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Tesla will Werk in Fremont trotz staatlich angeordneter Schließung wieder öffnen

| Autor: Christoph Seyerlein

Tesla-Chef Elon Musk und der Bezirk Alameda sind erneut aneinander geraten. Laut staatlicher Anordnung darf das Werk des Herstellers in Fremont wegen der Corona-Pandemie erst wieder im Juni öffnen. Tesla will sich dem nun widersetzen – Drohgebärde von Musk inklusive.

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Tesla will die Produktion in Fremont wieder hochfahren.
Tesla will die Produktion in Fremont wieder hochfahren.
(Bild: Tesla)

Der Streit zwischen Tesla und der Bezirksregierung von Alameda in Kalifornien geht in die nächste Runde. Aufgrund der dort gültigen Auflagen darf der Hersteller von Elektroautos sein Werk in Fremont wegen der Corona-Pandemie offiziell erst wieder im Juni eröffnen. Firmenchef Elon Musk ist das zu spät. Tesla kündigte an, seine eigenen Pläne für den Neustart umzusetzen.

Diese sähen unter anderem erhöhte Sicherheits- und Hygienestandards vor. Mitarbeiter würden zudem per Online-Videotraining auf die neuen Anforderungen eingestellt, bevor sie in die Fabrik zurückkehren. Die Beschäftigten würden sich darauf freuen, wieder arbeiten zu können, betonte Tesla. Das Vorhaben orientiere sich am Vorgehen in Shanghai. Das dortige Werk laufe seit drei Monaten ohne gesundheitliche Probleme in der Belegschaft.

Die Entscheidung, die Regeln des Bezirks zu brechen, begründete Tesla unter anderem mit Verweis auf Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom. Ihm zufolge sei der Bau von Fahrzeugen Teil der systemrelevanten nationalen Infrastruktur, erklärte der Hersteller. Zudem hätten mit Solano, Napa und San Joaquin drei benachbarte Bezirke von Alameda produzierenden Firmen bereits wieder den Anlauf erlaubt.

In Alameda und Santa Clara County sei vorerst aber nur die Herstellung von Produkten zur Energieversorgung möglich. Nach Teslas Aussagen zählen dazu laut Gesetz aber auch Elektroautos und Batteriespeicher. Anrufe und Mails dazu habe der Gesundheitschef des Bezirks nicht beantwortet, wirft der Hersteller der Politik vor. Deshalb habe man am 9. Mai eine Klage eingereicht.

Musk droht mit Verlegung des Firmensitzes

Bereits vor der offiziellen Tesla-Mitteilung hatte sich Firmenchef Elon Musk äußerst erzürnt gezeigt. Bei Twitter schrieb er am Samstag, Tesla werde die Zentrale und kommende Unternehmungen „sofort“ nach Texas oder Nevada verlegen. Die jüngsten Auflagen des Bezirks seien „das i-Tüpfelchen“.

Der 2003 gegründete Elektroautohersteller hatte das Werk in Fremont 2010 von Toyota für nur 42 Millionen Dollar erworben, aber inzwischen Milliarden Dollar investiert. Es ist derzeit die einzige Fabrik, in der Tesla sein gesamtes Portfolio bestehend aus den Modellen S, X, 3 und Y herstellt. Nach Einschätzung von Experten ist deshalb ein schneller Umzug der Produktion schwer möglich. Tesla hat zwar inzwischen auch andere Werke, diese dienen aber vor allem zur Produktion von Batterien.

„Tesla ist der letzte verbliebene Autohersteller“ in Kalifornien und sei zudem ein wichtiger Exporteur, schrieb Musk. Nach eigenen Angaben beschäftigt das Unternehmen in dem Bundesstaat mehr als 20.000 Mitarbeiter. Musk hatte bereits kürzlich via Twitter das Ende aller Corona-Beschränkungen gefordert („Free America Now“). In der Folge forderte er, Menschen ihre Freiheit zurückzugeben und bezeichnete die staatlichen Anordnungen gar als teilweise „faschistisch“.

Bereits rund um den Ausbruch der Corona-Pandemie war Musk mit den Behörden aneinander geraten. Mitte März ließ er trotz staatlicher Anordnung, Firmen zu schließen, das Werk in Fremont zunächst am Netz. Erst nach weiteren Ermahnungen gab der Unternehmer am 19. März schließlich nach und Tesla stoppte die Produktion.

Rätselhaftes Verhalten während der Pandemie

In der Folge trat Musk unter anderem mit der Spende von Beatmungsgeräten an Krankenhäuser positiv in Erscheinung. Seinem Automobilunternehmen macht die Pandemie indes zu schaffen: Medienberichten zufolge hat Tesla beispielsweise seine Vermieter Mitte April darüber informiert, vorerst die Mieten nicht mehr vollständig zahlen zu wollen.

Noch vor den ersten Lockdown-Maßnahmen außerhalb Chinas hatte Musk die „Panik“ rund um das Corona-Virus als „dumm“ bezeichnet. Am 19. März zeigte sich Musk dann überzeugt davon, dass es in den USA gegen Ende April praktisch keine neuen Infektionen mehr geben werde. In den vergangenen Tagen verzeichneten die Vereinigten Staaten allerdings jeweils deutlich über 20.000 neue Corona-Fälle, zuletzt sogar wieder mehr als 25.000 pro Tag. Insgesamt haben sich in den USA bislang mehr als 1,3 Millionen Menschen angesteckt, gut 200.000 davon gelten als genesen, rund 80.000 Amerikaner sind gestorben.

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