Scheuer: Deutsche Hersteller bauen die falschen Autos

Autor: Christoph Seyerlein

Nach der Kritik von Volkswagen-Chef Herbert Diess, die Politik tue zu wenig für die Autoindustrie, hat Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer im Bundestag zurückgeschossen. Im Hinblick auf immer mehr Diesel-Fahrverbote kritisierte der Politiker zudem Länder und Kommunen.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer kritisiert Autoindustrie und Kommunen.
Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer kritisiert Autoindustrie und Kommunen.
(Bild: Deutscher Bundestag / Achim Melde)

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hat sich am Dienstag vor dem Deutschen Bundestag gegen Kritik an seinem Management der Dieselkrise gewehrt. In seiner Rede im Rahmen der Haushaltsdebatte holte der Politiker zum Rundumschlag gegen die Autoindustrie aber auch die Länder und Kommunen aus.

Im Hinblick auf die immer öfter verhängten Diesel-Fahrverbote sagte Scheuer: „Kommunen, die tatenlos mit ansehen, dass ihre Messstellen überhaupt nicht aussagekräftige Werte ermitteln, sind mit Schuld an den Fahrverboten. Land und Kommunen sind mitverantwortlich, wenn sie vor Gericht einen veralteten Luftreinhalteplan vorlegen.“ Zugleich kündigte Scheuer an, noch in diesem Jahr die technischen und rechtlichen Vorgaben für eine Hardware-Nachrüstung von Diesel-Fahrzeugen vorlegen zu wollen.

Auch auf die jüngsten Aussagen von Volkswagen-Chef Herbert Diess, der kürzlich mangelnde Unterstützung der Autoindustrie seitens der Politik beklagt hatte, reagiert der Minister. „5,2 Milliarden Euro – mit diesem Beitrag hat die Bundesregierung seit 2009 die Elektromobilität gefördert“, erklärte Scheuer und legte direkt noch einmal gegen Diess nach. „Wer die Politik auffordert, eine Agenda für die Zukunft des Automobils zu entwickeln, muss selbst zeigen, was er drauf hat. Mit einer Förderung von 5,2 Milliarden sollte man in der Lage sein, Endprodukte zu entwickeln, die bezahlbar sind und die Käufer überzeugen.“

Auch bei Nutzfahrzeugen und Bussen könne er aktuell kaum passende Modelle der deutschen Hersteller finden. „Wenn ich mich draußen umsehe, dann brauchen wir unbedingt solche Fahrzeuge, aber nur, sie stammen momentan leider zu wenig von deutschen Herstellern.“

Entscheidend ist, was auf die Straße kommt

Einmal in Rage hatte Scheuer noch einen weiteren Aufruf an die Hersteller im Gepäck. „Mein dringender Appell an die Autoindustrie: Es geht nicht darum, auf Autoshows immer wieder neue, auf Hochglanz polierte Modellwagen unter einem Tuch hervorzuzaubern – sondern darum, was Sie am Ende auf die Straße bringen. Wer nur von den Herausforderungen der Zukunft redet, aber nicht die Produkte der Zukunft schnell in die Läden bringt, läuft Gefahr, den Weltmeistertitel im Autobau zu verlieren.“

Ähnlich hatte sich zuletzt bereits Wirtschaftsminister Peter Altmaier geäußert. „Ich frage mich wirklich, wann Sie in der Lage sein werden, ein Elektroauto zu bauen, das nur halb so sexy ist wie ein Tesla“, hatte der CDU-Politiker mit Blick auf die deutschen Autobauer gesagt.

Allerdings kam auch Scheuer am Dienstag nicht ungeschoren davon. Kritik gab es beispielsweise von Cem Özdemir. „Wenn pro Jahr mehr als 7 Milliarden Euro allein für die Subvention von Diesel draufgehen, werden 5,2 Milliarden Euro über 10 Jahre schnell zum Scheinriesen. Lieber Andreas Scheuer, versuchen Sie es doch mal mit Verkehrswende! Investieren in Rad, Bus, Bahn und klimafreundliche Mobilität“, schrieb der Grünen-Politiker bei Twitter.

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Entwicklungsredakteur