Sixt will Flotte wegen Corona deutlich verkleinern

Konzern will bis zu 100 Millionen Euro einsparen

| Autor: dpa

(Bild: Sixt)

Der Autovermieter Sixt stemmt sich mit Kostensenkungen, herausgezögerten Investitionen und einer verkleinerten Flotte gegen die Folgen der weltweiten Corona-Pandemie. Die Verschiebung von Investitionen sowie Einsparungen bei Personal- und Sachaufwendungen in Höhe von bis zu 100 Millionen Euro solle die Kostensituation deutlich verbessern, teilte der Konzern am Mittwoch in Pullach bei der Veröffentlichung detaillierter Jahreszahlen mit.

Einen Teil der Mitarbeiter will Sixt für die nächsten drei Monate in Kurzarbeit schicken. Wegen der Coronakrise sei „ein deutlicher Einbruch beim Umsatz“ zu erwarten, sagte Vorstandschef Erich Sixt. Möglicherweise werde man auch „die ein oder andere Station schließen müssen“. Aber es seien „keine Massenentlassungen geplant“, betonte er.

Erst im vierten Quartal dürfte sich die Nachfrage nach Mietautos „wieder dem Normalzustand annähern“. Im Januar und Februar sei der Umsatz noch gestiegen, im März liege er „noch nicht dramatisch“ unter Vorjahr. Ein „deutlicher Einbruch“ werde aber in den nächsten zwei, drei Monaten kommen, sagte der Konzernchef.

Zudem werde Sixt die Vermietflotte kurzfristig deutlich reduzieren und damit entsprechende Kapazitäten und Liquidität freisetzen. Dieser Schritt sei dank der kurzen Haltedauer der Fahrzeuge – in der Regel sechs Monate – sowie einem hohen Anteil an Rückkaufvereinbarungen mit zumeist Herstellern möglich, sodass Sixt nur in sehr geringem Umfang das Vermarktungsrisiko der Fahrzeuge trage. Normalerweise umfasst die Sixt-Flotte rund 270.000 Autos.

Der Konzern bestätigte die erst vor wenigen Tagen abgegebene Prognose eines starken Umsatz- und Gewinnrückgangs im Jahr 2020 im Prinzip, setzte aber auch ein Fragezeichen dahinter. Die Ziele hängen davon ab, dass sich die erheblichen Beeinträchtigungen des öffentlichen Lebens sowie des privaten wie geschäftlichen Reiseverkehrs in den für Sixt relevanten Märkten im Jahresverlauf schrittweise wieder verringern, hieß es. Diese Prämisse sei natürlich mit Unsicherheiten behaftet, denn niemand könne den weiteren Verlauf der weltweiten Pandemie vorhersehen.

„Die nächsten Jahre werden Jahre der Vermietbranche sein“

Sixt rechnet erst für das Jahr 2021 mit einer Rückkehr zur Normalität. Dann werde eine deutliche Steigerung des Umsatzes und ein leichtes Plus beim Gewinn vor Steuern erwartet – und zwar nicht im Vergleich zu 2020, sondern zu 2019. Nach der Krise werde wieder viel gereist, und die Firmen setzten noch stärker auf flexible Produkte: „Die nächsten Jahre werden Jahre der Vermietbranche sein“, sagte der 75-Jährige. Seinen Vertrag habe der Aufsichtsrat inzwischen bis 2023 verlängert.

Im vergangenen Jahr hatte Sixt seinen Umsatz um 13 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro gesteigert. Der Gewinn vor Steuern blieb trotz hoher Investitionen in Digitalisierung und neue Auslandsstationen unverändert bei 337 Millionen Euro, wenn man den Sonderertrag aus dem Verkauf der Drivenow-Carsharing-Beteiligung an BMW 2018 beim Vergleich außen vor lässt. Rechnet man diesen Sondereffekt mit, sank der Konzernüberschuss von 439 auf 247 Millionen Euro.

Aktie auf Achterbahnkurs

An der Börse sorgte die Ankündigung der verschiedenen Maßnahmen sowie die Aussagen zur Prognose für einen kräftigen Kurssprung der Aktie. Die Stammaktie legte knapp 19 Prozent auf 55,35 Euro zu und war damit einer der besten Titel im SDax. Das Papier gewann damit seit dem Corona-Crash-Tief vor einer Woche gut 66 Prozent.

Trotz der jüngsten Kursgewinnen gehört die Aktie mit einem Abschlag von rund 40 Prozent aber zu den größeren Verlierern seit dem Start des Corona-Crashs vor gut einem Monat. Zum Vergleich: Der SDax gab in der gleichen Zeit rund 28 Prozent nach.

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