Traton treibt Übernahme von Navistar voran

Autor / Redakteur: dpa / Andreas Grimm

Die Nutzfahrzeug-Tochter des Volkswagenkonzerns will künftig auch auf dem US-Markt mitmischen. Dafür strebt Traton schon länger die Übernahme der US-Marke Navistar an. Nun scheint das Projekt wieder Fahrt aufzunehmen.

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Objekt der Traton-Begierde: Die US-Nutzfahrzeugmarke Navistar soll komplett übernommen werden.
Objekt der Traton-Begierde: Die US-Nutzfahrzeugmarke Navistar soll komplett übernommen werden.
(Bild: Navistar)

Die Volkswagen-Lkw- und Bustochter Traton muss in der Hängepartie um die schon länger geplante Übernahme des US-Truckherstellers Navistar draufsatteln. 43 US-Dollar pro Aktie will Volkswagen jetzt hinlegen, statt wie im Januar verkündet 35 Dollar. Navistar erklärte nach der aufgestockten Offerte am Donnerstag, das Unternehmen wolle das Angebot prüfen.

Die Übernahmegespräche waren auch wegen der Corona-Krise ins Stocken geraten. Navistar-Großaktionär und US-Starinvestor Carl Icahn war dem Vernehmen nach aber auch mit dem Preis nicht zufrieden. Insgesamt bietet VW nun 3,6 Milliarden Dollar, um auf dem wichtigen nordamerikanischen Nutzfahrzeugmarkt einen Fuß in die Tür zu bekommen.

Im September 2016 war die Sparte mit den schweren VW-Nutzfahrzeugen bei den Amerikanern eingestiegen, um dem Rivalen Daimler das Feld in den USA nicht allein zu überlassen. Daimler ist Weltmarktführer bei schweren Lkw und auf dem US-Markt vor allem mit der Marke Freightliner stark vertreten. Zunächst kooperierten VW und Navistar bei Zulieferteilen, um die Kosten zu senken.

Navistar ist in den Miesen

Zuletzt hatte Navistar das dritte Geschäftsquartal (bis Ende Juli) hatte Navstar mit Verlust abgeschlossen. Unter dem Strich stand ein Minus von 37 Millionen US-Dollar (rund 31 Mio.Euro). Im Vorjahreszeitraum hatte Navistar noch einen Gewinn von 156 Millionen Dollar erwirtschaftet. Navistar schrieb bereits im ersten und zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahrs rote Zahlen – und damit auch schon vor der Covid-Pandemie. Die Erlöse brachen infolge der Krise im dritten Quartal um 45 Prozent auf 1,7 Milliarden Dollar ein.

Zuletzt waren in Industriekreisen Spekulationen darüber aufgekommen, dass Traton die Übernahmegespräche mit dem US-Konzern wieder aufnehmen wolle, nachdem die Verhandlungen coronabedingt auf Eis gelegen hatten. VW-Konzernfinanzchef Frank Witter hatte Ende Juli gesagt, dass in Sachen Navistar in letzter Zeit wenig passiert sei.

Im Juli hatte zudem VW-Nutzfahrzeugvorstand Andreas Renschler seinen Posten als Traton-Chef in einer größer angelegten Managementrochade bei VW räumen müssen. „Wir sind weiterhin der Auffassung, dass ein vollständiger Zusammenschluss von Traton und Navistar überzeugende strategische Vorteile für beide Seiten bietet“, sagte nun sein Nachfolger Matthias Gründler. „Deshalb bekräftigen wir trotz der derzeitigen Situation durch die Covid-19-Pandemie unser Interesse an dieser Transaktion“, sagte der Traton-Vorstandschef.

Finanzspritze vom Mutterkonzern

Bei Annahme des Vorschlags würde Traton alleiniger Eigentümer von Navistar, hieß es vom Mutterkonzern aus Wolfsburg. Dazu will der Mutterkonzern Volkswagen bei der Finanzierung unter die Arme greifen. Derzeit hält VW über Traton 16,8 Prozent an Navistar. Der Anteil von Carl Icahn, als streitbarer Investor bekannt, ist aber noch leicht höher. Einen ähnlich hohen Anteil wie die beiden hält zudem noch der Finanzinvestor MHR.

Das Angebot stehe weiterhin unter dem Vorbehalt, dass die Buchprüfung zufriedenstellend ausfällt und sich Traton und Navistar auf einen Vertrag zum Zusammenschluss einigen könnten.

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