Peugeot 205 Cabrio: Hahn im Korb

Autor / Redakteur: sp-x / Christoph Seyerlein

Mit dem Peugeot 205 Cabriolet gelang den Franzosen gemeinsam mit der italienischen Design-Schmiede Pininfarina ein kleiner Coup. Der Open-Air-Kleinwagen feiert heuer sein 30-jähriges Jubiläum.

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Bügelträger: das Peugeot 205 Cabriolet
Bügelträger: das Peugeot 205 Cabriolet
(Foto: Peugeot)

Die italienischen Cabrio-Spezialisten von Pininfarina präsentierten 1985 mit dem Peugeot 205 Cabriolet den bis heute vielleicht schönsten Entwurf in Körbchenform. Tatsächlich konnte Peugeot von dem preiswerten und nur 3,71 Meter langen Open-Air-Kleinwagen in zehn Jahren rund 72.000 Einheiten absetzen. Mit einem starken Überrollbügel, der Überleben trotz Überschlag garantierten sollte – vor allem aber allzu heftige Verwindungen der ihres Stahldachs beraubten Karosserie verhinderte.

Differenzieren von allen nur um qualitative Perfektion bemühten Freiluftmobilen sollte sich der Peugeot 205 aber auch als Petit Charmeur. Deshalb nahm es dem Gallier nicht einmal die Fachpresse übel, dass er in Vergleichstests im Kapitel Verwindungssteifigkeit durch gelegentliches Ächzen und Stöhnen auf sich hinwies. Ausgleichen konnte dies der Auftritt durch die Designlinien der 205-Limousine mit niedriger Gürtellinie, nach vorn abfallender Motorhaube, zierlichen Dachsäulen und ungewöhnlich großen Fensterflächen.

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Einen regelrechten Sturm emotionaler Zuneigung entfachte der kleine 205 durch seine grandiose Verdeckkonstruktion. Offen gab es keinen gigantisch aufgetürmten Verdeckberg wie etwa bei frühen Golf-Cabrios, der das Freiluftfahrgefühl unangenehm stark einschränkte. Geschlossen wiederum nicht das Problem eines ballonartig aufgeblähten Stoffdachs bei schnellen Autobahnfahrten. Kunden wie Fachkritiker lobten zudem die einfache Verdeckhandhabung: Mit zwei Hebeln am Windschutzrahmen ließ sich das Faltdach entriegeln und anschließend mühelos nach hinten klappen.

Als das 205 Cabrio im Juli 1995 allmählich aus den Preislisten gestrichen wurde, hatte der kleine Henkelmann einen ganzen Club von Bügel-Cabrios um sich geschart: Ob Bitter Rallye Roadster, BMW Baur 3er Top Cabriolets, Fiat Ritmo, Fiat Uno von L&H, Ford Escort, Honda Jazz, Jaguar XJ-SC, Mazda Familia/323, Nissan Micra, Opel Kadett, Rover 200 Series, Seat Ibiza, VW Golf oder Volvo 480, sie alle suchten zeitweise zumindest als Prototyp den Platz an der Sonne.

Mit dem Abgang des Peugeot starb fast die ganze Gattung der Bügelfalter ab Mitte der 1990er Jahre nach und nach aus. Neue Mode machten nun die bügelfreien Vollcabrios und wenig später die Coupé-Cabriolets. Auch hier fuhren die Franzosen immer vorne mit, wovon etwa die Pioniere Renault 19, Peugeot 306 und Peugeot 206 CC berichten können. Aber das ist bereits eine neue Geschichte.

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