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Shell: Diesel mit Frittenfett

Autor: Steffen Dominsky

Seinen neuartigen Dieselkraftstoff namens „R 33 Blue Diesel“ macht der Mineralölkonzern jetzt auch Privatkunden zugänglich. Er basiert unter anderem auf gebrauchten Speisefetten und verspricht eine CO-Reduktion von mindestens 20 Prozent.

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Aus altem Speiseöl und -fett kann man so manches machen, z. B. auch Kraftstoff für Dieselmotoren.
Aus altem Speiseöl und -fett kann man so manches machen, z. B. auch Kraftstoff für Dieselmotoren.
(Bild: picture alliance / MAXPPP)

Die Idee ist keineswegs neu – im Gegenteil. Bereits vor mehreren Jahrzehnten experimentierten deutsche Tüftler, aber auch normale Autofahrer mit einem alternativen Kraftstoff zum klassischen Diesel: Pflanzenöl. Aus wirtschaftlicher und ökologischer Sicht noch interessanter sind die gebrauchten Varianten des pflanzlichen Brennstoffes, alias altes Frittenfett und Co. Genau dieses hat seit einiger Zeit auch Ölmulti Shell für sich entdeckt.

An der Edi-Tankstelle an der Rötelstraße 14 in Neckarsulm (Baden-Württemberg) können Kunden jetzt einen neuen Dieselkraftstoff namens „R33 Blue Diesel“ tanken. Dieser besteht zu 33 Prozent aus Biokomponenten und zu 67 Prozent aus Diesel. Er erfüllt die Dieselnorm (DIN EN 590) vollumfänglich und ist dementsprechend für alle Dieselfahrzeuge zugelassen. Ausführliche Tests mit über tausend Fahrzeugen aller Klassen haben laut Shell die Verträglichkeit eindrücklich bestätigt. Der Vorteil des neuen Kraftstoffes für Mensch und Umwelt: Im Vergleich zum herkömmlichen Diesel spart R33 Blue Diesel mindestens 20 Prozent CO2 ein.

In etlichen Firmenwägen bereits erfolgreich getestet

Den Kraftstoff wurde von Volkswagen sowie der Hochschule Coburg und weiteren Projektpartnern entwickelt. Besagte Biokomponenten bestehen ausschließlich aus Rest- und Abfallstoffen und werden z. B. aus gebrauchtem Speisefett gewonnen. Statt das gebrauchte Fett in den Müll zu werfen, wird es von Drittfirmen wie Nestlé und Tecosol von Schnellrestaurants und Imbissen eingesammelt, gefiltert, gereinigt und zu einem Paraffingemisch oder Biodiesel verarbeitet. Diese Komponenten mischt Shell dann zu normgerechtem Diesel.

Die Volkswagen AG, die Robert Bosch GmbH und die Brenntag AG nutzen R33 Blue Diesel bereits seit Längerem in ihren Fuhrparks und haben seit 2018 zusammen bereits über acht Millionen Liter verbraucht. Auch bei der Deutschen Bahn AG kommt der Kraftstoff derzeit in einem Testzug zum Einsatz. Die Tests sollen bis zum zweiten Quartal abgeschlossen sein. Auf Basis der Testergebnisse werde dann der Rollout für den Regelbetrieb geprüft, teilte eine Sprecherin mit. Einziger Schönheitsfehler des neuen Frittenfett-Kraftstoffes: Aktuell ist er gut 25 Cent pro Liter teurer als herkömmlicher Diesel.

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Über den Autor

 Steffen Dominsky

Steffen Dominsky

Redakteur »kfz-betrieb«, "Fahrzeug + Karosserie", stellv. Ressortleiter Service & Technik »kfz-betrieb«, Vogel Communications Group