Praxistipps für die Reparatur von Mattlacken

Autor / Redakteur: Konrad Wenz / Dipl. Ing. (FH) Konrad Wenz

Matt lackierte Fahrzeuge sind eine Herausforderung für die Lackierwerkstatt. Denn die Oberflächen dürfen nach der Reparatur weder nachgeschliffen noch poliert werden. Das IFL erklärt, wie es geht.

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Mattlacke erfordern ein sehr genaues Arbeiten - Nacharbeiten sind nicht möglich. (Standox)
Mattlacke erfordern ein sehr genaues Arbeiten - Nacharbeiten sind nicht möglich. (Standox)

Das Institut für Fahrzeuglackierung (IFL) hat in Zusammenarbeit mit weiteren Gremien ein Merkblatt für die Reparatur von Mattlacken herausgegeben. Problematisch an dem modischen Werkstoff ist, dass bereits kleinste Abweichungen im Mischungsverhältnis von Härter, Klarlack und Verdünnung zu Abweichungen im Mattierungsgrad führen.

Eine weitere Eigenschaft von Mattlacken erschwert die Lackierung und vor allem ihre Reparatur. Denn was bei glänzenden Klarlacken gang und gäbe ist, verbietet sich beim Mattlack-Finish: Er kann weder nachgeschliffen noch poliert werden.

Die Lackierer sollten daher auf den Einsatz eines Messstabs verzichten und die benötigten Mengen für eine Ganz- oder Teillackierung stattdessen über die Waage ausmischen. Für diesen Einsatz hat Standox das Produkt-Mix-Tool in der Farbton-Suchsoftware Standowin entwickelt, das ein exaktes Einwiegen zulässt. Die hundertprozentige Genauigkeit ist auch zur Dokumentation und eventuell bei einem späteren Nachstellen wichtig.

Micro-Repair ist nicht mehr möglich

Mattlacke lassen weder das Austupfen winziger Steinschläge auf der Motorhaube noch das Auspolieren kleinster Kratzer an einer Fahrzeugseite oder von Fingernagelspuren in den Griffmulden zu. Das Ergebnis wären jeweils mehr oder weniger glänzende Punkte und Streifen – optische Mängel auf einer sonst gleichmäßig matten Oberfläche.

Auch Micro-Repair und Beilackieren funktionieren nicht; sie würden ebenfalls zu einer Beeinträchtigung der Gesamtoptik führen. Um das zu vermeiden, wird daher regelmäßig das komplette Teil lackiert. Je nachdem, wo sich der Schaden am Wagen befindet, kann es sogar angebracht sein, eine komplette Partie, also zum Beispiel eine Fahrzeugseite, neu zu lackieren.

Die Reparaturlackierung matter Oberflächen ist sowohl zeitlich als auch vom Materialbedarf her aufwendiger als die glänzender Oberflächen. Doch mit einer guten Vorbereitung, der nötigen Sorgfalt bei der Arbeit und den richtigen Produkten lassen sich einwandfreie Ergebnisse erzielen. Das Institut für Fahrzeuglackierung (IFL) hat in Zusammenarbeit mit weiteren Gremien hierzu ein entsprechendes Merkblatt für die Reparatur von Mattlacken herausgegeben.

Alle Parameter erfassen und berücksichtigen

Bereits vor dem Lackieren sollte bedacht werden, dass unterschiedliche Schichtdicken Auswirkungen auf das Erscheinungsbild des getrockneten Lackfilms haben und das Applizieren den Gegebenheiten angepasst werden muss. Zwei „normale“ Spritzgänge sehen nach dem Trocknen unter Umständen anders aus als zwei „satte“. Korrektes Ablüften ist ebenso wichtig. Wer Glanznester vermeiden will, sollte die Zwischen- und Endablüft-Zeiten aus dem technischen Merkblatt präzise einhalten.

Selbst die Art und Weise der Trocknung spielt bei der Reparatur matter Klarlacke eine Rolle. Ob Luft- oder forcierte Ofentrocknung – beides hat Einfluss auf den Glanzgrad. Im Ofen getrocknete Lackierungen fallen leicht glänzender aus als luftgetrocknete. Auf IR-Trocknung sollte gänzlich verzichtet werden.

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