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Repro-Windschutzscheiben: Den Sensoren droht schlechte Sicht

| Autor: Jan Rosenow

Nachbauteile können minimale optische und maßliche Abweichungen aufweisen und damit die Frontkamera stören, warnt der Glashersteller Saint Gobain. Das Unternehmen erklärt, wie man solche Scheiben erkennt.

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Diese Bildercollage zeigt mögliche Fehler an Windschutzscheiben. Oben: nicht dauerhafter Dekordruck; Mitte: Optikfehler; unten: nicht maßhaltige Anbauteile oder Drucke.
Diese Bildercollage zeigt mögliche Fehler an Windschutzscheiben. Oben: nicht dauerhafter Dekordruck; Mitte: Optikfehler; unten: nicht maßhaltige Anbauteile oder Drucke.
(Bild: Saint-Gobain)

Der Designschutz für sichtbare Karosserieersatzteile steht nun wohl endgültig vor dem Aus. Am 15. Mai 2019 hat die Bundesregierung den Entwurf des Gesetzes zur Stärkung des fairen Wettbewerbs beschlossen. Damit sollen in die Karosserie integrierte Ersatzteile durch Einführung einer Reparaturklausel künftig vom Designschutz ausgenommen werden. Der Entwurf muss nun noch im Bundestag Gesetzeskraft erlangen.

Designschutz bedeutet, dass die Autohersteller die Rechte an den entsprechenden Teilen halten und alternative Anbieter keine nachgefertigten Ersatzteile auf den Markt bringen dürfen. Das Gesetz sorgt zum einen für eine hohe Qualität und Passgenauigkeit der Ersatzteile, verhindert aber gleichzeitig das Inverkehrbringen billigerer Alternativen.

Eine Produktgruppe, für die der Designschutz gilt, sind Windschutzscheiben. Der Zulieferer Saint-Gobain, einer der größten Lieferanten von Autoglas weltweit, erklärt nun kurz vor dem Inkrafttreten des oben genannten Gesetzes die Vorteile der Originalscheiben gegenüber nachproduzierten Exemplaren. Das Unternehmen liefert Ersatzteile für viele Fahrzeugmodelle in den freien Markt, die sich nur durch das fehlende Logo des Autoherstellers von den Originalen unterscheiden.

Fünf Fehlerquellen bei Nachbauscheiben

Die Fahrzeugverglasung dient längst nicht mehr nur dazu, Wind und Regen von den Fahrzeuginsassen fernzuhalten, sondern stellt auch die Karosseriesteifigkeit eines Autos sicher und trägt Sensoren für Fahrerassistenzsysteme. Um diese Aufgaben erfüllen zu können, müssen Ersatzteile genau nach den Spezifikationen des Autoherstellers produziert werden. Nachbauscheiben hingegen können sich in vielen Kriterien vom Original unterscheiden und dadurch nicht nur optische, sondern auch funktionale Einschränkungen aufweisen. Saint-Gobain weist auf folgende mögliche Fehler hin:

  • Abweichende Scheibengeometrie: Wird die Wölbung der Windschutzscheibe nicht nach Vorgabe produziert, (zu flach oder zu stark gekrümmt) folgen die Scheibenwischer der Kontur nicht wie vorgegeben. Es können störende Geräusche und Wasser- bzw. Schmutzablagerungen entstehen. Außerdem droht erhöhter Wischblattverschleiß.
  • Fehlerhafter Dekordruck: Alle Windschutzscheiben haben einen eingebrannten Emaille-Druck, der für ein bündiges Design sorgt und die Verklebung an der Karosse vor UV-Strahlung schützt. Bei Imitaten ist die Bedruckung teilweise nicht bis zum Scheibenrand ausgeführt, oder sie lässt sich leicht entfernen.
  • Falsche Anbauteile: Sensorhalteplatten, Dichtungslippen und Unterrahmen sind funktionale Bestandteile der Windschutzscheibe. Entsprechen diese nicht der Originalgeometrie, kann es zu akustischen Störungen, Undichtigkeiten und weiteren Funktionsausfällen kommen.
  • Gewicht und Scheibenaufbau: Fast alle europäischen Fahrzeughersteller schreiben einen asymmetrischen Aufbau für Windschutzscheiben vor: Die äußere Scheibe ist 2,1 und die innere 1,6 Millimeter dick. Nicht konforme Scheiben weisen mitunter 2,1/2,1 mm Dicke auf, sind somit bis zu zwei Kilogramm schwerer und weniger elastisch.
  • Veränderte Glasoptik: Die optischen Eigenschaften des Glases sind Voraussetzung für das exakte „Sehen“ der Frontkameras. Hierzu hat Saint-Gobain mit den Fahrzeugherstellern Messsysteme entwickelt, um im Produktionsprozess die dazugehörigen Spezifikationen einzuhalten. Nur mit genauer Kenntnis der Optiktoleranz-Vorgaben kann der Autoglashersteller OE-Qualität darstellen. Eine Abweichung kann die Sensorik der Kamera beeinträchtigen.

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Über den Autor

 Jan Rosenow

Jan Rosenow

Ressortleiter Service & Technik, Vogel Communications Group