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Reintges hat sich virtuell neu aufgestellt

| Autor / Redakteur: Julia Mauritz / Julia Mauritz

Der Essener Ford- und Kia-Betrieb hat seine Internetstrategie auf komplett neue Beine gestellt und eine wichtige Erkenntnis gezogen: Wirklich abgeschlossen ist das Projekt nie. Die Online-Initiative brachte Reintges den siebten Platz des Internet Sales Awards ein.

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Das Autohaus Reintges überzeugt mit einer schlüssigen Internetstrategie.
Das Autohaus Reintges überzeugt mit einer schlüssigen Internetstrategie.
(Bild: Mauritz)

Es war ausgerechnet ein Artikel in der Zeitschrift »kfz-betrieb«, der Klaus Reintges im März dazu bewog, seine komplette Onlinestrategie auf den Prüfstand zu stellen. Dort ging es um die zahlreichen Baustellen, die der Handel noch beim Thema Internet hat. „Wir haben schon immer eine Menge im Internet gemacht. Aber nach der Lektüre des Artikels habe ich viele neue Erkenntnisse gewonnen, die mich dazu bewogen haben, einige Dinge kritisch zu hinterfragen“, schildert der Geschäftsführer des Essener Ford- und Kia-Autohauses Reintges.

Der Zeitplan, den sich der Unternehmer dafür gesetzt hatte, war äußerst straff: In gerade einmal drei Monaten, zum Zeitpunkt des Bewerbungsschlusses für den Internet Sales Award, sollte das meiste unter Dach und Fach sein. Dass dabei kaum ein Stein auf dem anderen bleiben würde, war Klaus Reintges zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst. Dass eine neue Webseite alleine nicht genügen würde, schon.

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Eine der ersten Entscheidungen von Klaus Reintges war, sich von seiner langjährigen, printlastigen Werbeagentur zu trennen. Nach dem Wechsel zu der lokalen Marketing, IT- und Eventagentur Planetlan folgten weitere strukturelle Veränderungen: Reintges traf den Entschluss, die Verantwortlichkeiten für den Onlinebereich auf mehrere Schultern zu verteilen. So leistet sich das Autohaus jetzt beispielsweise einen eigenen Mediengestalter für alle Printsachen und Onlineaktivitäten.

Zudem hat Reintges für die Facebook-Auftritte seiner zwei Betriebe, das Essener Autohaus Reintges und das Gladbecker Autohaus Wagner, zwei Verantwortliche bestimmt: Der Kia-Verkäufer Michael Martinez hat den Hut für die Aktivitäten der Essener Zentrale auf, während der Ford-Verkaufsberater und Ford-Performance-Spezialist Volkan Cetin die Facebook-Seite des Autohauses Wagner mit Inhalten füllt.

Mitarbeiter erstellen Inhalte

Das Herzstück seiner Internetstrategie, die beiden Webseiten www.reintges.de sowie www.wagner-gladbeck.de hat das Autohaus von Planetlan grundlegend im Responsive Design überarbeiten lassen. Die Inhalte beider suchmaschinenoptimierten Webauftritte sind anders als früher identisch. Lediglich das Branding unterscheidet sich.

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Die Inhalte werden nicht wie früher extern erstellt, sondern von eigenen Mitarbeitern. Möglich macht das ein Content-Management-System namens Intelligent CMS – eine Eigenentwicklung von Planetlan.

Im Kern dient die Webseite als Vertriebskanal für die Fahrzeugangebote von Reintges. Folglich ist auch die Fahrzeugsuche, die über verschiedene Filterfunktionen verfügt, auf der Webseite am prominentesten platziert. Dazu bewirbt der Betrieb immer einen „Bestseller“ – einen preislichen besonderen Neuwagen. Nicht minder prominent platziert sind die Kontaktmöglichkeiten zum Autohaus: Egal wo sich der User auf der Seite bewegt, bekommt er immer die drei Icons „Verkaufsberatung, Service und Kontaktformular“ eingeblendet.

Anders als ein Großteil seiner Händlerkollegen hat das Autohaus Reintges darauf verzichtet, dass die User beim Klick auf die beiden Logos von Ford und Kia auf den Herstellerwebseiten landen. „Wir möchten die User so lange wie möglich auf unserer Seite behalten“, erklärt Reintges.

Instagram statt Twitter

Eine Stärke des Essener Autohauses sind seine originellen Marketingideen und Events. Viele Konzepte stammen aus der Feder des externen Marketingspezialisten und Journalisten Jöran Steinsiek. Ein wesentlicher Teil der Internetstrategie von Reintges ist es daher auch, über die sozialen Medien die Aufmerksamkeit und Reichweite seiner Aktionen zu steigern – ohne sich dabei zu verzetteln. „Man muss wirklich genau analysieren, mit welchen Kanälen man arbeitet“, rät Jöran Steinsiek. Einfach die Facebook-Posts über Twitter zu verbreiten, wie es das Autohaus lange Zeit praktiziert habe, sei der falsche Weg.

Auf Twitter verzichtet Reintges inzwischen ganz. Dafür hat er die Fotoplattform Instagram für sich entdeckt. „Die Plattform ist im Kommen, und schöne Autos liefern nun einmal schöne Fotos“, schmunzelt er. Die beiden Plattformen Xing und Linkedin nutzt Reintges, um sich mit Geschäftspartnern zu vernetzen. Auch Ebay ist im Nutzfahrzeuggeschäft als Kanal gesetzt. In Summe bespielt das Autohaus stolze zwölf Onlineplattformen.

Nach drei Monaten intensiver Beschäftigung mit dem Internet hat Klaus Reintges für sich einige wichtige Erkenntnisse gezogen. „Früher haben wir alle zwei Jahre unsere Internetstrategie überarbeitet – inzwischen muss man sie ständig hinterfragen. Man könnte auch von einem dynamischen Lernprozess sprechen, der nur gelingt, wenn man seine Mitarbeiter mitnimmt“, bemerkt der Geschäftsführer und fügt hinzu: „Wir haben aufgrund der enormen Komplexität zwar nicht das geschafft, was wir uns vorgenommen hatten. Aber wir sind auf einem guten Weg. Internet ist ein Abenteuer, und als Geschäftsführer muss man bereit sein, die Zügel ab uns an auch loszulassen.“

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