Studie untersucht Vermarktungsmöglichkeiten für Jungwagen

Autor: Udo Schwickal

Immer mehr Endkunden und „Smart-Shopper“ entdecken junge Gebrauchtwagen als Alternative zum Neuwagen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie des Institut für Automobilwirtschaft im Auftrag der Dekra.

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Die neue Dekra/IFA-Studie sieht für große Handelsgruppen im Bereich junge Gebrauchtwagen großes Potenzial.
Die neue Dekra/IFA-Studie sieht für große Handelsgruppen im Bereich junge Gebrauchtwagen großes Potenzial.
(Bild: Dekra)

Der Trend ist ungebrochen: Junge Gebrauchte werden immer wichtiger. In den nächsten Jahren soll sich ihr Marktvolumen in Deutschland über einer Million Fahrzeuge pro Jahr einpendeln. Hauptgrund dafür ist die Verschiebung des Neuwagenabsatzes von den privaten hin zu den gewerblichen Kunden. Gleichzeitig kaufen immer mehr Endverbraucher und sogenannte „Smart-Shopper“, die nach dem besten Preis-Leistungsverhältnis für ihr neues Auto suchen, Gebrauchtwagen mit einem geringen Alter. Eine aktuelle Studie des Instituts für Automobilwirtschaft (IFA) hat daher im Auftrag der Dekra das Segment der jungen Gebrauchtwagen und seine Vermarktungsmöglichkeiten untersucht.

Zwischen 2010 und 2015 ist das Segment der jungen Gebrauchtwagen um 22,8 Prozent auf 1,25 Mio. Einheiten gewachsen. Der Anstieg lag damit über dem des gesamten Gebrauchtwagenmarktes, der im gleichen Zeitraum um 14 Prozent zugelegt hat. Gleichzeitig stieg der Anteil der jungen Gebrauchtwagen am Gesamtmarkt von 15,9 auf 17,1 Prozent.

Präsentation Studie im Unesco-Weltkulturerbe Zeche Zollverein in Essen (v. li.): Rudolf Rizzolli, Sixt Leasing; Burkhard Weller, Wellergruppe; Prof. Dr. Willi Diez, Leiter des Instituts für Automobilwirtschaft; Dekra-Chef Gerd Neumann; Markus Schuster, Audi AG; Andreas Tetzloff, Autohaus Kunzmann – zum Vergrößern bitte klicken.
Präsentation Studie im Unesco-Weltkulturerbe Zeche Zollverein in Essen (v. li.): Rudolf Rizzolli, Sixt Leasing; Burkhard Weller, Wellergruppe; Prof. Dr. Willi Diez, Leiter des Instituts für Automobilwirtschaft; Dekra-Chef Gerd Neumann; Markus Schuster, Audi AG; Andreas Tetzloff, Autohaus Kunzmann – zum Vergrößern bitte klicken.
(Bild: photo: isp-grube.de)

Neben dem preissensiblen Käufer, der dem Neuwagenmarkt den Rücken gekehrt hat, sehen die IFA-Experten vor allem die stark gestiegenen Eigenzulassungen von Herstellern und Händlern als Hauptursache dieser Marktverschiebung. „Das Segment der jungen Gebrauchtwagen hat sich still und leise zwischen den Neu- und Gebrauchtwagenmarkt geschoben“, erklärt Prof. Dr. Willi Diez, Leiter des IFA-Instituts.

Zu viele Eigenzulassungen gefährden die Restwerte

Nach seiner Einschätzung wird sich der Zuwachs bei den Eigenzulassungen in den nächsten Jahren allerdings verlangsamen. Hersteller und Händler müssten aufgrund eines möglichen Überangebotes sonst mit steigenden Restwertrisiken rechnen. „Wenn die Eigenzulassungen dauerhaft über 30 Prozent, teilweise sogar über 40 Prozent liegen, kann das für die Restwerte kritisch werden, wenn die Fahrzeuge nicht mehr schnell in den Markt abfließen“, warnte Diez. Für das Jahr 2020 rechnet das Institut mit einem Marktvolumen von jungen Gebrauchtwagen in Höhe von rund 1,1 Millionen Fahrzeugen.

An den Handel gerichtet erklärte Diez, dass das wachsende Geschäft mit jungen Gebrauchtwagen allerdings kein Selbstläufer sei. So zeigen die IFA-Erhebungen, dass der durchschnittliche Bruttoertrag bei jungen Gebrauchtwagen mit 6,6 Prozent leicht unter dem Branchendurchschnitt von 6,9 Prozent liegt. Vor allem größere Handelsgruppen könnten aber in dem Bereich Bruttoerträge erzielen, die teilweise über 10 Prozent lägen. „Das Geschäft mit jungen Gebrauchtwagen ist insofern schwierig, als die Händlerbetriebe große Mengen von jungen Gebrauchtfahrzeugen zumeist homogener Qualität einkaufen müssen. Wenn diese dann allerdings nur in einer bestimmten Region angeboten werden, kann dies zu einem regionalen Überangebot mit negativen Folgen für die Gebrauchtwagenpreise führen“, erklärte Diez.

Betriebsgröße entscheidet über den Erfolg

Große Handelsgruppen mit einem eigenen Filialnetz seien hier im Vorteil, da sie die Fahrzeuge dann breit streuen könnten. Wichtig sei außerdem ein schneller Verkauf, denn gerade bei jungen Gebrauchtwagen bestehe die Gefahr, dass die Preiskalkulationen durch Verkaufsförderaktionen der Hersteller bei Neuwagen unter Druck kommen könnten.

Aufgrund der großen und speziellen Herausforderungen, die das Geschäft mit jungen Gebrauchtwagen an den Handel stellt, empfiehlt Studienleiter Diez, diesen Bereich als eigenes Profitcenter im Händlerbetrieb zu organisieren. So erforderten sowohl der Einkauf als auch die Vermarktung andere und vor allem schnellere Prozesse als der Verkauf von älteren Gebrauchtfahrzeugen. Junge Gebrauchtwagen seien eine besondere, „heiße Ware“, an der sich schon viele Händler die Finger verbrannt hätten: „Nur wer dieses Geschäft professionell beherrscht“, folgert Diez, „wird hier mit einem überschaubaren Risiko auch wirklich Geld verdienen.

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