel-B-Händler und -Servicepartner merklich.

Denn, auch wenn die einzelnen Maßnahmen jede für sich genommen nicht besonders gravierend wirken, treffe die Summe der zahlreichen Verteuerungen, wie zum Beispiel eine zusätzliche 50-Euro-Monatspauschale für IT oder die Preise für technische Informationen beziehungsweise den elektronischen Teilekatalog, die kleinen Opel-Vertragspartner durchaus. „Opel unterscheidet nicht nach Betriebsgröße“, sagte Igedos-Vorstandssprecher Rolf Höschele am Rande der Mitgliederversammlung des Verbands am Mittwoch in Niedernhausen.

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Zwar zeigen die Igedos-Mitglieder durchaus Verständnis dafür, dass der hochdefizitäre Hersteller von seinen Partnern einen Beitrag zur aktuellen Sanierung verlangt. Sie tun sich nur schwer damit, dass den Mehrkosten in den meisten Fällen keinerlei Mehrwert für die Partner gegenübersteht. Da gewinnt eine Ungleichbehandlung an anderer Stelle – die Opel-Servicepartner bekommen im Gegensatz zu den Vertriebspartnern keine Werbekostenzuschüsse – sofort wieder an Brisanz.

Hinzu kommen andere Dinge, die Opel keine Kosteneinsparungen bringen, für die Partner aber relevant sind, wie etwa die Reduzierung einzelner Arbeitswerte bei Inspektionen. Oder das Streichen von Arbeiten aus Inspektionsplänen, wie zum Beispiel der Batteriewechsel der Schlüsselfernbedienung. „Kein großes Ding“, so Höschele, „aber die minutenlangen Erklärungen und Diskussionen mit den Kunden braucht kein Mensch.“ Zumal die Aufregung groß ist, wenn die Batterie dann tatsächlich irgendwann leer ist.

Zum Teil wurden zudem sicherheitsrelevante Prüfungen wie die Scheinwerfereinstellung aus den Vorgaben gestrichen. „Der Kunde erwartet das natürlich im Rahmen der Inspektion ohne Mehrkosten“, betont der Vorstandssprecher. Auch aufgrund solcher praxisfernen Veränderungen von Serviceplänen und Servicezeiten sehen sich die Partner letztlich gezwungen, ihre Stundensätze weiter anzuheben. „Das sehen die Kunden natürlich kritisch“, so Rolf Höschele.

Enttäuscht zeigte sich der Unternehmer zudem über das Schweigen des Herstellers zum Brennpunktthema Diesel-Nachrüstung bei Euro-4- und Euro-5-Motoren. „Wir werden da in der Diskussion mit den Kunden an vorderster Front alleine gelassen.“

Verlust an Planungssicherheit

Im Verkauf stellt der Wegfall des Volumenbonus und die Umgestaltung des Zielerreichungsbonus für die B-Händler des Rüsselsheimer Herstellers nicht zuletzt einen Verlust von Planungssicherheit dar – nach Ansicht von Igedos-Vorstand Heiko Haase kommt die Anpassung des Bonussystems einer „verdeckten Margenkürzung“ gleich. Geht die Strategie von Opel auf, verkaufen die Händler künftig teurere Modelle mit höherwertigerer Ausstattung. Aber eben insgesamt weniger als bislang. „Diese Autos fehlen uns im Verkauf“, sagt Heiko Haase, „und hinterher fehlen sie im Service.“

Im Zusammenhang mit der neuen Opel-Strategie im Vertrieb kritisierte der Händler zudem die neue Marketingpauschale, die mit 50 Euro pro Fahrzeug zu Buche schlägt, und erläuterte in seiner Ansprache im Rahmen der Mitgliederversammlung den anwesenden Handels- und Servicepartnern die Sanktionen des Herstellers, sollten die Gebühren nicht bezahlt werden.

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor im Verkauf ist die beständig anhaltende Diesel-Diskussion in Verbindung mit der bevorstehenden Umstellung auf Seiten des Herstellers in Sachen Euro-6d-Abgasnorm. Die sich gegenseitig verstärkenden Effekte und eine zeitweilig eingeschränkte Verfügbarkeit könnten nach Ansicht von Heiko Haase 2018 noch eine spürbare Kaufzurückhaltung bei den Kunden auslösen.

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