Shell-Studie: Nutzfahrzeuge bleiben Diesel-Bastion

Autor / Redakteur: Andreas Grimm / Andreas Grimm

Der Güterverkehr wird zur in den kommenden Jahrzehnten weiter steigen. Während höhere Fahrleistungen die Emissionen steigen lassen, haben alternative Antriebe wenig Chancen, ermittelt eine Studie.

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Derzeit sind in Deutschland 2,9 Millionen Nutzfahrzeuge gemeldet. Bis 2040 wird der Bestand auf 3,5 Millionen Einheiten wachsen.
Derzeit sind in Deutschland 2,9 Millionen Nutzfahrzeuge gemeldet. Bis 2040 wird der Bestand auf 3,5 Millionen Einheiten wachsen.
(Grafik: Shell)

Der straßengebundene Güterverkehr wird seine Bedeutung im Mobilitätsmix weiter ausbauen. Bis zum Jahr 2040 wird der Bestand an Nutzfahrzeugen um 20 Prozent von zuletzt 2,9 auf 3,5 Millionen Einheiten steigen, prognostiziert eine Studie des Kraftstoffherstellers Shell. Alternative Antriebe abseits des Benzin- oder Dieselmotors werden in dieser Entwicklung wahrscheinlich keine große Rolle spielen.

Aus der Fragestellung „Diesel und alternative Antriebe – womit fahren Lkw und Bus morgen?“ leitet die Studie zwei Szenarien ab. Das Trendszenario beschreibt die wahrscheinliche Entwicklung mehr oder weniger als Fortschreibung bisheriger Entwicklungen, das Alternativszenario geht von stärkeren technologischen oder gesellschaftlichen (Um-)Brüchen aus.

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Im Lkw-Bestand des Trendszenarios bleiben alternative Antriebe eher die Ausnahme, mit nennenswerten Anteilen lediglich bei leichten Nutzfahrzeugen (17 Prozent) und Bussen (9 Prozent). Setzt man jedoch die alternativen Voraussetzungen voraus, kommt es in praktisch allen Fahrzeugklassen zu einem deutlich veränderten Antriebsmix: rund ein Drittel der leichten Nutzfahrzeuge und ein Drittel der Busse fahren hier elektrisch, 45 Prozent der schweren Lkw werden mit verflüssigtem Erdgas (LNG) angetrieben. Laut der Studie haben sich Erdgasantriebe im Alternativszenario zu einer relevanten Antriebs- und Kraftstoffalternative für Nutzfahrzeuge entwickelt. Derzeit dominiert die Dieseltechnik mit mehr als 95 Prozent, bei schweren Lkw und Bussen sind es 99 Prozent.

Mehr Nutzfahrzeuge, mehr Emissionen

Unabhängig von der Entwicklung der Antriebsarten wird es neben einer deutlichen Erhöhung des Bestands auch zu einer Steigerung der Fahrleistungen kommen, heißt es in einer Mitteilung zur Studie. Die Fahrzeugfahrleistungen steigen für Lkw um 39 % oder von gut 83 Mrd. auf knapp 116 Mrd. Fahrzeugkilometer. Das höchste Fahrleistungswachstum weisen Fernverkehrs-Lkw auf, darunter immer mehr gebietsfremde Lkw sowie die immer zahlreicheren leichten Nutzfahrzeuge.

Damit verbunden ist ein steigender Energiebedarf, der allerdings aufgrund effizienterer Fahrzeuge weniger stark ansteigt. Von heute aus gesehen, klettert er zunächst bis zum Jahr 2030 um 9 Prozent, um dann bis zum Jahr 2040 wieder auf das heutige Niveau abzusinken. Am Klimaziel Deutschlands bis zum Jahr 2040 eine Reduktion der direkten Treibhausgasemissionen um 70 Prozent zu erreichen, wird sich der Güterkraftverkehr also nicht beteiligen können.

An der Emissionsentwicklung lässt sich ablesen, dass – zumindest im Trendszenario – alternative Antriebe überwiegend nur für Stadtbusse und leichte Nutzfahrzeuge bis 3,5 Tonnen Gesamtgewicht in Frage kommen, nicht jedoch für schwere Lkw und Sattelzugmaschinen. Im Alternativszenario verliert der Diesel zwar deutlich an Bedeutung, die steigenden Anteile an Erdgas und Flüssiggas sorgen aber dennoch für klimarelevante Emissionen. Damit sich alternative Kraftstoffe aber überhaupt durchsetzen sei wie im Pkw-Bereich der Aufbau einer entsprechenden Infrastruktur die Voraussetzung, heißt es in der Mitteilung.

Die größten Potenziale für E-Mobilität sehen die Studienmacher für Pkw-ähnliche leichte Nutzfahrzeuge sowie für Fahrzeuge mit urbanen Fahrprofilen wie Kleintransportern, Nahverkehrs-Lkw oder Stadtbussen. Bei schweren Nutzfahrzeugen mit hohen Fahrleistungen gibt es laut Studie aktuell keine kommerziellen Ansätze, sie zu elektrifizieren. Im Straßengüterfernverkehr mit hohen und wachsenden Fahrleistungen erfüllen alternative Antriebe die Anforderungen auf absehbare Zeit nicht.

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