Schragl motiviert Mitarbeiter mit neuen Kompetenzen

Autor / Redakteur: Steffen Dominsky / Steffen Dominsky

Eines Tages stand der Service im Autohaus Schragl an der Wand – man hatte ihn dagegen gefahren. Dann kam die Familie Heiß zum Zug. Sie übernahm das Unternehmen, ließ keinen Stein auf dem anderen und erreichte damit Platz acht beim Service Award.

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Schragl in Mindelheim ist einer der Top-Ten-Betriebe des Service Awards 2017.
Schragl in Mindelheim ist einer der Top-Ten-Betriebe des Service Awards 2017.
(Bild: Rosenow/»kfz-betrieb«)

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“, heißt es. Im Fall von Wirtschaftsunternehmen könnte man sagen: „Ein paar Zahlen sagen mehr als tausend Worte“. Beim Autohaus Schragl aus Mindelheim liest sich das dann so: 2010 – 100 Prozent Umsatz und 87 Mitarbeiter. 2016 – 175 Prozent Umsatz und 123 Mitarbeiter. Wie das geht? „Indem man alles in geordnete Bahnen lenkt und mit viel Herzblut ein perfektes Team formt“, erklärt Alfred Heiß. Der einstige Service- und Verkaufsleiter sowie Geschäftsführer hat den Betrieb um die Dekadenwende vom Firmengründer Erich Schragl übernommen. Seit mehr als 30 Jahren arbeitet er dort – er kennt ihn also aus dem Effeff.

Wo einst „geordnetes Chaos“ (Zitat Alfred Heiß) herrschte, regieren heute definierte Prozesse, so der Unternehmer. Dabei steht und fällt alles mit denen, die den Kontakt zu den Kunden haben, also den Mitarbeitern. Sie haben unter der Führung von Vater, Mutter und Tochter Heiß deutlich mehr Kompetenzen und Verantwortung erhalten – und damit auch mehr Spaß an der Arbeit gefunden.

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Neue Konzepte zum Beispiel für die Serviceberater tragen dazu bei, dass diese konzentrierter arbeiten können: So stehen deren Schreibtische nicht wie üblich in vorderster Kundenfront, sondern in separaten Büros, wo sie in Ruhe arbeiten können. Raus gehen sie nur, wenn ein Termin ansteht. Wer ohne einen solchen in die Nebelhornstr. 4 in Mindelheim kommt, den empfängt ein Kollege, der frei vom Terminkalender agiert – er kümmert sich prompt um sämtliche Aufträge der Kategorie „Kunde ohne Termin“ bzw. „Kunde wartet“.

Besonderer Hol- und Bringdienst

Eine gezielte Betreuung erfahren auch die, die mit Veredelungswünschen ins Autohaus Schragl kommen: Ein eigenes „Tuning Team“ kümmert sich um die ambitionierte Klientel. Einen besonderen Service können auch Otto-Normal-Kunden genießen. Nämlich dann, wenn sie selbst keine Zeit oder Lust haben, ihren Wagen zur Wartung oder Reparatur zu bringen. In einem Umkreis von 60 Kilometern managen die Servicemitarbeiter im Rahmen des Konzepts „Kundenbotschafter“ den hauseigenen Hol- und Bringservice. Ein Angebot, von dem sowohl Autohaus als auch Kunden profitieren. Wie Letztere übrigens mit der Arbeit der Schragl-Mannschaft zufrieden waren, das ermittelt ein eigenes Callcenter-Team: Drei Mitarbeiterinnen bitten um ein Feedback der Kunden.

Zwar sieht Schragl aus wie ein „normaler“ Partner der Volkswagen-Gruppe, de facto ist das Autohaus aber „frei“. Das heißt, es hat keinen Handelsvertrag mit Audi, VW und Skoda, selbstverständlich aber einen solchen für den Service. Entsprechend genießt dieser einen hohen Stellenwert bei den Mindelheimern. So agieren sie entsprechend vielseitig je nach Kundenbudget – Stichwort zeitwertgerechte Reparatur. Soll heißen: Neben den klassischen OE-Teilen bietet der Betrieb vielfach auch Economy-Ersatzteile an. Und am zweiten Unternehmensstandort in Bad Wörishofen haben Kunden die Möglichkeit, auf das Serviceangebot einer 1a-Partnerwerkstatt zurückzugreifen. Und wenn der Auftraggeber mal knapp bei Kasse ist bzw. die Instandsetzung deutlich höher ausfällt als geplant? „Kein Problem“, erklärt Elke Heiß, „wir bieten dank der Kooperation mit der Santander-Bank auch Reparaturfinanzierungen an.“

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Radwechselaktion mit eigener Note

Getreu dem Motto „Klappern gehört zum Handwerk“ rührt die Familie Heiß kräftig die Werbetrommel in eigener Sache. Mit einer Vielzahl an Flyern und Gutscheinen, aber auch in Form eines eigenen Newsletter bzw. per Whatsapp informieren sie über aktuelle Aktionen. Beispielsweise über den „Verwöhn-Radwechsel“: Dieser bietet neben Nützlichem (Saison-Rädertausch) auch Feines (Frühstücksbrunch) sowie Schönes (wohltuende Handpflege), und auch die Kleinen werden bespaßt.

Das neu aufgebaute Reifenhotel beherbergt bis zu 2.000 Räder – für eine ländliche Region eine durchaus stolze Zahl. Wichtig: „Wir dokumentieren auch den Zustand der Reifen, die nicht bei uns eingelagert sind. So können wir Selbsteinlagerungskunden entsprechende Angebote unterbreiten“, listet der Chef einen der Erfolgsfaktoren für sein Reifengeschäft auf. Das haben er und seine Truppe in zwei Jahren um satte 20 Prozent steigern können.

Das Allgäu glänzt mit Vollbeschäftigung – gut für Arbeitnehmer, schlecht für Arbeitgeber wie Familie Heiß. Dass genau gegenüber ihrem Autohaus auch noch ein Maschinenbauunternehmen residiert, das satten 4.000 Menschen Lohn und Brot beschert, erschwert die Situation in Sachen „richtige Mitarbeiter finden und halten“ zusätzlich. Deshalb hat sich Alfred Heiß voll und ganz der eigenen Ausbildung verschrieben – 20 Prozent des Personalstamms stellt allein der Nachwuchs.

Hier schult der Bürgermeister

So fungiert beispielsweise ein weiblicher Azubi als Botschafterin für das Unternehmen auf diversen Veranstaltungen und wirbt dort um junge Menschen. Und damit die, die bereits zum Schragl-Team gehören, zusätzlich zu verpflichtenden Herstellerschulungen wissenstechnisch up to date bleiben, unterrichtet sie – man höre und staune – ein echter Bürgermeister wöchentlich nach Feierabend. Denn das Oberhaupt von Kammlach, einer Nachbargemeinde von Mindelheim, verdiente einst seine Brötchen als Serviceleiter bei Schragl.

Wie viel man im automobilen Service erreichen kann, wenn man mit Herzblut und jeder Menge persönlichem Einsatz bei der Sache ist und sich ein entsprechendes Team aufgebaut hat, stellt die Unternehmerfamilie Heiß Tag für Tag eindrucksvoll unter Beweis – Heiß’scher Service eben.

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