Suchen

VW-Vertriebsvorstand unter Druck: Skandal-Werbespot erschien zuerst in Stackmanns Namen

| Autor / Redakteur: dpa/cs / Christoph Seyerlein

VW wird wegen eines Online-Werbespots Rassismus vorgeworfen. Nun stellte sich heraus: Das Video war bereits elf Tage früher für kurze Zeit auf dem Twitter-Account von VW-Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann zu sehen.

Firmen zum Thema

VW-Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann muss sich erklären.
VW-Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann muss sich erklären.
(Bild: Volkswagen)

VW-Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann gerät wegen des als rassistisch kritisierten Werbespots zum Golf 8 unter Druck. Wie der „Spiegel“ am Dienstag berichtete, war das Video bereits elf Tage vor der Veröffentlichung bei Instagram auf dem offiziellen Twitter-Account von Stackmann erschienen und nach erster Kritik wieder gelöscht worden.

Nachdem die Verbreitung über eine Instagram-Story eines offiziellen Volkswagen-Kanals für breitere Empörung sorgte, hatte Stackmann von einem „rassistischen Werbevideo“, das jeden anständigen Menschen beleidige, gesprochen. Ergebnisse und Konsequenzen der Untersuchung würden öffentlich gemacht, kündigte er an.

Nun wird Stackmann allerdings erklären müssen, warum Volkswagen das Video nach der Veröffentlichung über seinen Twitter-Account nicht komplett gelöscht hat. Versehen war der Post mit der Zeile: „Now if that's not Magic, what is?“ („Wenn das keine Magie ist, was dann?“). Ein Twitter-User kommentierte: „Maybe it's racism“ („Vielleicht ist es Rassismus“). Bereits zu diesem Zeitpunkt hätte Volkswagen also gewarnt sein müssen.

Stackmanns Social-Media-Auftritte gelten als professionell gemanagt. Der Vertriebsvorstand hat dafür ein eigenes Team. Ein VW-Sprecher sagte dem Spiegel: „Über den Hinweis und die Löschung des von der Fachabteilung freigegebenen Videos war Herr Stackmann nicht informiert worden.“

Für Stackmann gilt die Unschuldsvermutung

Der Betriebsrat von Volkswagen hat nun eine schnelle Antwort des Konzerns gefordert. „Im Fall des VW-Werbeclips wird es ein erster wichtiger Schritt sein, rasch unsere interne Aufklärungsarbeit sichtbar werden zu lassen“, teilte die Mitarbeitervertretung am Dienstag auf Anfrage der dpa mit. Ein für Ende dieser Woche angekündigtes erstes Ergebnis der Aufklärung müsse nun auch kommen.

Vor vorschnellen Schlüssen warnte der Betriebsrat aber und betonte, dass für Stackmann die Unschuldsvermutung gelte. Unabhängig davon drohe dem Unternehmen jetzt aus kommunikativer Sicht einmal mehr eine Situation von höchster Trag- und Reichweite. VW teilte mit, bei der Untersuchung werde der komplette Zeitraum betrachtet. Dazu gehöre auch der Tweet am 8. Mai auf dem Account von Stackmann.

Nach heftiger Kritik an dem Werbespot für den neuen Golf hatte sich VW Ende Mai entschuldigt. Auch diese Reaktion blieb allerdings nicht frei von Ärger. Die kurze Sequenz, die starke Reaktionen in den sozialen Netzwerken auslöste, zeigt unter anderem einen schwarzen Mann, der von einer riesigen weißen Hand durchs Bild geschoben und anschließend in den Eingang eines Hauses geschnippt wird.

Folgen personelle Konsequenzen?

Einem Bericht der Fachzeitschrift Auto Motor und Sport zufolge dürfte das Video auch personelle Konsequenzen nach sich ziehen: Demnach steht Marketingchef Jochen Sengpiehl vor dem Rauswurf. Auch auf Vorstandsebene soll es nach AMS-Informationen Veränderungen geben. Offenbar will Konzernchef Herbert Diess Porsche-CEO Oliver Blume als VW-Markenchef installieren. Ob auch Jürgen Stackmann um seinen Job bangen muss, ist nicht bekannt.

(ID:46628467)