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Renault: Marge statt Menge im Elektrozeitalter

| Autor / Redakteur: sp-x/Andreas Grimm / Andreas Grimm

Renault erfindet sich unter seinem Präsidenten Luca de Meo neu. Drei Monate nach Amtsantritt verkündet er eine Abkehr von der Stückzahlenjagd. Für die Modellpolitik heißt das mehr Emotion und mehr Elektro – auch für die Marke Dacia.

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Renault-Chef Luca de Meo stellte am Donnerstagabend in Paris unter anderem die E-Studie Mégane E-Vision vor.
Renault-Chef Luca de Meo stellte am Donnerstagabend in Paris unter anderem die E-Studie Mégane E-Vision vor.
(Bild: Renault)

Renault-Chef Luca de Meo will das Profil des Autobauers als vollwertigen Konkurrenten von Volkswagen schärfen. Mit den kommenden Elektromodellen will er in der Kompakt- und Mittelklasse angreifen und Renault selbstbewusst platzieren. „Renault darf nirgendwo eine Marke des Einstiegspreises sein, sondern gehört in die Mitte des Marktes“, sagte er bei der Vorstellung der künftigen Elektromodelle von Renault und Dacia am Donnerstagabend in Paris. Damit verbunden ist eine neue Generation an Fahrzeugen und vor allem das Gebot von „Marge statt Menge“, heißt es in einem Bericht des „Handelsblatts“. Mit der Modellvorstellung konkretisiert Renault zugleich die im Frühjahr vorgestellte Eways-Strategie, mit der der Autobauer bis 2050 CO2-neutral werden will.

Zur Einstellung von Modellen, worüber vor einigen Monaten zu seinem Amtsantritt spekuliert worden war, äußerte sich de Meo am Donnerstag nicht. Sein Auftritt gehörte dem Aufbruch. Doch wurde deutlich, dass Dacia generell nach vorne gebracht werden soll, weg vom Billigimage. Gleichwohl soll mit Dacia weiterhin ein günstiger Einstieg in die Mobilität gelingen – mit dem neuen Modell Spring auch in die E-Mobilität. Und der Performance-Ableger Alpine, den Branchenbeobachter als Streichkandidat gehandelt hatten, soll nach dem angekündigten Formel-1-Einstieg nun für Emotion sorgen: „Alpine kann Renault insgesamt nach oben ziehen“, zitiert das „Handelsblatt“ de Meo.

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Nach dem unrühmlichen Abgang seines Vorgängers Carlos Ghosn ist der Autobauer tief in die Krise gerutscht, im ersten Halbjahr schrieb Renault einen Verlust von mehr als sieben Milliarden Euro. Die Sanierung sei in vollem Gang, versicherte de Meo. „Vor einigen Wochen haben wir unseren Weg begonnen.“

Dieser Weg soll die Franzosen mitten ins Elektrozeitalter führen. Renault plant eine ganze Reihe von Micro-, Voll- und Plug-in-Hybridmodellen im Kleinwagen- und Kompaktsegment. Zudem wird die Tochtermarke Dacia mit dem Spring Electric ihr Angebot um ein erstes rein batterieelektrisches Modell ergänzen. Und auf Basis der nun vorgestellten Studie Mégane E-Vision soll bereits 2021 eine neue Elektrofahrzeug-Generation an den Start gehen, die gegen die E-Modelle des Volkswagenkonzerns antreten (ID 3, ID 4, Skoda Enyaq, Cupra El-Born).

E-Plattform für Renault-Modellfamilie

So wie die E-Modelle im Volkswagenkonzern auf dem Modularen Elektro-Baukasten (MEB) entwickelt werden, wird Renault künftig die modulare CMF-EV-Plattform nutzen, auf der nun die Mégane-Studie steht. Das mit 4,2 Meter Länge kompakt dimensionierte Fahrzeug, das Elemente von SUV und Schrägheckmodell in sich vereint, beherbergt unter seiner ausdrucksstarken Außenoptik eine neue E-Antriebsgeneration. Die Botschaft, die von der Studie ausgehen soll, formulierte de Meo bei der Vorstellung gleich selbst: „Ich bin sicher, dass wir ein starkes Angebot im C-Segment haben werden.“

Der Mégane E-Vision setzt unter anderem auf einen 160 kW/217 PS starken Asynchronmotor, der das 1.650 Kilogramm schwere Konzeptauto in unter 8 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h beschleunigen soll. Die 60 kW große Batterie wird dank besonders schlanker Zellen sehr kompakt bauen, das Akkugehäuse ist zudem integraler Bestandteil der Fahrzeugstruktur. Außerdem gibt es ein neuartiges Thermomanagement der wassergekühlten Batterie, die eine Schnellladung mit bis zu 22 kW Wechsel- oder alternativ mit 130 kW Gleichstrom ermöglichen soll.

Innerhalb von 30 Minuten soll sich so Strom für 200 Kilometer nachladen lassen. Bereits kommendes Jahr wollen die Franzosen ein elektrisches Kompaktmodell mit entsprechender Technik auf den Markt bringen. Der Mégane E-Vision soll bereits zu 95 Prozent dem Serienmodell entsprechen. Die Serienversion startet zunächst mit 450 Kilometern Reichweite, noch reichweitenstärkere Varianten folgen. Zudem plant Renault auf der kompakten Allianz-Elektroplattform eine ganze Modellfamilie.

Verschärfte Hybridisierung

Erste Schritte in diese Richtung hatte Renault bereits im Frühjahr 2020 mit der Hybrid-Offensive gesetzt. Den Auftakt markierte der Clio E-Tech 140 mit einem 103 kW/140 PS Vollhybrid-Strang. Diesen will Renault kommendes Jahr auch als Antriebsoption für die SUV-Baureihen Captur und Arkana anbieten. Ebenfalls schon in diesem Jahr frisch eingeführt wurde der Plug-in-Hybridantrieb E-Tech 160. Hier teilen sich ein 1,6-Liter-Benziner und zwei Elektromotoren die Antriebsarbeit, gemeinsam kommen sie auf 116 kW/158 PS.

Dank einer 9,8-kWh-Batterie erlaubt das Motorentrio auch rein elektrisches Fahren bis zu 135 km/h schnell und 50 Kilometer weit. Verfügbar ist diese Antriebsversion bereits für Captur und den Mégane Grandtour, kommendes Jahr soll auch der fünftürige Mégane als PHEV bestellbar sein. Schließlich werden 2021 die Benziner TCe 140 und 160 in den Baureihen Captur und Arkana mit effizienzsteigernder Micro-Hybridtechnik aufgerüstet.

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