Online-Gebrauchtwagenhändler So lief 2020 bei Auto 1 – und so soll 2021 laufen

Autor / Redakteur: dpa / Andreas Wehner

Nach einem Rückgang im Corona-Jahr 2020 will Auto 1 im laufenden Jahr beim Umsatz deutlich zulegen. Unter dem Strich rechnet das Unternehmen dennoch weiter mit Verlusten. Zudem nannten die Berliner Absatzzahlen ihres Endkundenportals Autohero.

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Ins Endkundenportal Autohero investiert Auto 1 viel Geld.
Ins Endkundenportal Autohero investiert Auto 1 viel Geld.
(Bild: Auto-1-Group)

Der Online-Gebrauchtwagenhändler Auto 1 rechnet im laufenden Jahr wieder mit deutlich mehr Geschäft. Nach einem Umsatzrückgang im Corona-Jahr 2020 um fast ein Fünftel auf 2,8 Milliarden Euro soll der Erlös 2021 auf 3,8 bis 4,2 Milliarden Euro anziehen, wie das Unternehmen am Mittwoch in Berlin mitteilte.

Im laufenden Geschäft rechnet Auto 1 dennoch weiter mit Verlusten. Das hatte der Konzern bei seinem Börsengang Anfang Februar bereits für die beiden kommenden Jahre in Aussicht gestellt. Die Aktie stieg am Mittwoch um mehrere Prozent und bewegte sich in der Nähe von 52 Euro. Das Papier war Anfang Februar zu 38 Euro an die Börse gebracht worden und aus dem Stand auf das Niveau um die 50 Euro gestiegen – teils sogar noch spürbar höher. Derzeit ist das erst 2012 gegründete Unternehmen an der Börse rund 10,8 Milliarden Euro wert. Auch mit einem Streubesitzanteil von 44 Prozent ist Auto1 so ein Kandidat für den Mittelwerteindex MDax.

Im Corona-Jahr 2020 schmolz der Umsatz der Gruppe um fast ein Fünftel auf 2,8 Milliarden Euro. Die Zahl der verkauften Autos ging insbesondere wegen eines schwachen zweiten Quartals im Gesamtjahr um ein Viertel auf gut 457.000 Wagen zurück. Das Schlussquartal machte den Berlinern jedoch Hoffnung. „Das vierte Quartal hat erneut gezeigt, dass wir sehr gut aufgestellt sind, es ist ein widerstandsfähiges Geschäft“, sagte Auto1-Chef Bertermann der Finanz-Nachrichtenagentur DPA-AFX.

Autohero soll 2021 bis zu 38.000 Fahrzeuge vermarkten

2021 soll der Erlös nun auf 3,8 bis 4,2 Milliarden Euro anziehen. Bereits am Vortag hatten die Berliner angekündigt, dieses Jahr mit einem stärkeren Wachstum im Gebrauchtwagenverkauf direkt an Endkunden zu rechnen als bisher gedacht. Über seine Marke Autohero will das Unternehmen dieses Jahr 32.000 bis 38.000 Autos verkaufen statt wie bisher in Aussicht gestellt nur mehr als 29.000. 2020 waren es 10.153 Fahrzeuge – fast doppelt so viel wie 2019.

„Die Pandemie gibt unserem Endkundengeschäft sicher noch zusätzlichen Schub, aber meiner Meinung nach ist es nur ein relativ kleiner Treiber“, sagte Bertermann. Stationäre Autohändler in Europa hätten schließlich im Schnitt derzeit ja auch geöffnet. Auto 1 steht beim Verkauf an den Endkunden ohnehin noch fast am Anfang. Zum Vergleich: Im Großhandel mit den Händlern erwartet das Unternehmen, dieses Jahr zwischen 560.000 und 600.000 Fahrzeugen zu verkaufen.

Langfristig rechnet das Unternehmen mit 2 bis 2,5 Millionen verkauften Autos pro Jahr – davon rund 30 Prozent über Autohero. Jährlich will Auto 1 bis 2023 rund 110 Millionen Euro in das Geschäft stecken. „Wir fühlen uns wohl mit der Projektion, die wir gegeben haben, aber es ist ein junges und stark wachsendes Geschäft. Daher kann es auch sein, dass wir hier und da nochmal nachjustieren“, sagte Bertermann zu den geplanten Investitionen.

Im Direktverkauf an Privatkunden erhofft sich Auto 1 einen Bruttogewinn von über 1.000 Euro pro Fahrzeug, im Großhandel sind derzeit nur rund 650 Euro einkalkuliert. Die Gebrauchtwagen ihrerseits kommen entweder von Händlern oder über die Online-Ankaufplattform wirkaufendeinauto.de, auf der Privatleute ihr Auto verkaufen können und die es auch in vielen anderen europäischen Ländern gibt.

Viele Schnelldreher im Händlergeschäft

„Im Händlergeschäft verkaufen wir 75 Prozent unserer Ware innerhalb von sieben Tagen wieder“, sagte Bertermann. Bei Autohero will das Unternehmen künftig seine Größe als Online- und Softwareunternehmen ausspielen. „Im Endkundengeschäft haben wir vielleicht noch etwas längere Standzeiten als der Markt, sehen aber in Zukunft einen Technologievorteil aufgrund der Fülle unserer Daten“, so der Mitgründer.

Wegen der hohen Investitionen ins Privatkundensegment wird im laufenden Geschäft auch weiter mit einem Verlust gerechnet. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen soll die um Sondereffekte bereinigte Gewinnmarge des Konzerns 2021 zwischen -2,5 und -2 Prozent liegen und damit schwächer ausfallen als im Vorjahr mit -0,5 Prozent. Unter dem Strich vergrößerte sich im vergangenen Jahr der Verlust von 121,3 auf 143,6 Millionen Euro. Eckdaten zu Umsatz und operativem Geschäft hatte Auto 1 bereits rund um den Börsengang mitgeteilt.

Ebenfalls bereits am Vortag teilte das Unternehmen mit, neue Aktien im Umfang von 2,2 Prozent des Grundkapitals auszugeben, um ein Beteiligungsprogramm für Bertermann und Aufsichtsratsmiglied Hakan Koç teilweise abwickeln zu können. Mit zusammen rund 26 Prozent halten die beiden Unternehmensgründer Bertermann und Koç nach wie vor den größten Anteil der Aktien.

Knapp 17 Prozent liegen bei dem japanischen Technologieinvestor Softbank. „Wir haben langfristige Signale zum Engagement von Softbank, auch die jüngste Wandelanleihe ist beim Börsengang von Softbank komplett in Eigenkapital gewandelt worden“, sagte Bertermann.

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