Teilautonome Lkw kommen in drei Jahren

Autor Udo Schwickal

Autonom fahrende Lkw beeinflussen die Verkehrssicherheit und den Straßengüterverkehr. Georg Stefan Hagemann, Projektleiter Mercedes-Benz Future Truck, erläutert die Perspektiven der Technik.

Firmen zum Thema

Georg Stefan Hagemann, Projektleiter bei Daimler für den „Highway Pilot“, gab Einblicke in den Lkw der Zukunft.
Georg Stefan Hagemann, Projektleiter bei Daimler für den „Highway Pilot“, gab Einblicke in den Lkw der Zukunft.
(Foto: Werner Popp)

Auf dem Weg zu mehr Sicherheit im Straßenverkehr gilt das autonome Fahren als eine wichtiger Schritt für den Lkw-Verkehr. Dass dies längst keine Zukunftsmusik mehr ist, zeigen einerseits die derzeit laufenden Tests der Technik in Mercedes-Lkw auf öffentlichen Straßen. Zudem verdeutlichte Georg Stefan Hagemann, Projektleiter des „Mercedes-Benz Future Truck 2015“, jüngst in seinem Vortrag auf dem Dekra-Zukunftskongress Nutzfahrzeuge die Perspektiven des autonomen Fahrens. Das Mercedes-System „Highway Pilot“ ermöglicht unter anderem, dass der Fahrer nicht mehr dauerhaft die Dynamik seines Fahrzeugs überwachen muss. »kfz-betrieb« hat mit Hagemann darüber gesprochen, wie es in der Praxis mit dem autonomen Lkw weitergeht.

Redaktion: Herr Hagemann, wann rechnen Sie mit dem praktischen Einsatz des autonom fahrenden Lkw?

Georg Stefan Hagemann: Wir halten eine Serienproduktion erster teilautomatisierter Fahrfunktionen der sogenannten Automatisierungsstufe 2 in rund drei bis vier Jahren für möglich. Wir werden dann einen stufenweisen Prozess erleben, der Automatisierungsgrad wird Schritt für Schritt erhöht. Die Frage wird allerdings sein, ob die Rahmenbedingungen auf deutscher und vor allem europäischer Ebene so geschaffen werden, dass die Technologien zum Teil oder vollständig eingesetzt werden können.

Was kann der teilautonome Lkw mutmaßlich bei seiner Markteinführung?

Der teilautonom fahrende Mercedes-Benz Actros mit Highway Pilot kombiniert bereits auf dem Markt bewährte Assistenzsysteme wie ABS und ASR, Active Brake Assist 3, Predictive Powertrain Control (PPC), Fleetboard Fahrzeugrechner, Stabilitätsregel-Assistent (ESP), Wankregel-Assistent, Abstandshalte-Assistent, Aufmerksamkeits-Assistent und Reifendruckkontrolle. Neu ist die Kombination dieser Assistenzsysteme mit Sensoren der neuesten Generation (Nah- und Fernbereichssensor, Stereokamera). Wir werden die Funktionen des Highway Pilot auch weiterhin verbessern und die Zuverlässigkeit des Systems absichern, bis wir ein serienreifes Produkt haben.

Welche Herausforderungen stellt die Entwicklung des autonomen Fahrens an die Beteiligten?

Wichtig ist, dass bei allen involvierten Akteuren eine Akzeptanz für das teilautonome Fahren entsteht. Wir betonen deshalb, dass die Einführung teilautonomer Systeme den Fahrer nicht ersetzen soll. Im Gegenteil: Der Fahrer muss weiterhin ständig das Fahrzeug und die Verkehrssituation überwachen und jederzeit dazu in der Lage sein, die Steuerung des Lkw wieder zu übernehmen. Der aktivierte Highway Pilot kann den Fahrer allerdings bei monotonen und ermüdenden Fahrstrecken entlasten. In einem zukünftigen Schritt könnte der Lkw-Fahrer auch Nebentätigkeiten nachgehen, und somit das Berufsbild „Lkw-Fahrer“ eine zusätzliche Facette bekommen und dadurch an Attraktivität gewinnen.

Was bedeutet das für Ihre Kunden?

Für unsere Kunden kann das bedeuten, dass auch Logistikprozesse wie beispielsweise Dispositionsarbeiten zukünftig direkt vom Fahrer übernommen werden könnten. Zudem gehen wir davon aus, dass unsere automatisierten Trucks spritsparender unterwegs sein werden. So wird unter anderem später durch die Vernetzung mit der Umwelt (Stichwort Vehicle-to-Vehicle- und Vehicle-to-Infrastructure-Kommunikation) der Verkehrsfluss harmonisiert, somit Aggregate und Umwelt geschont sowie die Effizienz erhöht.

Die Transportbranche ist bekannt dafür, dass jeder Cent zählt. Wie wollen Sie Ihren Kunden den doch erheblichen Mehrpreis des „Highway Pilot“ schmackhaft machen?

Sicherheit und Effizienz im Straßengüterverkehr sind momentan die wichtigsten Themen in der Transportbranche. Die Chancen, die sich hierbei durch das automatisierte Fahren ergeben, sollten für die gesamte Branche Anreiz zum Vorantreiben dieser Technologie sein. Derzeit fokussieren wir uns darauf, den Actros mit Highway Pilot zunächst im realen Fahrbetrieb zu testen. Vertriebsaktivitäten stehen noch nicht an. Aber gehen Sie davon aus, dass wir für ein entsprechendes Fahrzeug einen für unsere Kunden attraktiven und wirtschaftlichen lohnenswerten Preis vorsehen werden.

Einen ausführlichen Bericht zum Dekra-Zukunftskongress Nutzfahrzeuge lesen Sie in der Ausgabe 47 vom »kfz-betrieb«.

(ID:43722145)