Scheunenfunde: Moderne Schatzsuche

Autor / Redakteur: sp-x / Andreas Wehner

Oldtimer-Experten haben in Frankreich ein Anwesen voller vor sich hin rottender Klassiker gefunden. War das wirklich Zufall? Und wie wird man selbst zum Scheunenfund-Entdecker?

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Manchmal finden sich ungeahnte Schätze in alten Scheunen und Hallen.
Manchmal finden sich ungeahnte Schätze in alten Scheunen und Hallen.
(Foto: Artcurial)

Es ist ein Fund, von dem Schatzsucher träumen. Ein herrschaftliches, etwas angejahrtes Anwesen in West-Frankreich, auf der Rückseite, wo ehemals ein Park gewesen sein mag, Holz-Unterstände, teils mit Ziegeln, teils nur mit Wellblech abgedeckt, darunter geparkt: dutzende Autos aus dem vergangenen Jahrhundert.

Efeu in den Fenstern, Spinnenweben an den Spiegeln, auf ausladenden Kotflügeln vom Rost aufgeworfener, abgeblätterter Lack, Frontscheiben blind vor Grünspan, Moos auf Motorhauben, die schmalen Reifen platt, Verdeck-Konstruktionen, an der der Stoff in Fetzen hängt. Und davon träumen Schatzsucher?

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Ja! Denn die Oldtimer-Sammlung mit rund 60 Fahrzeugen enthält legendäre Marken wie Bugatti, Hispano-Suiza, Talbot-Lago, Panhard-Levassor, Maserati, Ferrari und Delahaye. Und verschollene Exemplare, wie den Ferrari, der einst Alain Delon gehörte, und den die Entdecker in einer Garage unter einem Stapel Zeitschriften fanden – passenderweise alles alte Oldtimer-Magazine.

Zwei Experten des französischen Auktionshauses Artcurial haben den sensationellen Scheunenfund gemacht, Anfang Februar werden die Schmuckstücke über ihr Haus versteigert. Kann das Zufall sein?

Automobilhistorische Trüffelschweine

Darüber gestolpert sind die Experten der historischen Kulturgüter tatsächlich nicht. Vom Auktionshaus heißt es, ihr Automobil-Spezialist habe einen Tipp bekommen. „Es gibt diese Tippgeber, sozusagen automobilhistorische Trüffelschweine“, erklärt Frank Wilke, Geschäftsführer des Marktanalysten Classic-Analytics. Es sind Oldtimer-Fans, in der Szene gut vernetzt, in Clubs wie dem Schnauferl-Club, dem ältesten deutschen Oldtimer-Club, aktiv, auf der Mille Miglia oder den Concours d’Elegance in Villa d’Este oder Pebble Beach zu Hause. Auch bei der Baillon-Sammlung soll es zuvor Gerüchte gegeben haben, dass in West-Frankreich ein Schatz schlummert. Die Entdeckung mag inklusive des Medienhypes geschickt eingefädelt sein – die Oldtimer sind allerdings echt.

Transport-Unternehmer Roger Baillon hatte die Sammlung in den 1950er Jahren begonnen. Der Autofan wollte ein Museum schaffen, dafür hatte er das Anwesen gekauft. Ein Sammler, der seiner Zeit voraus war, waren doch Vorkriegsmodelle nicht immer so begehrt wie heute. „Baillon rettete viele der Autos vor dem Schrottplatz“, so Pierre Novikoff, Automobil-Experte bei Artcurial. In den 1970ern ging es mit dem Transportunternehmen bergab, Baillon musste Autos verkaufen. „Man dachte wohl, er hätte damals alles verkauft, so wurde die Sammlung vergessen“, spekuliert der Mitentdecker.

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