Skoda Octavia: Der solide Indianer

Autor / Redakteur: Uwe Meuren / Martina Eicher

»Gebrauchtwagen Praxis« Kaufberatung: Fahrzeuge von Skoda sind längst nicht mehr die „billigen Tschechen“ – auch gebraucht nicht.

Firmen zum Thema

Der Skoda Octavia Combi bietet mit einem Kofferraumvolumen von 1.620 Litern reichlich Platz für Reisegepäck.
Der Skoda Octavia Combi bietet mit einem Kofferraumvolumen von 1.620 Litern reichlich Platz für Reisegepäck.
(Foto: Skoda)

Der Octavia wird trotz seiner stattlichen Länge von 4,5 Metern in der Kompaktklasse geführt. Dabei stößt er an die Grenzen der Klasseneinteilung. Die Dekra führt den Octavia deshalb bei Gebrauchtwagen.de als Mittelklassefahrzeug. Auch im Innenraum macht sich bemerkbar, dass der Octavia im Vergleich mit anderen Kompaktklasse-Modellen mehr Platz bietet.

1997 führte Skoda den ersten Octavia ein; zunächst die Limousine, ein Jahr später legte das Unternehmen mit dem Kombi nach. Bis zur Einführung des Octavia II 2004 folgten mehrere Facelifts und Motorenergänzungen. 2013 debütierte die Serie III – mit Limousine und Kombi.

Bildergalerie

Die Fangemeinde des Octavia wächst schnell. Das schlägt sich im Gebrauchtwagenpreis nieder: Sowohl im An- als auch im Verkauf erzielen selbst ältere Modelle horrende Preise. Besonders die Kombination aus Diesel und Kombi ist gefragt.

Die Zuverlässigkeit der Fahrzeuge selbst im hohen Alter begeistert viele Gebrauchtwagenkunden. Saubere und passgenaue Verarbeitung, hochwertige Materialien sowie günstige und standfeste Motoren vervollständigen die Pluspunkte. Besonders viel Lob von den Prüforganisationen erntet die Baureihe II (ab 2004). Seither scheint alles noch ein wenig besser geworden zu sein. Zum Beispiel im Innenraum: Die ­eingesetzten Materialien sind noch verschleißfester, abgewohnt sieht das Fahrzeuginnere selbst nach Jahren nicht aus. Die Beinfreiheit ist auf den vorderen Plätzen ausreichend, hinten jedoch nicht. Das zumindest bemängeln die Tester der GTÜ. Dafür glänzen sowohl Limousine als auch Kombi mit viel Stauraum. Die Stufenheckversion bietet mit über 1.400 Litern Kofferraumvolumen reichlich Platz für Reisegepäck, 1.620 Liter stehen Kombi-Besitzern zur Verfügung.

Ergänzendes zum Thema
kd0__kasten_dachzeile
Mängelreport

Skoda Octavia (Typ 1Z) bei einer Laufleistung von 50.000 - 100.000 km

Ohne relevante Mängel 81,70%

Geringe Mängel 10,80%

Erhebliche Mängel 7,50%

Nach Baugruppen:

Fahrwerk, Lenkung 3,20 %

Motor, Umwelt 2,80%

Karosserie, Rahmen, Innenraum 1,3 %

Bremsanlage 6,20 %

Elektrik, Elektronik, Licht 14,10%

Schwächen

  • Verschleiß der Bremsen

  • zu hohe Abgaswerte/Fehler im OBD-System

  • Beleuchtung

(Erhebung an fünf Jahre alten Fahrzeugen.)

Quelle: Dekra Gebrauchtwagen 2013

Die Motorenpalette ist breit aufgestellt: 1,2 bis 2,0 Liter Hubraum. Eine Leistung von 75 PS markiert das untere Ende, ganz oben sind 220 PS verfügbar. Nicht ganz so umfangreich, aber dennoch mit breiter Brust zeigt sich die Diesel-Flotte: 1,6 – 1,9 – 2,0 sind die zur Wahl stehenden Hubraumvarianten. Die Bandbreite der Leistungen reicht von 90 bis 184 PS. Als empfehlenswerte Variante bewertet die GTÜ den 1,6er-Benziner mit 102 PS, bei den Diesel-Modellen ist es der 2,0-Liter mit 140 PS. Sportlich geht es mit den RS-Modellen vonstatten, die mit 200 PS als TSI-Benziner oder 170 Diesel-PS für Vortrieb sorgen.

Wer einen gebrauchten Skoda Octavia fährt, braucht vor der nächsten HU keinen Bammel haben. Denn gerade bei den bis fünf Jahre alten Autos werden die Prüfer nur selten fündig. Häufigster bei der HU festgestellter Mangel waren Undichtigkeiten am Motor. Am Fahrwerk erregten poröse Gummilager an Vorder- und Hinterachse das Aufsehen der Prüfer sowie Mängel bei Licht und Elektrik. Weiteren Anlass zur Sorge gibt der Octavia nicht. Ähnlich positiv fällt das Urteil der Dekra-Tester aus, die ihn als „guten Vertreter seiner Klasse“ bezeichnen und neben der Elektrik zu hohe Abgaswerte und verschlissene Bremsscheiben monieren. Bei den Octavias bis 50.000 Kilometer Laufleistung erhalten 91 Prozent die HU-Plakette der Dekra-Prüfer ohne Beanstandung, 82 Prozent der Fahrzeuge bis zu 100.000 Kilometer Laufleistung sind fehler- und mangelfrei und selbst Autos, die 150.000 Kilometer auf dem Buckel haben, sind zu 72 Prozent fehlerfrei.

Weniger rosig sieht es bei den Rückrufaktionen aus, die beim KBA gelistet sind. So sind Fahrzeuge mit einem 2,0-Liter-Dieselmotor aus den Baujahren 2008 bis 2011 von Rissbildungen in der Einspritzleitung befallen. Durch die Risse kann Kraftstoff austreten, was einen Fahrzeugbrand verursachen kann. Modelle aus 2005 hatten mit einem nicht richtig ausgelegten Druckminderer zu kämpfen, der möglicherweise das Zweimassenschwungrad beschädigt. Octavias mit einem Direkt-Schaltgetriebe (DSG) litten unter Fehlinterpretation des Getriebesteuergerätes – den Baujahren 2008 bis 2009 mit diesem Getriebe fehlte nicht selten der Antrieb, da die Kupplung selbstständig öffnete. Ein weiterer Rückruf ist kein sogenannter „werksseitiger Rückruf“: A.T.U. hat bei Modellen der Baujahre 1996 bis 2012 im Rahmen von Reparaturen fehlerhafte Querlenker verbaut. Bei den verwendeten Ersatzteilen konnte es zum Bruch des Bauteils beziehungsweise zum Lösen des Lagerzapfens an der Vorderachse kommen.

Der Octavia wird als grundsolides Auto eingestuft, das vor allem mit einer hohen Verarbeitungsqualität und hochwertigen Materialien zu erschwinglichen Anschaffungskosten punktet. Ausreichend Platz, gute Federung und Dämpfung verleihen ihm sichere Fahreigenschaften. Einige Tester bemängeln die starke Neigung der Karosserie bei Kurvenfahrt sowie die nur mäßige Übersichtlichkeit.

Übrigens: Das Skoda-Logo zeigt den stilisierten Federschmuck eines Indianers. Im Laufe der Zeit wandelte sich das Label; der Indianerkopf wurde mit einem Pfeil ergänzt, und später verschmolzen Kopf und Pfeil.

Ergänzendes zum Thema
kd0__kasten_dachzeile
Urteil der GTÜ

  • häufig Ölverlust am Motor

  • Beleuchtungsprobleme

  • poröse Gummilager an Vorder- und Hinterachse

  • bei jüngeren Modellen sollte die Karosserie genau geprüft werden

  • verschlissene Bremsen

(ID:42556177)