Seat gibt mit dem Arona jetzt wirklich Gas

CNG-SUV soll Erdgas-Strategie unterstützen

| Autor: Ampnet/gr

Der Seat Arona ist seit Kurzem als 1.0 TGI, sprich mit Erdgasantrieb, erhältlich.
Der Seat Arona ist seit Kurzem als 1.0 TGI, sprich mit Erdgasantrieb, erhältlich. (Bild: Ampnet)

Erdgas-betriebene Fahrzeuge könnten einen wichtigen Beitrag zur Luftreinhaltung leisten, nur kauft sie keiner. Seat will das nun ändern und kombiniert den Bestseller-SUV Arona mit einem CNG-Antrieb (Compressed Natural Gas). Als Arona 1.0 TGI rollt das Modell nun in den Handel. Das neue Modell erweitert die Gas-Palette der Spanier, die bereits mit dem Ibiza und dem Leon im wahrsten Sinne des Wortes Gas geben. Das wiederum hat seinen Grund in der Rollenverteilung im Konzern: Seat hat den Hut auf bei der Entwicklung von Erdgasmodellen und gilt mittlerweile weltweit als technologischer Vorreiter für CNG-Antriebe.

Der Bedarf ist grundsätzlich da, denn die emissionsfreie Zukunft in Form von E-Autos lässt weiter auf sich warten. Niemand vermag zu sagen, wann die Stromer die Herrschaft auf den Straßen übernehmen. CNG-betriebene Automobile könnten dagegen sofort die Emissionen senken. Sie stoßen bis zu 25 Prozent weniger CO2 aus; auch bei Stickoxiden und Rußpartikeln ist der Erdgas-Antrieb klar im Vorteil gegenüber den anderen Verbrenner-Techniken. Aktuell allerdings entwickelt sich der Markt gegen das Gas: In Deutschland wurden 2019 bislang knapp 2.500 CNG-Pkw neu zugelassen – 55 Prozent weniger als 2018.

In Barcelona arbeiten inzwischen mehr als 1.000 Ingenieure an der Weiterentwicklung dieser Antriebstechnik. Der Arona TGI als wohl weltweit erster CNG-SUV kommt mit dem Einliter-Dreizylinder (90 PS / 66 kW) zu den Kunden, der sich im Fahrverhalten nicht von den konventionell angetriebenen Versionen unterscheidet. „Trotz der zurzeit eher geringen Stückzahlen sehen wir im Erdgas-Antrieb ein großes Potenzial“, erklärt Seat-Deutschland-Geschäftsführer Bernhard Bauer und hat dabei angesichts der Kostenvorteile vor allem Flottenkunden im Visier.

Für die Erdgas-Modelle verlangt Seat je nach Modell einen Aufpreis von 1.000 bis 2.500 Euro. Der Arona 1.0 TGI beginnt bei 19.820 Euro. Die Topversion FR kostet 21.820 Euro. Bis zum 30. Juni allerdings bietet das Unternehmen die Erdgas-Modelle zum gleichen Preis wie die Benziner-Versionen an. „Wir haben allerdings kein Problem, die Gleichpreisstrategie bei Bedarf zu verlängern“, so Bauer.

Ein wichtiger Unterschied zu den Verbrenner-Modellen zeigt sich an der Tankstelle. Wenn die drei CNG-Tanks (Fassungsvermögen: 13,8 Kilo) des Arona gefüllt sind, zahlt der Kunde rund 16 Euro und sichert sich eine Reichweite von 360 Kilometern. Zusammen mit dem Benzin-Notvorrat von neun Litern ergibt sich so eine Reichweite von knapp 500 Kilometern. Der Arona 1.0 TGI unterscheidet sich auch in der Ausstattung nicht von den Verbrenner-Versionen. In der Praxis sind Einsparungen von 55 Prozent im Vergleich zum Benzinbetrieb möglich.

Nachteil des CNG-Antriebs ist dagegen ein kleinerer Kofferraum: Wegen der insgesamt vier Tanks ist der Kofferraum mit 282 Litern deutlich kleiner als bei den Benziner- und Dieselmodellen, die 400 Liter fassen. Wird die zweite Sitzreihe umgeklappt, passen 1.162 Liter Gepäck oder kleineres Umzugsgut hinter die Vordersitze.

Ausgestattet ist der Arona mit dem schlüssellosen Schließ- und Startsystem Kessy, einer Rückfahrkamera, und über das Infotainment-System Full Link sind die Insassen mit der digitalen Welt verbunden. Die Antriebskraft wird über ein manuelles Sechsgang-Schaltgetriebe übertragen, und selbst bei rasanter Fahrt bleibt das SUV angenehm leise. Das Fahrwerk bietet einen guten Kompromiss aus Dämpfung und Federung und schluckt viele Defizite der Infrastruktur.

Bleibt die Frage, warum Erdgas-Fahrzeuge noch immer eine Nebenrolle spielen. Eine Antwort liefert die Zahl der Tankstellen in Deutschland, die zudem nicht immer leicht zu finden sind. Zurzeit kann bei rund 850 Stationen Erdgas getankt werden, darunter 141 Tankstellen, die Biogas aus erneuerbaren Quellen anbieten. Um diese Tankstellen zu finden, gibt es eine App für das Navigationssystem. Europaweit sind es aktuell 3.600 Stationen, die meisten davon in Italien, das ein flächendeckendes Netz für „Methano“ bietet. Das wundert nicht. Während in Deutschland derzeit knapp 100.000 Erdgas-Mobile unterwegs sind, liegt der Bestand in Italien bei rund einer Million Einheiten.

Diesen Nachteil hat auch Seat erkannt, und „deshalb sprechen wir mit Mineralölfirmen, um das Netz weiter auszubauen. Außerdem denken wir auch darüber nach, Tankstellen bei größeren Seat-Händlern aufzubauen, um die Versorgung zu optimieren“, blickt Bauer in die Zukunft.

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