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Taktische Zulassungen steigen im Juli stark an

| Autor: Andreas Grimm

Der Zulassungsboom im Juli hat viele Ursachen. Doch eine Dataforce-Auswertung macht deutlich, dass die Entwicklung in einem bösen Erwachen enden könnte. Denn hinter den Zahlen verbergen sich Vorzieheffekte.

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(Bild: Grimm / »kfz-betrieb«)

Der Neuwagenboom im Juli mit einem Zulassungsplus von 12,3 Prozent hat sich einmal mehr aus vielen Quellen gespeist. Auffällig sind dabei die sehr starken Zuwächse bei den Eigenzulassungen sowohl der Hersteller und Importeure wie auch der Händler. Über beide Kanäle kamen 13.950 Einheiten mehr zur Erstzulassung als im Juli 2017 – das entspricht einer Steigerung von 18,7 Prozent.

Besonders aktiv waren dabei die Hersteller und Importeure, die ihre Eigenzulassungen um 24,5 Prozent hochgefahren haben. Der Fahrzeughandel ließ 16,5 Prozent mehr Neuwagen zu, damit war er im Juli erstmals seit Januar in diesem Vertriebskanal wieder stärker aktiv als im Vorjahreszeitraum. Hinter dieser Entwicklung vermuten die Dataforce-Analysten die WLTP-Einführung zum 1. September. Beide Gruppen dürften also derzeit vermehrt Fahrzeuge zulassen, die nach dem Stichtag nicht mehr zulassungsfähig sind, um sie dann als junge Gebrauchte zu vermarkten.

„Dementsprechend dürfte die Steigerung im August noch deutlich stärker ausfallen, wohingegen im September die Neuzulassungszahlen aller Wahrscheinlichkeit nach stark nachgeben werden“, prognostizieren die Marktforscher.

Auch im Privatkundengeschäft ist die Nachfrage derzeit künstlich überhitzt. Wie schon seit Monaten sorgen die Hersteller und Importeure mit den Umstiegsprämien für alte Diesel für einen Nachfrageschub, da aufgrund der hohen Nachlässe viele Privatkunden einen Kauf vorgezogen haben. Zusammen mit den Lieferschwierigkeiten wegen der WLTP-Umstellung werde die Entwicklung „in den kommenden Monaten weit ins Minus fallen“. Zuletzt entfielen auf Privatpersonen 117.629 Neuzulassungen (+16,1 %).

Ein Lichtblick ist dagegen das klassische Gewerbekundengeschäft, das in diesem Jahr nicht unbedingt ein Treiber der Aufwärtsentwicklung war, aber nach einigen schwächeren Monaten im Juli deutlich gewachsen ist. Firmenflotten und Gewerbetreibende ließen im Juli laut einer Auswertung der Marktforschung Dataforce 77.890 Neuwagen zu. Das waren knapp 5.000 Einheiten mehr als im Vorjahresmonat (+6,7 %).

Angesichts der Entwicklung ist dieses Zulassungssegment mit 497.500 Erstzulassungen auf Jahressicht wieder leicht im Plus (+1 %). Trotzdem rechnen die Dataforce-Experten für das Gesamtjahr mit einem leichten Zulassungsrückgang, da auch hier die WLTP-Umstellung zu Problemen führen wird.

Transportermarkt verliert an Dynamik

Eine etwas andere Entwicklung bilanziert die Dataforce-Untersuchung für den Transportermarkt. Für diese Sonderauswertung fassen die Marktexperten die Zulassungen der leichten Nutzfahrzeuge und der Pkw-Utilities zusammen. Im Juli legte diese Fahrzeugklasse nur noch um 3,3 Prozent zu.

Erheblichen Anteil an der schwächeren Entwicklung hatte zum einen eine starke Zurückhaltung der Autovermieter. Sie ließen fast 20 Prozent weniger Transporter zu. Aber auch das Geschäft mit den Gewerbekunden erlitt einen Zulassungsrückgang um 2,4 Prozent. Und selbst Hersteller und Importeure ließen etwas weniger Fahrzeuge zu (-2,1 %). Dagegen schnellten die Eigenzulassungen der Händler um 19,2 Prozent in die Höhe.

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Über den Autor

 Andreas Grimm

Andreas Grimm

Redakteur, Redaktion »kfz-betrieb«