Suchen

Presse: Volkswagen-Chef Diess stand kurz vor dem Rauswurf

| Autor: Christoph Seyerlein

Offiziell gibt Volkswagen-Chef Diess die Hauptverantwortung der Kernmarke VW Pkw an Ralf Brandstätter ab, um mehr Freiraum für seine Aufgaben als Konzernchef zu haben. Hinter den Kulissen wurde die Luft für den 61-Jährigen aber offenbar noch wesentlich dünner.

Firmen zum Thema

Volkswagen-Chef Herbert Diess ist ab Juli nicht mehr Chef der Kernmarke VW Pkw.
Volkswagen-Chef Herbert Diess ist ab Juli nicht mehr Chef der Kernmarke VW Pkw.
(Bild: Volkswagen)

Am Montagabend hatte Volkswagen verkündet, dass Herbert Diess den Posten als CEO der Kernmarke VW Pkw an Ralf Brandstätter abtritt. Hinter den Kulissen ging es aber offenbar weit hitziger zu, als es diese Meldung allein vermuten lässt. Laut dem „Handelsblatt“ diskutierte der Aufsichtsrat von Volkswagen in seiner außerordentlichen Sitzung am Montag gar den Rauswurf von Diess.

Hintergrund soll dem Bericht zufolge nicht nur die aktuelle Misere um den mittlerweile wieder aufgehobenen Lieferstopp des neuen Golf und einem als rassistisch kritisierten Werbespot gewesen sein. Einige Mitglieder des Kontrollgremiums soll Diess vor allem mit einem Auftritt vor rund 3.400 Managern aus dem Konzern gegen sich aufgebracht haben.

Dort soll der Konzernchef konkret das Aufsichtsratspräsidium beschuldigt haben, Firmeninterna an Medien durchgestochen zu haben. „Das sind Straftaten, die im Aufsichtsratspräsidium passiert und dort offensichtlich zugeordnet werden können“, sagte Diess laut „Handelsblatt“. Die Zeitung beruft sich dabei auf mehrere Teilnehmer der Management-Konferenz.

VW-Sprecher: Diess entschuldigte sich für seine Aussagen

Das Spitzen-Gremium des Volkswagen-Aufsichtsrates bilden neben dem Vorsitzenden Hans Dieter Pötsch noch Wolfgang Porsche, Stephan Weil, Jörg Hofmann, Bernd Osterloh und Peter Mosch. Sie sollen bereits am Donnerstag, also unmittelbar nach den Aussagen des Managers, eilig zusammengekommen sein. Einige Mitglieder hätten direkt den Rauswurf von Diess bevorzugt. Offenbar kam es aus formalen Bedenken aber nicht dazu.

Dass Herbert Diess nun die Hauptverantwortung für die Kernmarke des Autobauers abtreten muss, begründet der Hersteller selbst mit „mehr Freiraum“, die er dadurch „für seine Aufgaben als Konzernchef“ habe. Laut „Handelsblatt“ ist der eigentliche Grund aber Diess' Affront gegenüber dem Aufsichtsrat. Laut einem VW-Sprecher hat sich der 61-Jährige inzwischen für seine Äußerungen beim Präsidium entschuldigt.

Porsche/Piëch: Zuspruch und Ermahnung für Diess

Die Familien Porsche und Piëch stellten sich am Dienstag derweil hinter Diess. Zugleich mahnten sie aber, die Baustellen bei dem Autohersteller müssten nun dringend beseitigt werden. „Herr Diess hat sich in aller Form entschuldigt, er hat dabei den gesamten Aufsichtsrat adressiert“, hieß es von den Mehrheitseignern von Volkswagen. „Die Kapitalseite steht weiter hinter ihm.“ Allerdings sei es höchste Zeit, zur Sacharbeit zurückzukehren. „Klar ist auch: Das Unternehmen muss jetzt in ruhigeres Fahrwasser kommen.“

Auch der gesamte Aufsichtsrat meldete sich am Dienstag zu Wort. „Dr. Diess hat sich in aller Form bei den Mitgliedern des Aufsichtsrates für die Äußerungen entschuldigt und erklärt, dass diese unangemessen und falsch waren“, hieß es in einer Mitteilung. „Die Mitglieder des Aufsichtsrates haben die Entschuldigung von Dr. Diess angenommen und werden ihn auch künftig bei seiner Arbeit unterstützen.“

(ID:46639199)

Über den Autor